UNFINDEN

Hier dampft der Biersud

Brauhaus Unfinden: Ein Verein hat das Kommunbrauhaus in Unfinden vor dem Verfall gerettet. Mit dem Gebäude wurde so auch die Braukultur am Leben gehalten. Die Mitglieder brauen dort nach alter Sitte.
Alter Schatz: die Ofentür des Sudkessels.
| Alter Schatz: die Ofentür des Sudkessels.

Zentraler geht's nicht: Direkt neben der Dorfkirche steht im kleinen Königsberger Stadtteil Unfinden (Lkr. Haßberge) das alte Kommunbrauhaus. Der eingeschossige Sandsteinbau ist heute ein Schmuckstück in dem historisch gewachsenen Dorfkern, der von fränkischem Fachwerk nur so strotzt.

Dabei war das Schicksal des wohl in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts errichteten Brauhauses beinahe schon besiegelt. Nachdem dort im Jahr 1956 das letzte Bier gebraut worden war, verfiel das Gebäude. Durch das löchrige, völlig überwucherte Dach lief Regen ins Innere, der Dachstuhl war verwittert – Einsturzgefahr! Es kursierten Ideen, das Kommunbrauhaus abzureißen und an seiner Stelle Garagen zu errichten.

Ein im Jahr 2003 gegründeter Förderverein verhinderte dies. In jahrelanger Arbeit richteten die Mitglieder das Brauhaus her. Selbst die komplette Braueinrichtung – mit Sudkessel, Maischebottich und Kühlschiff – wurde neu aufgebaut.

Sie stammt aus dem Verkauf eines Brauhauses nahe Scheßlitz. Ein Glücksfall! Denn das Unfindener Brauhaus war längst ausgeschlachtet und das Kupfer des alten Sudkessels versilbert worden. Wer das Brauhaus heute betritt, meint, die übernommene historische Anlage stünde an ihrem angestammten Platz, so präzise wurde sie eingebaut und restauriert.

Mit der Restauration des Brauhauses erhielt der Ort am Fuß der Haßberge nicht nur ein Schmuckstück zurück. Auch die dörfliche Braukultur erwachte aus ihrem Dornröschenschlaf. Die Mitglieder des Fördervereins brauen – wie früher – fünfmal im Jahr Bier. Das erste „Ü'flder Hausbrauerbier“ wurde am 12. Januar 2008 gebraut. Mittlerweile gab es 16 Brautermine. So zeigt es eine Schiefertafel an der Mauer der Sudkesselfeuerung an.

Etwa 2300 Liter ergibt jeder Sud. Ein Braumeister hat sechs Vereinsmitgliedern das Bierbrauen beigebracht. Die Bierausgabe erfolgt nur an Mitglieder, es gibt keinen Verkauf an Wirtshäuser. Dies ist der alte Grundsatz der Kommunbrauhäuser – und so soll es bleiben.

An den Brautagen erwacht das Unfindener Brauhaus frühmorgens zum Leben. Um 6 Uhr wird der Sudkessel angeschürt. Verfeuert wird Fichtenholz, alles ist wie anno dazumal. Im Kessel quillt das geschrotete Malz auf. Die Maische wird mehrmals umgepumpt, erwärmt, gewürzt, dann ruht sie im Maische- und Läuterbottich, um später nochmals im Kessel zu kochen. Der zugegebene Hopfen entscheidet über den Bittergehalt des Biers – das verlangt Fingerspitzengefühl. Im Kühlschiff kühlt das Gebräu ab. Bis es im Keller in die Gärbottiche gefüllt wird, wo Hefe zugesetzt wird, ist es spät am Nachmittag.

Die Zutaten werden heute gekauft. Früher bauten die Unfindener den Hopfen in den Gärten an, erinnern sich Adolf Korn (82) und Ernst Geuß (86). Auch Malz stellten sie her. Hierzu gab's im Brauhaus eine Malzdarre mit einem großen, runden Kamin – eine Seltenheit. Sie war nachträglich ins Gebäude eingebaut worden und ist heute noch vorhanden. Sie wird allerdings nicht mehr benutzt. Einst lag in ihr das keimende Gerstenkorn auf einem Stahlrost aus und trocknete durch die Abwärme eines darunter brennenden Feuers.

Eine weitere Besonderheit birgt einer der beiden schmalen Gewölbekeller unter dem Brauhaus, in dem die Gärbottiche stehen und die Bierfässer teils heute noch lagern. Einst floss der Dorfbach durch den Keller. Das verdunstende Wasser kühlte die Fässer zusätzlich neben dem eingebrachten Eis. Dieses wurde im Winter von einem Wasserbottich vor dem Brauhaus abgeschlagen.

Zum Bottich führte von einer Quelle eine hölzerne Wasserleitung. So hatten die Unfindener immer frisches Wasser zum Brauen. Sie mussten es nicht wie andernorts aus Gräben schöpfen. Dort war es üblich, vor dem Brauen im Ort ausrufen zu lassen: „Heute wird bekannt gemacht, dass keiner was ins Wasser macht, denn morgen wird Bier gemacht!“

ONLINE-TIPP

Mehr Informationen und Bilder unter www.mainpost.de/bauwerke

Brautag: Am Sudkessel wird's da eng.
| Brautag: Am Sudkessel wird's da eng.
Nicht frei verkäuflich: Das Bier aus Unfinden geht nur an Mitglieder des Brauhausvereins.
| Nicht frei verkäuflich: Das Bier aus Unfinden geht nur an Mitglieder des Brauhausvereins.
Aufwendig renoviert: Im Kommunbrauhaus Unfinden wird regelmäßig Bier gebraut.
Foto: Christian Hey, Michael Mösslein, Gerold Snater | Aufwendig renoviert: Im Kommunbrauhaus Unfinden wird regelmäßig Bier gebraut.
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