WÜRZBURG

Zentralrat der Juden: Schuster soll Präsident werden

Soll Vorsitzender des Zentralrats der Juden in Deutschland werden: Josef Schuster. Foto: Thomas Obermeier

Der Würzburger Internist Josef Schuster soll neuer Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland werden. Der 60-Jährige kündigte an, er werde sich um die Nachfolge von Dieter Graumann bewerben. Ziel sei es, dessen erfolgreiche Arbeit fortzuführen, so Schuster auf Nachfrage dieser Zeitung.

Graumann hat am Freitag überraschend angekündigt, er werde nach vier Jahren an der Spitze des Zentralrats am 30. November nicht zur Wiederwahl antreten. Die Entscheidung sei ihm schwer gefallen, zitiert ihn eine Presseerklärung des Zentralrats, die Aufgabe sei ihm schließlich immer eine „Herzenssache“ gewesen, der er sich mit großer Leidenschaft gewidmet habe. Das Ehrenamt habe ihn aber auch „außergewöhnlich viel an Kraft und Zeit abgefordert“. Er freue sich nun wieder auf mehr Zeit für die Familie und das Privatleben.

Schuster und seine Präsidiumskollegen bedauern die Entscheidung. Man hätte sich gewünscht, dass Graumann seine erfolgreiche Arbeit fortsetzt. „Leider“, so Schuster, „haben alle Überzeugungsversuche im Vorfeld nichts genutzt“. Der bisherige Präsident habe Außerordentliches für den Zentralrat und die jüdische Gemeinschaft geleistet. So handelte er mit der Bundesregierung einen neuen Staatsvertrag aus und erreichte eine Verdoppelung der finanziellen Hilfen für die über hundert jüdischen Gemeinden in Deutschland.

Ausdrücklich begrüßt Graumann in der Presseerklärung die Kandidatur Schusters für seine Nachfolge. Auf diese Weise, werde die Kontinuität der bisherigen Arbeit gesichert. Er gehe von einer breiten Unterstützung für den Würzburger bei der Wahl am 30. November in Frankfurt aus.

Schuster selbst kündigte an, er wolle sich, falls er gewählt werde, zum einen weiterhin für die Weiterentwicklung der jüdischen Gemeinden einsetzen. Zum anderen sei es Aufgabe des Zentralrats, in der Öffentlichkeit wachsam gegenüber Antisemitismus und Rassismus zu sein. Besonderes Augenmerk gelte aktuell dem Kampf gegen einen „Fundamentalismus mit islamistischen Tendenzen“. Er lege aber wert darauf, so Schuster im Gespräch, dass sich die Wachsamkeit „nicht grundsätzlich gegen den Islam“ richte.

Josef Schuster stammt aus einer alt eingesessenen jüdischen fränkischen Familie. Geboren ist er 1954 in Haifa, wohin die Eltern auf der Flucht vor den Nazis emigriert waren. 1956 kehrte die Familie nach Würzburg zurück. Vater David Schuster war von 1958 bis 1996 Vorsitzender der jüdischen Gemeinde in Würzburg und Unterfranken. Josef Schuster folgte ihm in dieser Funktion ab 1998. Heute zählt die Gemeinde über 1000 Mitglieder.

Seit 2002 ist der 60-Jährige auch Präsident des Verbands der Israelitischen Kultusgemeinden in Bayern, seit 2010 Vizepräsident des Zentralrats in Deutschland.

Beruflich ist Schuster Internist. Seine Praxis in der Würzburger Juliuspromenade werde er auch als Präsident behalten, kündigte er an. Es handele sich bei diesem Vorsitz schließlich um ein Ehrenamt.

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