München

Würzburger Uwe Dolata zu Gast bei "Pelzig unterhält sich"

Moralisches um Mitternacht: Über mafiöse Verhältnisse in Deutschland sprach Frank-Markus Barwasser in der ARD-Talksendung „Pelzig unterhält sich“ mit dem Würzburger Wirtschaftsermittler Uwe Dolata.
Kabarettist und Kommissar: Der Würzburger Wirtschaftskriminalist Uwe Dolata (links) war Gast von Frank-Markus Barwasser ... Foto: BR

An Pelzigs Bowle kommt kein Gast vorbei: Giftgrün schwappt sie ins Glas, lässt Zuschauer schaudern und verklebt Gesprächspartnern des Kabarettisten Frank-Markus Barwasser den Mund. Ähnlich ist es mit Pelzigs Fragen. Die plätschern wie ein Schluck Bowle zum Gast hin, lustig, scheinbar naiv. Erst mitten in der Antwort dämmert es manchem, dass er damit einem gewieften Interviewer auf den Leim gegangen ist.

Am Donnerstag sollte sich Horst Seehofer der Bowle und den Fragen stellen, im Theater im Schlachthof in München. Dort wird die Sendung des Würzburger Kabarettisten Frank-Markus Barwasser alias Erwin Pelzig für die ARD aufgezeichnet. Seehofer war als Zugpferd gedacht. Doch der CSU-Chef sagt in letzter Minute ab – Terminzwänge.

So kommt als Einwechselspieler kurzfristig ein Mann zum Einsatz, der das Frage-und-Antwort-Spiel von Berufs wegen kennen muss: Uwe Dolata, Kriminalhauptkommissar aus Barwassers Heimatstadt Würzburg. Der Sprecher des Bund deutscher Kriminalbeamter in Bayern hat sich mit deutlichen Worten zu Wirtschaftskriminalität und Korruption in Deutschland einen Namen gemacht. Auch er kriegt die Bowle vorgesetzt, auch er nippt nur daran – wie zuvor Mr. Tagesschau Ulrich Wickert (ein ausgewiesener Gourmet), wie die fünfmalige Paralympics-Siegerin Verena Bentele (die den Kabarettisten und seinen fränkischen Dialekt fröhlich auf die Schippe nimmt) und der Gedankenleser Thomas Havener (der das Getränk gleich schaudernd stehen lässt).

Orangensaft, Grapefruitsaft und grelle Lebensmittelfarbe enthält das Rezept – keinen Alkohol, wie Wickert rügt. Das habe man geändert, seit Frau Käßmann zu Gast war, lästert Pelzig. Das Publikum johlt. Wickert kontert: Sei Pelzig etwa der geheimnisvolle Begleiter auf dem Beifahrersitz der Bischöfin gewesen? Heftiges Dementi: „Das war doch der Dings, der aus Hannover“, gibt Pelzig Gas in Richtung eines Ex-Spitzenpolitikers. „Nee, der klagt schon gegen die Behauptung“, weiß Wickert. Das Publikum lacht und beklatscht, wie sich die beiden die Bälle zuspielen.

Pelzig, der Franke mit dem rot-weiß-karierten Hemd, dem „Herrendäschle“ und „Hüdle“, schenkt ungehemmt ein. Wickert hält lässig dagegen, findet souverän zum Plauderton. Wohlfühlstimmung kommt auf.

Die blinde Sportlerin Bentele bezaubert mit ihrer erfrischenden Natürlichkeit und erfrischender Spottlust. Wie man sich denn so auf Platz 80 der beliebtesten Deutschen fühle, fragt Pelzig frech. „Auf welchem Rang findet man Sie?“, kontert Bentele mit einem Lächeln. Der Gedankenleser Havener verblüfft mit seiner Fähigkeit, Wahrheit und Lüge bei einem Gesprächspartner mit erstaunlicher Treffsicherheit zu erkennen.

Barwasser versteht es (im Unterschied zu anderen, die die Bezeichnung Talkmaster nicht verdienen), seinen Gästen Unterhaltsames zu entlocken. Dabei hatte er vor Beginn der Aufzeichnung noch gespottet: Es werde langsam schwer, gute Gäste zu bekommen. Denn der Auftritt bei „Pelzig unterhält sich“ sei für viele kein gutes Omen gewesen: Margot Käßmann sei danach zurückgetreten, Bischof Reinhard Marx sei nun mit dem Missbrauchsskandal in der Kirche beschäftigt, die Moderatorin Eva Hermann sei bei ihrem Sender rausgeflogen und Kurt Beck eine Woche nach dem Auftritt bei Barwasser SPD-Vorsitzender geworden.

Da grinst und klatscht man im Theater am Schlachthof, Pelzig hangelt sich lässig von Pointe zu Pointe. Doch um Mitternacht wird es moralisch: Barwasser präsentiert als letzten Gast Uwe Dolata, mit harmloser Bowle und scheinbar harmlosen Fragen. Der Gast ist zunächst auf der Hut, als er gefragt wird, ob er bei seinen Ermittlungen „Druck von oben“ bekommt: „Das ist eine gute Frage.“ Pelzig interpretiert: „Des heißt also ja.“

Das Publikum lacht, Dolata lacht mit. Die Anspannung löst sich, mit ihr die Hemmung. Dass im deutschen Gesundheitssystem „gekungelt und geschmiert wird auf Teufel komm raus“, hat der Würzburger auch anderswo schon gesagt – nur nicht so unverblümt wie bei Pelzig. Gerade in der Pharmabranche sei die Lobbyarbeit zu stark, „die Politiker nur noch Marionetten“. Machtlos habe sich schon Horst Seehofer als Bundesgesundheitsminister mit seinen Reformbemühungen gezeigt, auch sein Nachfolger Philipp Rösler „wird als Bettvorleger enden“. Das kommt so giftgrün wie Bowle daher, da geht ein Raunen und Kopfschütteln durchs Publikum, mit einem Mal schmeckt Fröhlichkeit pappsüß.

Selbst Pelzig, der mit geschickt lockenden Fragen Antwort auf Antwort hervorkitzelt, der interpretiert und kommentiert, wirkt am Ende betroffen. „So will man eine Sendung eigentlich nicht beenden“, schließt er. „Aber sei's drum.“

Die Sendung wird am Freitag, 16. April, ab 22.30 Uhr im Bayerischen Fernsehen wiederholt.

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