WÜRZBURG/LOURDES

Wo Gott die Erde berührt

Pilgerfahrt nach Lourdes: Wallfahrer aus dem Bistum Würzburg kehren zurück.
„Nun wollen wir den Himmel berühren“: Bischof Friedhelm Hofmann feierte mit rund 1000 deutschsprachigen Pilgern Gottesdienst an der Grotte in Lourdes. Foto: vanessa Biermann

Hellgrauer Fels, an manchen Stellen glatt, dann wiederum gespickt mit kleinen und größeren Wölbungen, so wie die Natur das Gestein schuf. Auf einem kleinen Vorsprung weiter oben thront eine schlichte, weiße Marienfigur, die Hände zum Gebet gefaltet. An dieser Stelle ist vor 154 Jahren die Muttergottes der Seherin Bernadette zum ersten Mal erschienen. Und an dieser Stelle hat Bischof Friedhelm Hofmann am Freitag mit rund 1000 deutschsprachigen Pilgern einen Gottesdienst gefeiert. Ein Höhepunkt der Wallfahrt der Generationen, an der rund 700 Pilger aus dem Bistum Würzburg teilgenommen haben. Diesen Montag kehren sie nach Unterfranken zurück, berichtet der Pressedienst des Ordinariates Würzburg (POW).

Viele Bilder und weitere Berichte von der Lourdes-Wallfahrt finden Sie hier

„An dieser Stelle hat Gott die Erde berührt. Nun wollen wir den Himmel berühren“, hieß Bischof Hofmann nicht nur die Würzburger Wallfahrer willkommen. Auch Pilger aus den Diözesen Passau und Rottenburg-Stuttgart, aus den Erzdiözesen Berlin und Freiburg sowie Gläubige aus Österreich und der Schweiz nahmen an dem Gottesdienst teil. „Man kann Gott nicht begegnen, wenn man nicht dem Nächsten begegnet“, mahnte der Bischof in seiner Predigt. Die Muttergottes habe den Menschen zwei Wörter mit auf den Weg gegeben: Gebet und Buße, die innerliche Umkehr. „Viele Menschen haben heute nicht mehr so den Glauben, weil sie keine innere Ruhe finden.“ Sie müssten lernen, die Muße wiederzufinden und sich vor Gott hinzusetzen. Dann passiere die Begegnung mit Gott. Bernadette habe das auch getan, sie grub nach der Quelle. Damit habe sie auf Jesus hingewiesen, denn er sei das Ziel. „Habt Mut, betet und büßet.“

Joachim Rath aus Bad Königshofen erlebte den Gottesdienst an der Grotte zum ersten Mal mit und war berührt: „Es hat mir super gefallen.“ Der 52-Jährige sitzt im Rollstuhl und durfte ganz nah am Altar mit dabei sein. „Es war beeindruckend, der Muttergottes so nah zu sein.“ Sowieso sei die Grotte für ihn ein besonderer Ort. Denn dort spüre er in seinen Beinen wieder etwas, ein Kribbeln.

Durch einen Zeckenbiss wurde Andreas Rötschke zum Pflegefall. Seitdem muss der 50-Jährige rund um die Uhr betreut werden. Eigentlich können Schwerstkranke keine Reise machen. Eigentlich. Nur in Lourdes ist das möglich.

26 Pflegekräfte und drei Ärzte der Malteser kümmern sich bei der Wallfahrt der Generationen um 45 Kranke im Accueille Notre Dame. Andreas Rötschke aus Wittichenau in Sachsen ist der Pilger, der am schwersten krank ist. Mit seiner Frau Antonia ist er zum siebten Mal mit dabei. Die Bedingungen seien zwar nicht wie zu Hause, aber er sei hier gut versorgt, sagt Antonia Rötschke. Einmal aus dem Alltag rauskommen, das tut beiden gut. Es ist Urlaub für sie, Camping. „Ich sage immer Krankenhaus-Camping“, erzählt Antonia. Ihr Mann hört zu. Von alleine kann er nicht sprechen. Dazu braucht er einen speziellen Aufsatz am Kehlkopf.

Ein Urlaub im Bayerischen Wald hat das Leben der vierköpfigen Familie Rötschke verändert. Es war Freitag, 13. August 1993. Dieses Datum wird Antonia Rötschke niemals vergessen. Ein Zeckenbiss, und Andreas Rötschke war infiziert. Fünf Monate lag er in der Berliner Charité im Koma. Der FSME-Virus zerstörte seinen Hirnstamm, der alle Befehle an den Körper weitergibt. Andreas ist vom Hals an gelähmt. „Erst dachte ich, ich bin am Ende“, erinnert sich Antonia. „Aber als mein Mann ins Krankenhaus geflogen wurde, da kam mir dieser eine Satz aus dem Vaterunser in den Sinn: 'Dein Wille geschehe.' Durch meinen Glauben konnte ich das verarbeiten.“

Jahr für Jahr reisen Millionen von Pilgern nach Lourdes, darunter viele Kranke und Behinderte, die auf Genesung hoffen. Immer wieder kommt es zu unerklärlich anmutenden Heilungen, die durch ein internationales Ärztekomitee geprüft werden.

Die Wallfahrt der Generationen des Bistums Würzburg soll voraussichtlich in drei Jahren wieder stattfinden. Ziel könnte dann Rom, das Grab des heiligen Petrus sein, sagte Bischof Hofmann nach seiner Rückkehr nach Würzburg. Mit Material von KNA

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