WÜRZBURG

Dem Dialekt auf der Spur

„Jed'n Amnd äs gleiche“: Almut König (links) und Monika Fritz-Scheuplein (rechts) vom „Unterfränkischen Dialektinstitut“ (UDI), der Initiator des Forschungsprojektes der Sprachwissenschaftler Professor Norbert Richard Wolf und Mitarbeiterin Sabine Krämer-Neubert beim offiziellem Festakt zum Abschluss des „Sprachatlasses von Unterfranken“ (SUF).
Foto: Christian Ammon | „Jed'n Amnd äs gleiche“: Almut König (links) und Monika Fritz-Scheuplein (rechts) vom „Unterfränkischen Dialektinstitut“ (UDI), der Initiator des Forschungsprojektes der Sprachwissenschaftler ...

(ca) Wer nicht wusste, dass die „Steigerwald-Schranke“ das Unterostfränkische vom Oberostfränkischen trennt, oder die Appel-Apfel-Linie im Spessart eine der wichtigsten Sprachgrenzen im deutschen Sprachraum ist, nämlich zwischen dem Mitteldeutschen in Rheinhessen und dem Oberdeutschen in Franken, der kann seit 2008 die sechs voluminösen Bände des „Sprachatlasses von Unterfranken“ (SUF) zu Rate ziehen oder im „Kleinen Unterfränkischen Sprachatlas“ von 2007 nachschlagen.

Mit einem offiziellen Festakt hat nun das Institut für Deutsche Sprachwissenschaft an der Universität Würzburg den Abschluss des groß angelegten Forschungsprojektes gefeiert. Für das Teilprojekt des Bayerischen Sprachatlasses (BSA) wurden seit 1989 in 182 Ortschaften rund 1000 ortsansässige Dialektsprecher befragt und auf Tonband mitgeschnitten.

Das Ergebnis sei vielfältiger gewesen als erwartet, erinnerte sich Mitarbeiterin Almut König. Die erarbeiteten Karten hätten übereinandergelegt ein so chaotisches Bild ergeben, dass die Mitarbeiter scherzhaft vom „unterfränkischen Spaghettisalat“ gesprochen hätten. Erst eine genauere Analyse habe gezeigt, dass um Ochsenfurt, Würzburg, im Grabfeld oder im Hennebergischen tatsächlich klar unterscheidbare regionale Sprachräume existierten, stellte sie fest.

Dass dieser Befund auch auf Jugendliche zutrifft, verdeutlicht die nun der Öffentlichkeit vorgestellte Anthologie „äs gleiche“. Darin sind Dialektgedichte unterfränkischer Schüler der achten und neunten Klasse versammelt. Die Teilnehmer hatten sie 2009 für einen Schülertag des „Unterfränkischen Dialektinstituts“ (UDI), des 2003 an der Universität Würzburg angesiedelten Kompetenzzentrums für Dialektforschung, selbst verfasst.

Die Idee sei damals zusammen mit dem Nürnberger Mundart-Schriftsteller Fitzgerald Kusz in kritischer Auseinandersetzung mit dem Heimatdichter und NS-Sympathisanten Nikolaus Fey entstanden, erklärte der inzwischen emeritierte Leiter des Gesamtprojektes Professor Norbert Richard Wolf. Für den Sprachwissenschaftler handelt es sich bei dessen Heimatlyrik um „verkitschte Hochsprache in vermeintlich mundartlicher Sprachform“.

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