WÜRZBURG/HOF

Wie kam der Iraner in Hof ums Leben?

Der iranische Asylbewerber Hamid Samii, der in der Gemeinschaftsunterkunft (GU) in Hof ums Leben gekommen ist, hat vermutlich Suizid begangen. Davon geht mittlerweile auch die Regierung von Oberfranken aus, die für die GU in Hof verantwortlich zeichnet.

Regierungssprecher Uwe Zeuschel hatte zunächst von einem „natürlichen Todesfall“ gesprochen und einen Suizid „definitiv“ ausgeschlossen. „Diese Darstellung ist nicht aufrechtzuerhalten“, sagte Zeuschel am Mittwoch. Er führt sie auf Missverständnisse in der behördeninternen Kommunikation zurück.

Die Polizei hingegen war schon nach Bekanntwerden des Todesfalls von einer „nicht natürlichen Todesursache“ ausgegangen. Gleichzeitig hatten die Beamten Fremdverschulden ausgeschlossen. Genaue Erkenntnisse zur Todesursache erwartet sich die Staatsanwaltschaft Hof von der Obduktion des Toten. Diese sei mittlerweile abgeschlossen, Ergebnisse lägen aber noch nicht vor, so Leitender Oberstaatsanwalt Gerhard Schmitt.

Freunde des toten Iraners glauben, ihr Landsmann sei an einer Überdosis Antidepressiva gestorben. Der 28-Jährige soll „bis zu 70 Pillen“ geschluckt haben. Der Flüchtling sei unter großem psychischen Druck gestanden.

Unterdessen fordert die Grünen-Landtagsabgeordnete Ulrike Gote (Bayreuth) in einem Fragenkatalog an die Staatsregierung Aufklärung. Unter anderem möchte sie Informationen zu den Lebens- und Todesumständen sowie zum Stand des Asylverfahrens des Iraners erhalten. Irritiert hat Gote ein Hinweis, die persönlichen Gegenstände des 28-Jährigen seien an die iranische Botschaft übergeben worden. Falls das stimmt, will Gote wissen, ob es üblich ist, die „Hinterlassenschaft eines Flüchtlings“ ausgerechnet dem Land zu übergeben, aus dem er geflohen ist.

Für die Grünen zeigt der Suizid des Asylbewerbers einmal mehr, „wie die entwürdigende Unterbringungssituation Hilfe suchende Menschen in die Verzweiflung treibt“. Zum Handeln aufgefordert sieht die Landtagsfraktion vor allem Christine Haderthauer. Die bayerische Sozialministerin hat für den heutigen Donnerstag gemeinsam mit dem Würzburger Bischof Friedhelm Hofmann einen Besuch in der GU Würzburg angekündigt, was die Grünen lapidar kommentieren: „Vom Gucken wird's nicht besser.“

Unterdessen hat das Bistum zu einem „Pressetermin“ vor dem Eingang zur GU eingeladen. Dort würden der Bischof und die Ministerin von ihren „Eindrücken“ beim Gang durch die GU berichten. Beim Besuch selbst aber sind Medienvertreter nicht willkommen.

Schlagworte

  • Asylbewerber
  • Christine Haderthauer
  • Friedhelm Hofmann
  • Obduktionen
  • Oberfranken
  • Polizei
  • Selbstmord
  • Todesursachen
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
1 1
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!