Würzburg

Zeit für Begeisterung

Fußballfan: Armin Maurer kümmert sich acht Stunden pro Woche um „seinen Verein“, den 1. FC Nürnberg.
Armin Maurer vor der Nürnberger Fankurve: Fußball ist der absolute Lieblingssport des gebürtigen Würzburgers und der 1. FC Nürnberg sein absoluter Lieblingsverein.
Armin Maurer vor der Nürnberger Fankurve: Fußball ist der absolute Lieblingssport des gebürtigen Würzburgers und der 1. FC Nürnberg sein absoluter Lieblingsverein. Foto: Fotomontage:MP

Heimatgefühle – das ist es, was Armin Maurer mit „seinem“ Fußballverein verbindet. Der gebürtige Würzburger, aufgewachsen in Ochsenfurt, widmet einen Großteil seiner Freizeit dem 1. FC Nürnberg (FCN), und das, obwohl sogar dessen Fans über den Verein sagen: „Der Club is a Depp.“

Frage: Der 1. FCN war vom Abstieg bedroht. Hat das Ihrer Begeisterung für den Verein Abbruch getan?

Armin Maurer: Ich war deswegen zu keinem Zeitpunkt weniger Fan – man fiebert vielleicht sogar umso mehr mit. Aber das pure Glück war es nicht, zugegeben. Da war schon Verzweiflung dabei.

Wie ging es los mit Ihrer Fußball-Leidenschaft?

Maurer: Als Junge hab' ich im Verein Fußball gespielt, war aber noch kein Fan von einer Mannschaft. Das ging mit 17, 18 los, als mich ein Freund, der Club-Fan war, an Wochenenden zu Spielen mitgenommen hat. Dann kam der Aufstieg des FCN in die erste Bundesliga, das hat starke Emotion freigesetzt, und irgendwann hat es mich nicht mehr losgelassen.

Was bedeutet es für Sie, Fan vom 1. FCN zu sein?

Maurer: Für mich steht der 1. FCN unter anderem für Franken, für Heimatgefühle. Ich wohne seit einiger Zeit in Frankfurt, bin aber in Ochsenfurt aufgewachsen. Dann hab' ich lange in Nürnberg gewohnt und die fränkische Art schätzen gelernt: Die Leute sind eher bescheiden, drängen sich nicht in den Vordergrund, genießen die Dinge aus einer inneren Zufriedenheit heraus. Wenn ich im Stadion bin und die Leute um mich herum Fränkisch reden, bekomme ich sofort Heimatgefühle.

Was macht den typischen Club-Fan aus?

Maurer: Club-Fans sprechen gern ironisch über ihren Verein: „Wenn wir schon nicht Rekordmeister sind, dann wenigstens Rekord-Absteiger.“ Nürnberg gilt als Verein, der das Unmögliche möglich macht – auch im negativen Sinn. Es gibt außerdem diesen Spruch: „Der Club is a Depp“ – weil er als amtierender Meister abgestiegen ist. Auf der anderen Seite ist Nürnberg aber auch ein Traditionsverein, anders als „Firmenvereine“ wie Wolfsburg oder Leverkusen.

Wie viel Zeit nimmt Ihre Fußball-Begeisterung in Anspruch?

Maurer: Dadurch, dass ich eine Weinhandlung habe und mein eigener Chef bin, kann ich auf der Arbeit im Internet surfen: Ich schreibe für „Clubfans United“, das ist ein Fan-Blog des 1. FCN. Wenn ich zwischendurch den Kopf freibekommen will, ist es entspannend, einen Artikel zu schreiben und sich mit anderen Fans auszutauschen. Dafür geht etwa eine Stunde täglich drauf. Am Wochenende schaue ich die Spiele im Fernsehen oder fahre ins Stadion. Pro Woche kommen so acht Stunden für den Verein zusammen.

Ist der Austausch mit Gleichgesinnten für Sie das Wichtigste am Fan-Sein?

Maurer: Auf jeden Fall. Ein Artikel im Blog von mir, den ich schön geschrieben finde, der aber nur zwei Kommentare kriegt, ist für mich weniger befriedigend als ein Artikel, der in Form oder Rechtschreibung nicht ganz perfekt ist, aber 40 Kommentare und einen Dialog nach sich zieht.

Muss Ihre Umwelt sehr unter Ihrer Fußball-Leidenschaft leiden?

Maurer: Die Partnerin kann das schon nerven, wenn man zum Beispiel am Samstag zumindest im Radio das Spiel anhören muss. Aber das geht nicht anders, das ist wie ein Zwang. O.k., wenn wir Karten fürs Theater oder die Oper haben, kann ich mich auch mal dazu überwinden. Aber danach will ich schon wissen, wie das Spiel ausgegangen ist!

Was ist denn das Besondere am Fußball?

Maurer: Als Fußball-Fan genießt man, man leidet, man freut sich – man lebt einfach enorme Emotionen aus. Vielleicht ist es das, was Fußball so faszinierend für Männer macht: Gefühle ganz intensiv zeigen zu können – was man als Mann sonst nicht unbedingt macht.

Es geht also nicht nur um den Sport?

Maurer: Es geht vor allem um die Emotion. Die Freude, aber auch das Gegenteil. Wenn Dein Verein im Kampf gegen den Abstieg vier Spiele hintereinander verliert, dann ärgerst Du Dich und willst rumschreien. Dazu kommt noch der offene Ausgang: Ob es am Ende zu einer Niederlage oder einem Sieg kommt, ist lange unklar. Die Überraschungsmomente und Unsicherheiten – das hat gefühlsmäßig Verstärkerwirkung.

Spielt eine Niederlage Ihres Clubs in Ihren Alltag hinein?

Maurer: Schon. Ich laufe zwar nicht eine Woche lang mit griesgrämigem Gesicht durch die Gegend und motze Kunden an. Aber wenn die Niederlage feststeht, brauche ich schon zehn Minuten bis eine halbe Stunde, um wieder runterzukommen.

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