WÜRZBURG

Weihnachtslieder, die alle kennen

Wer kennt die alten Weihnachtslieder noch? Wie bekannt sind die traditionellen Melodien, und wer kann sie auswendig noch mitsingen? Wie viele Strophen hat eigentlich „O du fröhliche“ oder „Kommet, ihr Hirten“?

„Stille Nacht, heilige Nacht“ gilt als das bekannteste Weihnachtslied der Welt und ist zum immateriellen UNESCO-Kulturerbe erklärt worden. Das im Jahr 1818 in Österreich komponierte Lied bildet für zahlreiche Menschen einen Fixpunkt des Heiligen Abends und ist aus Feiern im Familien- und Freundeskreis sowie kirchlichen Feiern, insbesondere der Christmette, nicht wegzudenken. „Für viele ist es der Inbegriff des Weihnachtsliedes überhaupt“, sagt Professor Friedhelm Brusniak, Lehrstuhlinhaber für Musikpädagogik an der Universität in Würzburg.

Sind Volkslieder kalter Kaffee oder noch im Trend? Das wollten auch Studenten der Ethnologie und der Musikpädagogik an der Universität in Würzburg wissen. Sie trafen sich auf dem Würzburger Weihnachtsmarkt und überredeten Passanten zum Weihnachtsliedersingen. Etwa 100 Personen schlossen sich dem spontan gebildeten Chor an. Ein Erfolg. Doch welchen Stellenwert hat das gemeinsame Singen in der heutigen Gesellschaft? „Die Bereitschaft, zu Hause zu singen, und damit auch das Lernen und Üben von Volksliedern ist deutlich gesunken“, sagt Friedhelm Brusniak.

Aktiv war die Generation der Jugendmusikbewegung und Singbewegung der 1920er Jahre. Sie war bestrebt, auch unter Laien das Singen und Musizieren zu fördern, dazu gehörte auch die Pflege traditioneller Volkslieder. „Auch in Gottesdiensten, Andachten, in Chören und Gesangvereinen, Kindergärten und Schulen wurde noch bis in die 1960er Jahre viel gesungen und so das traditionelle Liedgut von einer Generation zur nächsten weitergegeben“, sagt Brusniak.

Wenige wissen noch, dass „Ihr Kinderlein kommet“ acht Strophen hat. Heutige Väter und Mütter seien oft bei Eltern aufgewachsen, die die Sing-Ideologie ihrer Vorfahren wegen des Missbrauchs durch die Politik der Nationalsozialisten ablehnten. In den Kindergärten und Schulen werden auch oft neue, moderne Lieder einstudiert. So gilt auch der Song „In der Weihnachtsbäckerei“ von Rolf Zuckowski bereits als deutsches Volkslied, obwohl es erst 1987 komponiert wurde. „Ich beklage das nicht“, sagt Brusniak. „Jede Zeit hat ihre Lieder, auch wenn viele neue Weihnachtslieder keine zentrale Aussage haben und nicht so wirkungsmächtig und zeitlos sind wie die traditionellen Lieder.“ Insgesamt sei es allerdings zu pauschal zu sagen, dass die Menschen nicht mehr gern singen. Das zeigt sich am Beispiel des sogenannten Wirtshaussingens, das seit einigen Jahren populär ist. Vielerorts wird auch das öffentliche Adventsliedersingen praktiziert wie in Würzburg, Lohr, Eibelstadt oder Ochsenfurt. Singen verbindet einfach.

„O du fröhliche“ ist nach Ansicht des Musikpädagogik-Professors eines der Weihnachtslieder, das die meisten Menschen ohne Text mitsingen können. „Dieses Lied wird meist stehend zum Ende des Weihnachtsgottesdiensts auswendig mitgesungen – und die meisten können sogar alle drei Strophen“, sagt Brusniak. Zu seinen eigenen Lieblingsweihnachtsliedern zählen „Es kommt ein Schiff geladen“ und „Es ist ein Ros entsprungen“. „Das sind Zeugnisse der Weihnachtskultur, die berührt, prägt und trägt“, sagt Brusniak.

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