WÜRZBURG

Vier Jahre Haft für Autofahrer: Radler gerammt und fast zu Tode geprügelt

Vor dem Würzburger Amtsgericht musste sich am Dienstag ein Mann verantworten, der vor vier Monaten im Landkreis Kitzingen auf einen Radler eingeprügelt hatte, den er zuvor mit seinem Auto gerammt und dabei schwer verletzt hatte. Das Gericht ahndete diese Brutalität mit vier Jahren Haft.

Der Drogen- und tablettenabhängige 42-Jährige hat ganz eigene Ansichten darüber, was ihn – zum 18. Mal in seinem Leben – mit dem Gesetz in Konflikt brachte: Er habe auf dem Gemeindeverbindungsweg bei Gerlachshausen (Lkr. Kitzingen) sein Auto gestoppt, um eine Joggerin auf der einen Seite vorbei zu lassen und den Radfahrer auf der anderen. Da habe ihn der Radler grundlos beschimpft und mit der Faust gedroht.

Er wollte ihn angeblich nur zur Rede stellen, wendete und jagte dem Radler nach. Der sei in Schlangenlinien gefahren, um das Auto nicht vorbei zu lassen. Schließlich sei es unbeabsichtigt zur Kollision gekommen, worauf der athletische Autofahrer aus dem Wagen sprang. Aber nicht um dem gestürzten Radler zu helfen.

Er drosch mit einem Schlagwerkzeug auf ihn ein. „Ich war so in Rage, ich habe gar nichts gedacht“, sagt der Angeklagte. „Ich hab' halt überreagiert, da war mit Denken nix mehr drin.“ Anschließend fuhr er davon, ohne sich um den Verletzten zu kümmern. Und da ihm der Widerruf einer sechsmonatigen Bewährungsstrafe nach einer Verurteilung in Kitzingen drohte, tauchte er unter. Zwei Wochen später wurde er – mit einer Kappe und einer Perücke getarnt – von der Kripo gefasst. Wo er sich verborgen hatte, will er nicht sagen.

Richterin Barbara Landgraf macht dem Angeklagten klar, dass sie seine Darstellung für „abwegig und nicht nachvollziehbar“ hält – und keinesfalls für ein Geständnis, das sich strafmildernd auswirkt. Gegen seine Version sprachen nicht nur die Schilderung des Opfers („Ich habe gedacht, mein letztes Stündlein hat geschlagen“) und der joggenden Zeugin, die ihn schimpfen hörte und hinter dem Radler herjagen sah. Bei der Überwachung diverser Telefone hörten Ermittler auch, er habe seiner Mutter erzählt: „Hätte ich eine Knarre gehabt, hätte ich ihn abgeknallt“.

Selbst im Prozess fand er kein Wort des Bedauerns für sein Opfer, das 14 Tage im Krankenhaus lag, wegen des schmerzhaften Oberschenkelhalsbruches nach vier Monaten immer noch hinkt und betont: „Er hat wie von Sinnen auf mich eingeschlagen. Ich hatte Todesangst. Ohne Fahrradhelm wäre ich nicht hier“.

Richterin Landgraf und ihre zwei Schöffen verurteilen den 42-Jährigen zur Höchststrafe, die sie verhängen dürfen: vier Jahre Haft. Die Kosten des Verfahrens soll er auch tragen. Doch da ist wohl wenig zu holen: Der gelernte Maschinenbauer arbeitete nach eigenen Angaben zuletzt als Tätowierer und lebt seit Jahren von Hartz IV.

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