WÜRZBURG/MEININGEN/SUHL

Wir sind Franken, keine Thüringer!

Welch ein Auftritt! Im Internet präsentiert sich der „Verein Henneberg-Itzgrund-Franken“ professionell: Besucher können alsbald nachvollziehen, warum es die pro-fränkische Initiative in „Südthüringen“ gibt, und es ist schön erklärt, was der Verein will und was nicht. Überschaubar ist auch die Schar der Vereinsmitglieder aufgelistet: 25 sind es in Thüringen, sechs in Bayern, eines in Baden-Württemberg. Na ja, der Verein existiert laut Gründungsurkunde erst seit August 2013, also gut eineinhalb Jahre.

Die Truppe um den Vorsitzenden Martin Truckenbrodt ist also noch klein, was sie allerdings nicht daran hindert, der Politik große Pläne zu unterbreiten und recht weit reichende Forderungen aufzustellen. Das Selbstbewusstsein bestimmt das Sein, und es gipfelt in einem markanten Satz: „Wir sind Franken, keine Thüringer!“

Der Verein erinnert daran, dass die Region, die heute von der Politik in der Landeshauptstadt Erfurt gewöhnlich als „Südthüringen“ bezeichnet wird, eine weitgehend fränkische Geschichte hat. Zur Landgrafschaft Thüringen gehörten nur kleine Gebiete, heißt es, die restliche Region gehörte über Jahrhunderte zum Herzogtum Ostfranken und das gesamte Henneberger Land später auch zum Fränkischen Reichskreis (1500 bis 1806).

Die sich als Franken fühlenden Thüringer machen darauf aufmerksam, dass es ein Bundesland Thüringen erst nach dem Ersten Weltkrieg gab und dass „dann während der DDR-Zeit die fränkische Identität der Region südlich des Rennsteigs sehr stark tabuisiert“ gewesen sei „um die entsprechende Zugehörigkeit auszublenden und so zwischenmenschliche Beziehungen der Bevölkerung mit den Franken südlich des antifaschistischen Schutzwalls rein auf noch existierende familiäre Bande zu begrenzen“.

„Unsere Bratwurst ist eine fränkische Bratwurst, unser Kloß ein fränkischer Kloß.“
Martin Truckenbrodt, Vorsitzender des Vereins Henneberg-Itzgrund-Franken

Seit 1990, also nach der Wende, operiere die Politik im Freistaat Thüringen „leider sehr erfolgreich“ mit dem Begriff Südthüringen. Der suggeriere eine nicht vorhandene historische Zugehörigkeit und ignoriere, dass sich die Nachfahren der Franken auch in ihrer Mentalität von den „sächsisch sprechenden“ Thüringern im Norden unterschieden.

Aus den Fehlern der Vergangenheit müssen Lehren gezogen und die gemachten Fehler müssen korrigiert werden, fordert die pro-fränkische Initiative. Für „Südthüringen“ bedeute das die Wiederherstellung der Landkreise Bad Salzungen, Schmalkalden, Meiningen und Suhl (Schleusingen), Hildburghausen und Sonneberg.

Die Planungsregion Südthüringen sollte in Planungsregion Henneberg-Franken umbenannt werden. Der Verein hat schon mal eine Fahne kreiert, die die schwarze Henne auf grünem Hügel neben dem fränkischen Rechen zeigt.

Und sollte es, wovon der „Verein Henneberg-Itzgrund-Franken“ ausgeht, früher oder später zu einer Fusion der Länder Thüringen, Sachsen-Anhalt und Sachsen kommen, müsste es für die „historisch nicht zu Thüringen-Obersachsen gehörenden Gebiete“ machbare Wege zur „fränkischen Wiedervereinigung“ geben.

So klein die Schar der 32 ist, so trotzig-fest steht sie zum Frankenland: „Unsere Bratwurst ist eine fränkische Bratwurst, unser Kloß ist ein fränkischer Kloß, unsere Kerwa ist eine fränkische Tradition, unser Bier ist ein fränkisches Bier.“

Übrigens hat die Gruppe um Martin Truckenbrodt, der bezeichnenderweise in einer Gemeinde namens Frankenblick im Landkreis Sonneberg lebt, 2014 das erste Mal mit zwei Veranstaltungen in Würzburgs Partnerstadt Suhl den Fränkischen Tag gefeiert.

Weitere Artikel

Schlagworte

  • Tilman Toepfer
  • Württemberg
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!