SCHWEINFURT/BURKARDROTH

Feuerwehrmann als Brandstifter

Der Feuerteufel hatte zugeschlagen: In der Nacht zum 4. Juli 2010 brannte eine freistehende Feldscheune in Wollbach/Burkardroth (Lkr. Bad Kissingen) mit 2000 Heu- und Strohballen vollständig ab.
Foto: ArchivPeter Rauch | Der Feuerteufel hatte zugeschlagen: In der Nacht zum 4. Juli 2010 brannte eine freistehende Feldscheune in Wollbach/Burkardroth (Lkr. Bad Kissingen) mit 2000 Heu- und Strohballen vollständig ab.

„Ich geb' alles zu.“ Mit diesen Worten hat der 23-jährige Feuerwehrmann aus Burkardroth (Lkr. Bad Kissingen) vor der Großen Strafkammer des Landgerichts Schweinfurt zum Prozessauftakt am Mittwochmorgen eingeräumt, dass er im letzten Jahr in sieben Scheunen und Maschinenhallen in den Fluren der Umgebung Brände gelegt hat. In einem Fall hat er „nur“ abgelagerte Baumwurzeln angezündet (wir berichteten). Dafür muss er sich jetzt vor Gericht verantworten.

Als Motiv für die vielen Brandlegungen in kurzen Abständen nannte der Angeklagte die gute Kameradschaft nach Brandeinsätzen sowie den Wunsch nach Lob und Anerkennung. Manchmal habe er sich deprimiert gefühlt und sich über Einsätze beweisen wollen. Der Angeklagte hatte als Gruppenführer bei der Freiwilligen Feuerwehr mehr Verantwortung als andere Kameraden und als ausgebildeter Atemschutzwart auch eine herausgehobene Stellung.

Zum Teil unter Drogeneinfluss

Kurz vor der ersten Brandlegung in einer Feldscheune habe sich der 23-jährige mutmaßliche Täter bei einem Wohnhausbrand als Atemschutzträger erstmals beweisen können, so der Staatsanwalt in seiner Anklageschrift. Das sei für ihn der Auslöser gewesen, selbst weitere Brände zu legen. Zum Teil habe er die Gebäude unter Alkohol- oder Amphetamin-Einfluss angezündet.

Den Schaden, der durch die Brandstiftungen an sieben Feldscheunen und Maschinenhallen in der Zeit von Mitte Mai 2010 bis Januar 2011 entstanden war, beziffert die Anklage mit rund 766 000 Euro. Dabei steigerten sich die Brandstiftungen von zunächst kleineren Scheunen oder angezündeten Heuballen auf größere Objekte. Der Angeklagte erklärte, er habe möglicherweise das Gefühl gehabt, die ersten Brandlegungen hätten sich nicht rentiert, weil die Einsätze nicht so spektakulär gewesen seien.

Der größte Einzelschaden wurde Ende 2010 an einer 1000 Quadratmeter großen Maschinenhalle mit teuren Geräten von neun Landwirten verursacht, die komplett niedergebrannt ist. Zum Schluss habe er Sorge gehabt, dass er irgendwann auch anfange, Wohnhäuser anzuzünden, so der 23-Jährige.

Etwas rätselhaft scheint bisher, was genau den engagierten Feuerwehrler, der vor Gericht zugänglich, intelligent und ruhig wirkt, zu den Brandstiftungen veranlasst hat. Kurz vorher, wenn er an den Gebäuden vorbei fuhr, habe es in seinem Kopf „Klick“ gemacht, sagt er. Dann habe er die Gebäude meist mit einem einfachen Gasfeuerzeug entzündet, sei nach Hause gefahren, habe die Alarmierung abgewartet und sei dann mit den Kameraden zum Löscheinsatz aufgebrochen. Geplant habe er diese Taten nicht.

Auch im Feuerwehrverein hat die Anklage gegen den Kameraden zunächst ungläubiges Staunen ausgelöst. Der Kommandant beschreibt den Angeklagten als „sehr engagiert, hilfsbereit und beliebt“. Auch, als sich mit der Zeit der Verdacht ausbreitete, es könne sich beim Brandstifter um einen Feuerwehrmann handeln, sei er nicht in Verdacht geraten. „Ich hätte es nie für möglich gehalten, dass er das getan hat.“

Der Brandstifter selbst sagte, die Feuerwehr bedeute ihm seit Jugendzeiten sehr viel. Schon als Zwölfjähriger habe ihn der Vater zu einfachen Übungen mitgenommen. Seit dem 16. Lebensjahr sei er in der Jugendfeuerwehr aktiv. Möglicherweise habe er durch die Brände vor seinem Umfeld die Wichtigkeit der Feuerwehr rechtfertigen wollen. Beim Löschen habe er stets ein großes Glücksgefühl empfunden.

Der psychiatrische Sachverständige erklärte den Angeklagten in seinem Gutachten für voll schuldfähig. Im Falle einer Verurteilung erwartet ihn eine mehrjährige Haftstrafe.

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