WÜRZBURG

Auto im Main: Unfallopfer wehren sich gegen Fotos

Der spektakuläre Unfall im Dezember, bei dem sich zwei Frauen aus einem im Main treibenden Auto in letzter Sekunde retten konnten, sorgt erneut für Schlagzeilen. Statt zu helfen, hatten Augenzeugen Fotos gemacht und sie an die Bild-Zeitung verkauft. Das sei nicht automatisch strafbar, stellten jetzt Juristen fest.
Polizei und Feuerwehr mussten die Unfallstelle lediglich absichern, nachdem Mitte Dezember zwei Frauen nach einem Verkehrsunfall mit ihrem Pkw in Würzburg im Main gelandet waren: Die Frauen hatten sich selbst retten können. Bis auf einen Passanten, war bei dem dramatischen Geschehen auch niemand bereit gewesen, ihnen zu helfen.
Foto: FOTO T. Ruppert | Polizei und Feuerwehr mussten die Unfallstelle lediglich absichern, nachdem Mitte Dezember zwei Frauen nach einem Verkehrsunfall mit ihrem Pkw in Würzburg im Main gelandet waren: Die Frauen hatten sich selbst retten ...
Der Unfall hatte sich Mitte Dezember in Würzburg ereignet. Wie mehrfach berichtet, war ein Auto mit einer Mutter und ihrer Tochter von einem Rentner beim Ausfahren aus einer Tiefgarage in den Main katapultiert worden. Der Fluss führte zu der Zeit Hochwasser und hatte eine starke Strömung.
Beide Frauen konnten sich durch glückliche Umstände selbst an Land retten. Ein evangelischer Pfarrer hatte noch beherzt vom Ufer aus geholfen. Sonst niemand.

Das makabre Schauspiel mitten in der Stadt an der Alten Mainbrücke hatte viele Zuschauer. Die griffen zwar nicht ein, machten aber Aktionsfotos, die dann auch in der Bild-Zeitung veröffentlicht wurden. Die Zeitung wirbt mit bis zu 500 Euro für Sensationsfotos. Unsere Redaktion hatte es im vorliegenden Fall übrigens abgelehnt, Sensationsfotos von einem Unglück gegen ein hohes Honorar zu veröffentlichen.

„Ist es legitim, zu fotografieren, statt zu helfen?“, wollten die Betroffenen wissen und stellten gegen die Laienfotografen Strafanzeige wegen unterlassener Hilfeleistung und wegen „Aufforderung zu Straftaten“ – so jedenfalls wurde von den Unfallopfern die Prämie für Sensationsfotos empfunden.

Die Ermittlungsbehörde vertrat nun die Auffassung, dass keine Aufforderung zu einer Straftat vorliege, weil es nur um die Zusendung von Bildmaterial und die urheberrechtliche Nutzung gehe. Im vorliegenden Fall wurde das im Main schwimmende Auto gezeigt, die Opfer des Unfalls waren bereits gerettet. Das schien auch für die Staatsanwälte den Ausschlag zu geben, warum eine strafrechtliche Verfolgung wegen unterlassener Hilfeleistung letztlich doch fallengelassen wurde.

Ein echter Grenzfall auch für den bekannten Unfall-Mediziner Peter Sefrin von der Uni Würzburg. Er wirbt in jeder Beziehung für die richtige Erste Hilfe am Unfallort. Bei der Wasserrettung warnt er aber vor zuviel Mut: „Wer ins kalte Wasser springt, muss gut schwimmen können und wissen, dass Ertrinkende ungewöhnliche Kräfte entwickeln. Dann besteht Gefahr für das Leben des Retters. Wir weisen darauf bei jeden Kurs für Erste Hilfe hin. Wenn jemand in einer solchen Situation fotografieren muss und Geld machen will, ist das eine rein moralische Frage.“

 
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