SCHWEINFURT

Angeblich fittes Pferd war reif für den Schlachter

Im zweiten Anlauf und mit einer Reihe von Zeugen hat das Amtsgericht Schweinfurt einen 42-jährigen Viehkaufmann aus dem Landkreis und seine 33-jährige Ex-Mitarbeiterin, eine Pferdepflegerin, wegen Betruges zu Geldstrafen von 3500 beziehungsweise 750 Euro verurteilt. Nach der Überzeugung des Gerichts hatten sie eine 24 Jahre alte, kranke Lipizzanerdame – von einem anderen Händler als Schlachtpferd erworben – über das Internet-Forum „Schlachtpferderettung“ als angeblich „topfit“ und reitfähig verkauft.

"Fragwürdiges Geschäft mit Schlachtpferden": Hier kommen Sie zur Vorgeschichte

Der Vorwurf der Tierquälerei im Fall eines anderen verkauften Pferdes wurde eingestellt, weil nicht nachgewiesen werden konnte, dass das Tier schon zum Verkaufszeitpunkt und beim Transport zur Käuferin schwer erkrankt war. Tierärztlich wurde die Druse – eine fieberhafte Infektionserkrankung des Nasen- und Rachenbereichs mit Vereiterung auch von Lymphknoten – erst vier Wochen nach dem Verkauf sicher festgestellt.

„Auf den Beinen völlig fertig“

Die Verteidigung wollte bezüglich des Betrugs einen Freispruch, zumindest aber eine Einstellung erreichen. Doch damit kam sie nicht durch. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der Interessentin aus Pfaffenhosen, die sich unter Bezug auf das Schlachtpferdeforum telefonisch erkundigt hatte, ein fittes Pferd versprochen worden war. Sie wollte es zum Reiten für ihren Sohn kaufen. Ihr sei versprochen worden, dass es reitbar ist.

Dabei war die Lipizzanerstute Zwirna nach den Zeugenaussagen des Vorbesitzers und des Zwischenhändlers völlig verbraucht. Jahrelang hat sie als Fahrpferd gearbeitet, vor allem bei Hochzeiten. „Sie war am Ende so fertig, vor allem auf den Beinen, dass sie immer wieder zusammengebrochen ist“, sagte der Zeuge, der Zwirna gezüchtet und 24 Jahre bei sich auf dem Hof hatte. Sie sei krank gewesen, er habe sie zum Schlachten verkauft, weil er ihr weiteres Leiden ersparen wollte.

Eine Sachverständige aus Niedersachsen bestätigte, dass das Tier sichtlich an der „Schimmelkrankheit“ litt – Melanome an verschiedenen Stellen. Viel schwerwiegender sei aber die „hochgradige Arthroseerkrankung“ gewesen. Reitfähig war die 24 Jahre alte Schimmelstute demnach keinesfalls mehr.

Statt eines drei Pferde geliefert

Das hat die Käuferin, der im Oktober 2008 mitten in der Nacht nicht nur eines, sondern gleich drei kranke Pferde geliefert wurden mit der Bemerkung des Fahrers, er werde keines der Pferde mehr mit nach Hause nehmen, erst am Tag darauf bemerkt. Zwirna fiel auf der Koppel hin. Die Käuferin hatte sich das Pferd vorher auch ansehen wollen, kaufte es aber „blind“, nachdem ihr gesagt wurde, das Tier sei zum gewünschten Besichtigungszeitpunkt schon auf dem Weg zum Schlachter in Italien.

Darin, dass die alte, kranke Zwirna als topfit und reitfähig bezeichnet und die Käuferin zu einer Entscheidung ohne Augenschein gedrängt worden war, sah das Gericht den Betrugsvorwurf erfüllt. Auch in der Höhe der Geldstrafe für die Angeklagten, die als Fachleute vom Zustand des Tieres wissen mussten, folgte das Gericht dem Antrag der Staatsanwältin.

Der Verteidiger der früheren Angestellten hat beiden Angeklagten angeraten, in Berufung zu gehen.

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