Würzburg

Dieter F.: Spektakulärer Suizid statt U-Haft in Würzburg

Der auf Mallorca lebende Geschäftsmann Dieter F. hat sich der Auslieferung nach Würzburg durch einen Suizid entzogen. Am Montag bestätigte die Staatsanwaltschaft einen Bericht dieser Zeitung über den 72-jährigen, der als Schlüsselfigur und Komplize des mutmaßlichen Millionenbetrügers Helmut Kiener aus Aschaffenburg gilt.
Dieter F. ist laut Behördenleiter Dieter Geuder Mitbeschuldigter in dem Fall um dubiose Hedgefonds von Kiener, in die Kunden und internationale Banken wie Barclays und BNP Paribas 280 Millionen Euro investierten. Die Ermittler gehen dem Verdacht nach, große Teile des Geldes könnten abgezweigt worden sein, um Kiener und Kompagnons ihr Luxusleben zu finanzieren.

Statt mit Prominenten wie Franz Beckenbauer, Oliver Kahn und Guido Westerwelle zu golfen, wanderte Kiener im Oktober 2009 in Untersuchungshaft – wobei, wie er in einem Brief aus der Zelle betonte, nicht die Handschellen klickten: „Ich bin auch so mitgegangen.“ Im April 2010 war auch F. kurze Zeit in Haft, ehe er wegen seines angegriffenen Gesundheitszustandes wieder auf freien Fuß kam.

Der Leitende Oberstaatsanwalt in Würzburg trat Spekulationen entgegen, die spanische Polizei habe F. beim Festnahmeversuch erschossen. Dies hatte seine Stieftochter, das in Spanien bekannte Ex-Model Fiona Ferrer, behauptet: F. „hat sich das Leben genommen. Dies teilten die spanischen Polizeibehörden mit,“ schreibt Geuder jetzt in einer Pressemitteilung. „Die Staatsanwaltschaft Würzburg hatte bei der spanischen Justiz die Auslieferung des Beschuldigten beantragt.“

F. wollte offenbar lieber sterben, als von Mallorca in eine Zelle in Untersuchungshaft am Main wechseln. Von „einem spektakulären Abgang“ schrieben Zeitungen in Spanien. Der 72-jährige sei vor den spanischen Polizisten geflohen, die ihn festnehmen wollten. Dabei sei er die Steilküste bei Cala Nova hinabgesprungen und habe sich dann mit einer Pistole in den Kopf geschossen. Polizisten hätten den Schwerverletzten aus dem Meer gebogen, der später in einer Klinik starb.

Dieter F. war eine schillernde Figur auf der Sonneninsel. Der 1,90-Mann gehörte einst der Münchener Schickeria an, besaß in den 1970er Jahren mit Karl Heckl (damals Präsident des Fußballclubs 1860 München) das „Spatenhaus“ an der Münchner Oper. In den 80er Jahren verkaufte er Immobilien auf Ibiza, besaß schnelle Autos und eine Yacht.

1986 wanderte er wegen Betrugsverdacht in U-Haft, als er mehrere Fincas gleichzeitig an mehrere Käufer verkauft haben soll, wie der „Stern“ schrieb. Die Sache verlief jedoch im Sand. In den 90er-Jahren wurde er Geschäftspartner des Diplompsychologen Helmut Kiener aus Aschaffenburg. Leitender Oberstaatsanwalt Geuder bestätigte, dass F. Geschäftsführer der Anlagegesellschaften K1 Global Limited und K1 Invest Limited war, zweier Gesellschaften, die auf den britischen Jungferninseln gegründet worden waren, nachdem die deutsche Finanzaufsicht Kiener seine Anlagegeschäfte in Deutschland untersagt hatte.

Briefe und E-Mails begann F. mit „Tortola, den . . .“ Das erweckte den Anschein, er agiere von den britischen Jungferninseln in der Karibik aus, wo die K1-Fonds angemeldet waren. In Wirklichkeit blickte er von einem kleinen Büro auf Mallorca aufs Mittelmeer und „habe für den Bürodienst 10 000 Euro im Monat Festgehalt plus Prämien von bis zu einer Million Euro kassiert,“ schreibt die Finanzauskunft GomoPa. „Das für Auslieferungen zuständige Gericht in Madrid ordnete die Auslieferung und erneute Inhaftierung von Dieter F. an,“ schreibt Geuder. „Mit seinem Suizid kam dieser der Festnahme zuvor.“
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