WÜRZBURG

Hauptsache fränkisch

Bibliophile Kostbarkeiten und frisch Gedrucktes: Eva Pleticha-Geuder leitet die Franconica-Abteilung der Uni-Bibliothek.
Foto: Norbert Schwarzott | Bibliophile Kostbarkeiten und frisch Gedrucktes: Eva Pleticha-Geuder leitet die Franconica-Abteilung der Uni-Bibliothek.

Seit rund 200 Jahren wird in der Universitätsbibliothek Würzburg die Sondersammlung der Fränkischen Landeskunde gepflegt. Somit hat die Bibliothek neben ihrer Fachliteratur für Studenten und ihrer Funktion als Regionalbibliothek eine außergewöhnliche Anhäufung an fränkischem Schriftgut zu bieten.

Seit 1986 werden die fränkischen Schriften unter der Leitung von Eva Pleticha-Geuder gesammelt, archiviert und so für die Nachwelt bewahrt. Die Sondersammlung umfasst derzeit 65 000 Bände Monographien und um die 2000 Zeitschriften unterschiedlichsten Alters. Aber welche schriftlichen Beiträge gelangen in die Sondersammlung der Franconica-Abteilung?

„Wir erfassen eigentlich so gut wie alles, was im Regierungsbezirk Unterfranken publiziert wird – sei es eine Vereinsschrift, Jahresberichte von Schulen oder ein Abschlussbericht einer im Erfassungsgebiet ansässigen Firma“, erklärt die promovierte Historikerin Pleticha-Geuder die Auswahl der Texte. Grundlage bildet das Bayerische Gesetz über die Ablieferung von Pflichtstücken aus dem Jahre 1986. Dieses besagt unter anderem, „von allen mittels eines Vervielfältigungsverfahrens hergestellten und zur Verbreitung bestimmten Texten, die in Bayern verlegt werden, sind ohne Rücksicht auf die Art des Textträgers und des Vervielfältigungsverfahrens unaufgefordert innerhalb von zwei Wochen nach Erscheinen unentgeltlich und auf eigene Kosten zwei Stücke in handelsüblicher Form an die Bayerische Staatsbibliothek München abzuliefern (Pflichtstücke)“. Aber eigentlich haben die Universitätsbibliothek und auch die Staatsbibliothek in München keinerlei Handhabe und können niemanden zwingen, Publikationen abzuliefern. Das Ganze ist nicht strafbewehrt.

Das erschwert es, den Bestand immer mit dem neuesten Schriftmaterial aus der Region zu aktualisieren. Aus diesem Grund hatte das Team der Fränkischen Landeskunde vor einigen Jahren mit einer Briefaktion versucht, den 300 politischen Gemeinden ihr Anliegen nahezubringen. Die Resonanz war mehr als mäßig. Aktuell wird nun versucht auf Tagungen der Heimatpfleger für Ober- und Unterfranken sowie über die Homepage der Fränkischen Landeskunde zu werben, um die Sammlung weiter zu ergänzen.

Fränkisches wird schon seit der Gründung der Universitätsbibliothek im Jahre 1619 gesammelt, es befinden sich viele Einzelstücke darunter. Den Grundstock für diese Anhäufung bildete der Kauf von Schriften aus dem Privatbesitz von Domherren, Professoren und kulturinteressierten Bürgern der Region. Auf dieser bunten Mischung baute sich dann nach und nach eine großartige Sammlung auf.

Es lassen sich in der Franconica-Abteilung die unterschiedlichsten Textsorten mit Bezug zu Franken finden – sei es eine bunt verzierte Vereinsschrift der Freunde mainfränkischer Kunst und Geschichte e. V. Würzburg aus dem 18. Jahrhundert, eine Niederschrift eines Liederkranzes oder der Jahresbericht eines medizinischen Forscherkreises aus dem Jahre 1895, in dem man auf schon vergilbtem Papier eines der ersten Röntgenbilder sehen kann. Antike Kostbarkeiten und frisch Gedrucktes liegen hier Regal an Regal.

„Wir hatten großes Glück, beim Bombardement Würzburgs am 16. März 1945 blieb unsere Abteilung weitestgehend verschont“, erklärt Eva Pleticha-Geuder den großen Bestand. Räumlich gesehen liegt der Schwerpunkt auf der Region Unterfranken, daneben wird aber auch Literatur über Mittel- und Oberfranken sowie Hennebergisch-Franken, Hohenlohe, Württembergisch-Franken und Badisches Franken erworben.

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