MÜNCHEN/WÜRZBURG/LOHR

Vollbremsung bei der B 26n?

In die Diskussion um die geplante Westumgehung Würzburg, kurz B 26n, kommt neuer Schwung. Mittlerweile zeichnet sich ab, dass die seit 2001 konzipierte Fernstraße kaum autobahnähnlich gebaut werden wird, weil der Nutzen die Kosten in Höhe von mindestens 500 Millionen Euro nicht rechtfertigen dürfte. Ihre Gegner fordern nach dem Verzicht der Staatsregierung auf die B 15n zwischen Landshut und Rosenheim, dass auch die B 26n aus der Liste bayerische Projekte für den nächsten Bundesverkehrswegeplan (BVWP 2015) herausgenommen und neu nachgedacht wird. Die Befürworter halten an der Anmeldung der B 26n für den BVWP fest, sind aber zu Abstrichen bei der Planung bereit.

Am Montag hatte Bayerns Innen- und Verkehrsminister Joachim Herrmann das Aus für die B 15n verkündet. Es gebe keine konsensfähige Lösung für die Neubautrasse im Nordosten von München. Herrmann kündigte Gespräche über die Entlastung von Ortsdurchfahrten an.

Beim Verein „Bürger und Kommunen gegen die Westumgehung Würzburg/B 26n“ unterstreicht man die Parallelen. „Auch bei uns ist der Widerstand nach wie vor sehr groß, auch bei uns ist die Trasse nicht konsensfähig“, sagt Vorsitzender Matthias Zorn (Hettstadt, Lkr. Würzburg) und fügt hinzu: „Auch bei uns geht es im Wesentlichen nur um Ortsumgehungen im Werntal.“ Zorn will, dass das Projekt B 26n wie die B 15n aus dem BVWP gestrichen wird. Dann könne man „lokale und regionale Konsenslösungen“ suchen.

Die Befürworter der B 26n warnen vor einem solchen Schritt. Sie fürchten, dass dann auf absehbare Zeit nichts mehr geschieht, um das Werntal vom Verkehr zu entlasten. „Es ist doch unbestritten, dass zwischen Arnstein und Karlstadt was passieren muss“, sagt Manfred Goldkuhle, Vorsitzender des Vereins „Pro B 26n“ (Karlstadt, Lkr. Main-Spessart). Goldkuhle ist auch der Meinung, dass die Planung „über Karlstadt hinausgehen muss“.

Bis zum Ende des Raumordnungsverfahrens 2011 wollten die Planer eine Art Autobahn, die den Main südlich von Karlstadt quert und an Duttenbrunn vorbei in den Landkreis Würzburg schwenkt, um bei Helmstadt auf die Autobahn A 3 zu treffen. Diese Trassenführung durch unberührte Landschaft hatte zusätzlichen Widerstand mobilisiert.

Der Ex-Staatsminister und nach wie vor bestens vernetzte CSU-Politiker Eberhard Sinner (Lohr) denkt nun laut über eine „Lösung in den Spessart rein“ nach. In Karlstadt dürfe der Verkehr jedenfalls nicht „versanden“, sagt Sinner. Ihm schwebt eine abgespeckte, kreuzungsfreie B 26n „nahe der raumgeordneten Trasse“ vor, die bei Marktheidenfeld an die A 3 angebunden werden könnte. Die Breite hält Sinner für nicht so wichtig: „Ich wäre schon mit zwei Spuren zufrieden.“

  • Mehr zum Streit um die B26n  unter mainpost.de/westumgehung 

Beim Verfahren für den Bundesverkehrswegeplan 2015 gelten neue Regeln. Berlin hat angekündigt, alle von den Ländern angemeldeten Fernstraßenprojekte auf den Prüfstand zu stellen. Die Befürworter der B 26n wissen seitdem um die Gefahr einer Vollbremsung und sind zu Kompromissen bereit. Die B 26n-Gegner stehen regionalen Lösungen nicht im Weg, das haben sie wiederholt betont. Vorsitzender Matthias Zorn hofft, dass „auf sachlicher Ebene gemeinsam bedarfsgerechte Lösungen“ zu finden sind. Gegner und Befürworter der Straße wollen sich Anfang Februar treffen und die Chancen einer Einigung ausloten.

Rückblick

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  41. Nach Mahnfeuern gegen B 26n: IHK reagiert
  42. Feuriger Widerstand gegen eine Westspange
  43. Vollbremsung bei der B 26n?
  44. Bürgerentscheid über Autobahnausbau in Würzburg
  45. A3-Ausbau: Bürgerentscheid voraussichtlich am 13.April
  46. B 26n: Privat gebaut und vom Staat gemietet?
  47. B 26n-Gegner sehen optimistisch in die Zukunft
  48. Neues Angebot steht im Raum
  49. Gegner der B 26n versammeln sich für Berichte und Wahlen
  50. B 26n: Planer prüfen Alternativen

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