WÜRZBURG

Computerspende verschenkt PCs an Bedürftige

Arbeit am Computer: Ein Verein möbelt alte Rechner auf – für Empfänger von Hartz IV.
Foto: Thinkstock | Arbeit am Computer: Ein Verein möbelt alte Rechner auf – für Empfänger von Hartz IV.

Es ging alles viel schneller als gedacht. Nur ein paar Wochen, nachdem Maria Ebers (Name von der Redaktion geändert) zur Computerspende Würzburg Kontakt aufgenommen hatte, klingelte ihr Telefon. „Ihr PC ist fertig“, hieß es – zur Freude von Ebers und ihren beiden Kindern: „Wir fanden das natürlich total super.“

Die alleinerziehende Mutter arbeitet 20 Stunden pro Woche, bezieht aber trotzdem Arbeitslosengeld II. Sie gehört zu den „Aufstockern“. „Für einen neuen Computer fehlte uns das Geld“, sagt Ebers. „Wir besitzen zwar einen, aber zu dritt wurde es abends immer schwierig.“ Vor allem ihre Kinder, die beide das Gymnasium besuchen, brauchten für Schulaufgaben und Referate Zugriff auf Computer und Internet.

Per Zufall erfuhr Ebers von der Computerspende, einem Verein, der seinen Sitz in Hamburg hat. Dort begannen Horst und Angelika Matzen 2009, ausrangierte Computer aufzumöbeln und sie an Arbeitssuchende zu verschenken. Auf einem Recyclinghof hatten sie noch funktionsfähige Computer entdeckt. In diesem Monat feiert der Verein seinen dritten Geburtstag. Inzwischen wurden über 1200 Computer verschenkt.

„Wir sind selbst Hartz-IV-Empfänger und wissen, wie schwierig es ist, sich einen PC zu leisten“, erzählt Angelika Matzen. „Aber wie soll sich ein Arbeitssuchender ohne PC formgerecht bewerben und auf dem Arbeitsmarkt orientieren? Und wie sollen die Kinder der arbeitssuchenden Familien ohne PC die geforderte Unterstützung für die Hausaufgaben aus dem Internet holen?“

Im rund 500 Kilometer entfernten Würzburg wurden Steffen Hock und Christoph Fischer auf das Projekt aufmerksam und besuchten das Ehepaar Matzen in Hamburg. Gemeinsam gründeten der Informatiker und der Pädagoge die Würzburger Ortsgruppe. „Nach Vorbild der Tafeln wollen wir das Ganze natürlich bundesweit aufziehen“, sagt Matzen. „Deswegen sind wir froh, wenn Interessierte auf uns zukommen.“

Seit November 2011 nutzt die Würzburger Computerspende kostenlos Räume in der HWK Service GmbH. Dort werden die alten Computer wieder auf Vordermann gebracht. Vor kurzem konnte das Team den 50. Computer verschenken – an Maria Ebers. „Das Ganze läuft sehr unbürokratisch“, so Michaela Keupp, die seit einem halben Jahr zum Kernteam gehört. „Wir brauchen nur Kontaktdaten und eine Kopie von der ersten Seite des ALG II-Bescheides.“ Aktuell stehen rund 60 Antragsteller auf der Warteliste.

Jeder Hartz-IV-Empfänger könne sich nur einmal an den Verein wenden, sagt Matzen. „Natürlich gibt es immer wieder schwarze Schafe, die unsere Hilfe ausnutzen wollen.“ Mit der Archivierung der Anträge versucht der Verein zu verhindern, dass sich Kunden zweimal um einen Computer bewerben. „Aber wir können zum Beispiel nicht kontrollieren, ob jemand den PC im Anschluss verkauft“, gibt Matzen zu. „Wir versuchen einfach, denen zu helfen, die es wirklich brauchen.“

Dafür investiert auch die Würzburgerin Michaela Keupp fünf bis sechs Stunden pro Woche in die Vereinsarbeit. Das heißt, sie bastelt an Computern, kümmert sich um die Organisation oder aktualisiert den Internetauftritt. „Ich wollte mich ehrenamtlich engagieren und das mit meinem Fachwissen verbinden“, erzählt die Fachinformatikerin. Sie möchte Abhilfe schaffen, wenn Menschen sich keinen Computer leisten können. „Es ist eine günstige und wichtige Möglichkeit, an der Gesellschaft teilzuhaben und sich weiterzubilden“, sagt sie. Vor kurzem erst hätte eine ALG-II-Empfängerin die Computerspende als Sechser im Lotto bezeichnet. „Sie hatte das Gefühl, den Anschluss völlig zu verlieren“, erzählt Keupp.

Auch Familie Ebers weiß, dass diese Gefahr besteht. „Ich brauchte oft mehr Zeit für die Hausaufgaben, weil ich den Computer nicht nutzen konnte“, erzählt Sohn Benjamin (Name geändert). Und natürlich konnte er auch die sozialen Netzwerke nicht so intensiv nutzen wie seine Freunde. Tochter Sarah (Name geändert) hatte Schwierigkeiten, ihre Referate vorzubereiten. „Man bekommt eben nicht alle Informationen aus Büchern“, sagt sie. Bei ihr kamen häufig noch Kosten für Druckerpapier, -folien und -farbe hinzu. „Der Computer hätte eigentlich noch eine ganze Weile warten müssen“, glaubt Maria Ebers. Jetzt steht er bald in ihrer Wohnung.

Computerspende Würzburg

Die Würzburger Ortsgruppe der Computerspende Hamburg e.V. wurde im März 2011 von Steffen Hock und Christoph Fischer gegründet. Eine weitere Ortsgruppe arbeitet in Bergheim bei Köln. Bundesweit hat der Verein 125 Mitglieder, zehn davon in Würzburg. Die ehrenamtlichen Helfer nehmen nicht mehr benötigte Hardware- und Software als Spende entgegen und stellen daraus funktionierende Personal Computer für den Hausgebrauch zusammen. Diese werden gegen Nachweis an ALG-II-Empfänger verschenkt.

Die ehrenamtlichen Helfer wollen damit den Arbeitssuchenden und deren schulpflichtigen Kindern den Zugriff auf das Internet für die Suche eines Arbeitsplatzes und zur Hilfe bei den Hausaufgaben ermöglichen. Der Arbeitsraum der Computerspende Würzburg, Dieselstraße 9, hat montags ab 18 Uhr geöffnet. Weitere Informationen gibt es unter Tel. (0931) 26 04 98 22 oder www.computerspende-wuerzburg.org.

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