Zwischen Druck und freier Wahl

Berufswahl: Wenn es um die Berufswahl der Kinder geht, erweisen sich die meisten Eltern als Sicherheitsfanatiker. Experten raten jedoch dazu, die Jugendlichen ihren eigenen Weg finden und gehen zu lassen
Traumberuf Zahnarzt? Eltern sollten ihre Kinder nicht mit Gewalt in den eigenen Beruf drängen. Foto: thinkstock

Abi – und was kommt jetzt? Eigentlich hat man sein ganzes bisheriges Leben auf diesen Höhepunkt seiner Schulzeit hingearbeitet. Besonders in den letzten Monaten wird die Freude auf den Abschluss immer größer: Nie wieder die strengen Lehrer sehen, nie wieder Matrizen und Integrale, die man im echten Leben doch scheinbar sowieso nie mehr braucht, und endlich machen können, was man selber möchte. Aber dann geht alles plötzlich ziemlich schnell: Man ist fertig mit den Prüfungen, die Abschlussfeier ist vorbei, und man hält sein Abiturzeugnis in den Händen. Doch was macht man dann mit der neu gewonnenen Freiheit und vor allem mit der ganzen Zeit, die einem plötzlich zur Verfügung steht?

Einige haben schon einen genauen Plan von dem, was sie später machen wollen und wie sie sich dafür qualifizieren. Doch die Mehrheit steht vor tausend Fragen: Ist ein Studium oder eine Ausbildung besser für mich? Verlasse ich meine Heimatstadt oder bleibe ich bei meiner Familie und Freunden? Fange ich direkt mit einer Ausbildung an oder gehe ich ins Ausland, mache Praktika oder gehe arbeiten?

Bei diesen Entscheidungen spielen die Eltern die größte Rolle. „Eltern sind Sicherheitsfanatiker“, sagt Familienberater Andreas Dederich aus Würzburg. Während man gerade nur seine neue Freiheit genießen möchte, indem man so viel Zeit wie möglich mit seinen Freunden verbringt, reist, auf Partys geht und einfach mal tagelang im Bett rumliegen möchte, drängen sie rund um die Uhr mit Fragen wie: „Was hast du denn heute schon für deine Zukunftsplanung getan?“ oder „Du solltest dich nun wirklich entscheiden, was du studieren möchtest!“

Aber mit diesen ganzen Fragen sind die meisten ohnehin schon völlig überfordert, da braucht man nicht auch noch den ständigen Druck von Seiten der Eltern, selbst wenn sie es nur gut meinen. Das Wichtigste und Beste, was Eltern ihren Kindern bei der Berufswahl mitgeben können, ist Zeit. Die Zeit, mit ihnen über ihre Vorstellungen und Wünsche zu reden, alle Interessen abzuklopfen und über eigene Erfahrungen zu berichten. Außerdem, so bestätigt auch Andreas Dederich, sei es wichtig, bereits vor Abschluss der Schule die individuellen Stärken und Kompetenzen der Jugendlichen herauszufinden und sie immer wieder darauf hinzuweisen. Als Eltern solle man keine direkten Berufsvorschläge nennen, sondern seinen Kindern die passenden Rahmenbedingungen schaffen und sie durch Kenntnis ihrer individuellen Stärken ihren eigenen Weg finden lassen – auch wenn dieser danebengehen sollte. Dabei sollte den Kindern stets klar sein, dass sie ab nun für ihren weiteren Weg und ihr Leben selbst verantwortlich sind: „Das führt dazu, dass sie gewissenhafte Entscheidungen treffen“, erklärt Dederich.

Laut studycheck studieren Jugendliche in den letzten Jahren am häufigsten BWL, Maschinenbau, Informatik, Germanistik und Medizin. Die beliebtesten Ausbildungen sind Einzelhandelskaufmann/-frau, Verkäufer und Bürokaufmann/-frau. Doch vor allem akademische Eltern wollen für ihre Kinder in den meisten Fällen lieber ein Studium als eine Ausbildung. Das liegt nicht zuletzt an dem gesellschaftlichen Druck, der immer deutlicher macht, dass akademische Bildung mittlerweile mit beruflicher Bildung gleichgestellt ist, erklärt der Pressesprecher der Handwerkskammer für Unterfranken Daniel Röper: „Die Eltern sind für die Berufswahl ihrer Kinder der wichtigste Faktor und der größte Ratgeber“. Somit folgen die meisten Jugendlichen vorerst den Vorstellungen ihrer Eltern und fangen an zu studieren. Viele merken jedoch während des Studiums, dass das nicht der richtige Weg für sie ist, sagt Röper: „20 bis 40 Prozent der Studienanfänger brechen ihr Studium ab, um einen anderen Weg einzuschlagen.“

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