NORDHEIM

Wein, Wein, überall Wein

Die Weininsel bei Volkach ist das geheime Markenzeichen des fränkischen Weinlandes. Auf einer Rundwanderung von der Hallburg nach Nordheim lässt sich die Kulturlandschaft aus Tausenden von Reben am besten entdecken.

Wer die Aussichtsplattform nicht findet, hat etwas verpasst. Schnell mal eine falsche Abzweigung genommen oder die Hinweisschilder übersehen, schon steckt man mitten im Labyrinth aus Abertausenden von Rebstöcken – irgendwo zwischen Sommerach und Nordheim.

Vielleicht ist das der Grund, warum man als Wanderer auf der Weininsel bei Volkach (Lkr. Kitzingen) so gerne zu der 360-Grad-Panoramaplattform pilgert. Weil das Sich-Verlieren in den Weinbergen so reizvoll ist. Und weil man sich dann doppelt freut, wenn man endlich oben am höchsten Punkt der Insel angelangt ist. Von keinem anderen Ort hat man einen so guten Rundumblick auf die gesamte Weininsel und weit darüber hinaus. Hier wird sogar der tratschfreudigste Zeitgenosse einen Augenblick lang still vor Ehrfurcht.

Die Weininsel ist das geheime Markenzeichen des fränkischen Weinlandes. Das herzförmige Eiland ist komplett von Wasser umgeben und zum größten Teil mit Weinbergen bedeckt. Im Norden, Westen und Süden umschmiegt der Altmain die Weininsel in einem festen Bogen. Im Osten stößt die Insel an den so genannten Mainkanal, den die Schiffe als Abkürzung zwischen Volkach und Gerlachshausen benutzen. Und das offizielle Wahrzeichen von Weinfranken, die Mainschleife mit den berühmten Steilhängen von Escherndorf, hat man von hier aus direkt im Visier.

Ausgangspunkt für eine Erkundungstour der Weininsel mit Nordheim als Ziel ist die Hallburg im Nordosten des Eilands, von Volkach aus über eine Brücke und ein kurzes Waldstück zu erreichen. Die mittelalterliche Burg, zu deren Areal auch ein Gutshof und ein Weingut gehören, ist seit dem 19. Jahrhundert in der Hand der Grafen von Schönborn. Wer die Burg rechts liegen lässt, kommt auf einen Weg, der entlang einer alten Bruchsteinmauer durch die Weinlage der Burg führt – den so genannten Schlossberg mit seinen Silvaner- und Rieslingstöcken. Hier am Südhang sind die Reben geschützt. Das Weingut des Grafen von Schönborn spricht sogar von „fast mediterraner Wärme“.

Am westlichen Ende der Weinlage öffnet sich die Mauer hin zur Weininsel. Ein schmaler Waldstreifen, dann nichts als Wein, soweit das Auge reicht. Rebstöcke, gepflanzt in langen Reihen, ziehen ihre Bögen hinunter ins Tal. Hier streift ein Winzer langsamen Schrittes durch seinen Weinberg, dort rauscht ein Mädchen auf einem Traktor den Weinbergsweg entlang. Auf dem Kalkboden der Weininsel bauen Nordheimer und Sommeracher Winzer ihre Weine an. Die Weinlagen haben Namen wie Kreuzberg, Vögelein und Katzenkopf. Vor allem helle Rebsorten wie Silvaner und Müller-Thurgau findet man hier zuhauf. Wer genau hinsieht, entdeckt aber auch Reihen, aus denen blaue Träubel hervorblitzen.

Hier auf der Höhe weht eine frische Brise. Richtig kräftig bläst der Wind aber erst, wenn man die Stufen zur Panorama-Aussichtsplattform hinaufsteigt. Dort oben kommt alles zusammen, was auf der Weininsel unterwegs ist. Da ist zum Beispiel die Clique aus dem Kahlgrund, die ihre Musikinstrumente auspackt, die Stimmen ölt und in den Wind hinein ein Ständchen singt. Da ist das Pärchen aus Österreich, das reihenweise Fotos von der Weinbergskulisse knipst – der gemeinsame Hund immer im Bild. Und da ist die Pferdekutsche, deren Insassen die Plattform im Vorbeifahren grüßen.

Allein ist hier oben niemand lang. Ohnehin ist es schöner, die Aussicht gemeinsam zu genießen. Bis zum Schwanberg kann man hinüber sehen, bis nach Dettelbach oder nach Gaibach, wo man 1828 eine Säule zu Ehren der Bayerischen Verfassung errichtet hat – die Konstitutionssäule. Sogar die ist von der Plattform auszumachen. Dazwischen der Blick auf viele Weinlagen Mainfrankens.

Das Bild von der perfekten Idylle wird noch deutlicher, wenn man in den historischen Gassen von Nordheim ankommt. Ein Fachwerkhaus reiht sich ans Nächste, wuchtige Tore geben den Blick frei auf weinberankte Innenhöfe. Mehr als 50 Weingüter findet man in dem 1000-Einwohner-Ort. Eine so hohe Dichte findet man in der Region sonst wohl nirgends. Kein Wunder, dass sich Nordheim als größter Weinbauort Frankens bezeichnen darf und dementsprechend Gäste anlockt. Sogar einen Touristikrat gibt es hier.

Der Rückweg vom westlichen Ortsausgang Nordheims hinauf zur Hallburg ist um einiges kürzer als der Hinweg über die Panorama-Aussichtsplattform. Zeit zum Innehalten darf man sich aber auch hier gönnen. Zum Beispiel, um die bis zu 70 Grad steilen Hänge des Escherndorfer Lumps zu bestaunen. Oder um in den Weinbergen eine Winzerbrotzeit zu machen. Die hat man sich redlich verdient.

Rückblick

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