SOMMERHAUSEN

Veit Relin im Paradies der Künstler

Letzter Gruß: Fans, Weggefährten und Angehörige verabschieden sich von Schauspieler, Regisseur und Intendant Veit Relin. Foto: Norbert Schwarzott

„Ich hätte ihm ein bisschen Sonnenschein gewünscht.“ Die Schauspielerin Brigitte Obermeier, die Veit Relin vor vielen Jahren kennenlernte, steht im winterlichen Nieselregen auf dem Friedhof in Sommerhausen (Lkr. Würzburg) und nimmt Abschied von ihrem berühmten Kollegen. „Schönes Wetter hätte viel besser zu seiner Lebensfreude gepasst“, sagt sie.

Aber die Freunde und Weggefährten Veit Relins, der am 23. Januar im Alter von 86 Jahren gestorben war, müssen unter Schirmen Schutz suchen, während der schlichte helle Holzsarg zum Grab weit oben auf dem Friedhof gefahren wird. Von diesem Platz aus könnte Veit Relin sein Torturmtheater sehen, die Weinberge und die alten Fachwerkhäuser des schmucken Ortes, den er mehr als 30 Jahre lang seine Heimat nannte. An die 300 Menschen dürften es sein, die am Freitag Abschied nehmen wollen von dem Schauspieler und Maler, dem Allround-Talent mit dem heiteren Lächeln und der Pfeife im Mund.


 Etliche Schauspiel-Kollegen, die mit Veit Relin im Torturmtheater gespielt haben, sind gekommen. Und viele, viele Sommerhäuser. Ihre Anteilnahme zeigt, dass der gebürtige Österreicher in seiner unterfränkischen Wahlheimat keine isolierte Erscheinung war. Er war ein Mensch, ein Nachbar, ein Freund, von dem der Abschied schwerfällt. Hier ist niemand, der bloß mal eben gucken will, wie ein Prominenter beerdigt wird. Während klassische Musik vom Band erklingt, fließen Tränen.

Auch bei Lilo Oppel aus Winterhausen. Dass er sich an Tabuthemen gewagt hat und, dass es ihm egal war, was die Menschen über ihn gedacht haben. Das schätzte sie an Veit Relin. Unter den Trauergästen ist auch Pia Beckmann, die ehemalige Oberbürgermeisterin von Würzburg. Oft war sie zu Hause bei den Relins, und weggefahren sei sie stets mit einem Schmunzeln. „Die Besuche waren immer ein Erlebnis“, erinnert sie sich. Vermissen wird sie seine Lebensfreude, „die bis ins hohe Alter noch spürbar war“.

Thomas Goppel, ehemaliger Bayerischer Kunstminister, spricht auf Wunsch des Verstorbenen als einziger einen Nachruf. Seine Worte fasst er in einen Brief an den Verstorbenen. „Es gibt nur wenige Unikate in der Menschheitsgeschichte – und Du, lieber Veit, gehörst dazu“, sagt er. Mit Veit Relin stirbt der „letzte Minnesänger, neudeutsch ein künstlerischer Allrounder, der Bühnengeschichte geschrieben hat“, würdigt er.

Goppel glaubt, dass Veit Relin nun im Paradies der Künstler angekommen ist. Hier aber keineswegs mutterseelenallein unterwegs ist. „Denn einer wie Veit Relin ist immer in Begleitung, in guter Gesellschaft“, weiß Goppel um „die Seele des beseelten Künstlers“.

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