BAD KISSINGEN

Was wird aus der kleinen Marie?

Schicksal ungewiss: Vor dem Landgericht Schweinfurt geht es am Donnerstag erneut darum, wie die vierjährige Marie aus Rumänien zu ihren deutschen Pflegeeltern gekommen ist.
Schicksal ungewiss: Vor dem Landgericht Schweinfurt geht es am Donnerstag erneut darum, wie die vierjährige Marie aus Rumänien zu ihren deutschen Pflegeeltern gekommen ist. Foto: Susanne Wahler-Göbel

Was wird aus diesem Kind? Diese Frage treibt eine Pflegefamilie aus dem Landkreis Bad Kissingen seit nunmehr vier Jahren um. Im Dezember 2006 wurde das Mädchen Marie (Name geändert, die Red.) von ihnen aus Rumänien nach Deutschland gebracht. Vermittelt hatte dies eine Frau aus Hammelburg, die das Amtsgericht Bad Kissingen vor eineinhalb Jahren wegen versuchten Kinderhandels zu einer Bewährungsstrafe verurteilt hat. Nun steht am 1. Juli die Berufungsverhandlung am Landgericht Schweinfurt an, wie dessen Präsident Ernst Wich-Knoten auf Anfrage der Main-Post mitteilte.

Eine entscheidende Rolle wird dabei den leiblichen Eltern zukommen, die – anders als in erster Instanz – nun als Zeugen gehört werden sollen, so Wich-Knoten. Das Erscheinen der aus sehr ärmlichen Verhältnissen stammenden Eltern zu gewährleisten, ist laut Wich-Knoten schwierig. „So einen Fall hatten wir noch nicht.“ Die Eltern leben in dem Ort Giulvaz, etwa zehn Kilometer von Temesvar entfernt, und sprechen kein Deutsch.

Richter: Bizarrer Ablauf

Durch ihre Aussagen sollen die Umstände geklärt werden, unter denen die leiblichen Eltern bereit waren, ihre Tochter – damals das jüngste von neun Kindern – nach Deutschland zu geben. „Es ist uns leider nicht gelungen, Klarheit in diesen bizarren Ablauf zu bringen“, bedauerte im Januar 2009 der Direktor des Amtsgerichts Bad Kissingen, Matthias Göbhardt, in seinem Urteil.

Die Pflegeeltern hatten nach einem persönlichen Schicksalsschlag ein Kind adoptieren wollen. Durch einen Artikel in einer lokalen Tageszeitung war das Ehepaar auf die Hammelburgerin und ihr Hilfsprojekt aufmerksam geworden und mit ihr in Kontakt getreten. „Uns ging es von Anfang an um Adoption“, hatte die Pflegemutter mehrfach vor Gericht beteuert.

Fakt ist jedoch, dass es gegen rumänisches Recht verstößt, Kinder aus diesem osteuropäischen Land ins Ausland zu adoptieren, wenn es sich bei den Adoptionseltern nicht um Verwandte handelt. Entsprechend befindet sich die Pflegefamilie auf einer Odyssee zwischen deutschen und rumänischen Behörden. „Wir können keinen Kontakt mehr mit den leiblichen Eltern aufnehmen, wir erreichen sie seit über einem Jahr nicht mehr“, klagt die Pflegemutter zudem.

Die Berichterstattung in dieser Zeitung über den Gerichtsprozess und das ungeklärte Schicksal des heute vierjährigen Mädchens, dem die Rückführung in sein ihm völlig unbekanntes Heimatland droht, hat nicht nur überregional für große Aufmerksamkeit gesorgt. Ein Team von Spiegel TV hatte sich des Falls angenommen.

Rumänische Recherchen

Über das Internet haben die Artikel dieser Zeitung auch rumänische Behörden und Medien auf den Plan gerufen. Ein eigens aus Bukarest angereister Journalist hatte im Landkreis Bad Kissingen in dem Fall recherchiert und der Tageszeitung Jurnalul National einen Artikel veröffentlicht, der zahlreiche rumänische Internet-Kommentare nach sich zog.

Der Kissinger Landrat Thomas Bold, die Bundestagsabgeordnete Susanne Kastner und Landtagspräsidentin Barbara Stamm hatten sich beim rumänischen Generalkonsulat in München sowie bei Behörden in Temesvar für das Bleiben des Mädchens in Deutschland eingesetzt. Erfolglos. Stattdessen hatte sich das Konsulat vor rund einem Jahr mit einem Amtshilfegesuch an das Landratsamt Bad Kissingen gewandt. „Uns wurde mitgeteilt, dass die leiblichen Eltern das Kind zurück haben wollen“, so Pressesprecher Stefan Seufert.

Seufert hat gegenüber dieser Zeitung jedoch mehrfach bestätigt, dass das Landratsamt Bad Kissingen keine Notwendigkeit sieht, „Amtshilfe für die rumänischen Behörden zu leisten“. Passiert ist seitdem von behördlicher Seite aus nichts mehr. Eine auf rechtlich dünnem Fuß stehende rumänische notarielle Beglaubigung hatte dem Kind eine Pflegschaft bei der deutschen Familie bis Juni 2010 zugesichert. Die ist nun abgelaufen.

Verteidiger hat gewechselt

Vor dem Landgericht geht es aber zunächst nur um die rechtliche Beurteilung des Verhaltens der Hammelburger Vermittlerin sowie ihrer mitangeklagten Tochter. Ihr bisheriger Verteidiger hat vor kurzem sein Mandat niedergelegt, wie er dieser Zeitung telefonisch mitteilte. Die Frau wird jetzt von einer bekannten Würzburger Anwältin vertreten. Diese verweigerte auf Anfrage der Main-Post allerdings jegliche Auskunft zum bevorstehenden Prozess.

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