Schleerieth

Hühnermobil mit Baugenehmigung

Hühnerweide mit Hindernissen: Regierungspräsident Paul Beinhofer (rechts) informierte sich bei Öko-Landwirt Herbert Krückel (links) in Schleerieth über bürokratische Hürden für seinen mobilen Hühnerstall.
Foto: Silvia Eidel | Hühnerweide mit Hindernissen: Regierungspräsident Paul Beinhofer (rechts) informierte sich bei Öko-Landwirt Herbert Krückel (links) in Schleerieth über bürokratische Hürden für seinen mobilen Hühnerstall.

Ideen und Unternehmerqualitäten brauchen Landwirte heutzutage genauso wie andere Selbstständige. Wenn ein Bio-Bauer zusätzlich zu seinem 3000-Biohennen-Stall mit großem Freigelände ein fahrbares Hühnermobil anschafft, damit die Tiere immer eine frische Wiese haben, dann zeugt das von Kreativität. Die bekommt allerdings von der Bayerischen Bauordnung einen Dämpfer.

Jedes Jahr bereist Unterfrankens Regierungspräsident Paul Beinhofer mit Verantwortlichen aus Behörden und Organisationen einen anderen Landkreis, diesmal fuhr er nach Schweinfurt. Dort ist der Anteil der Erwerbstätigen in der Land- und Forstwirtschaft mit knapp sieben Prozent nach Kitzingen am höchsten im Regierungsbezirk. Zum Vergleich: In ganz Unterfranken sind es knapp drei Prozent.

Außerdem wirtschaften im Landkreis Schweinfurt von insgesamt 1200 Betrieben – davon 450 im Vollerwerb – auch 55 nach den Kriterien des ökologischen Landbaus. Das ist eine Verdoppelung seit 2007; neben der Untermainregion hat der Kreis damit das stärkste Wachstum im unterfränkischen Ökolandbau.

Kreativ müssen alle bäuerlichen Familienbetriebe sein, wenn sie überleben wollen. Vier Beispiele im Kreis Schweinfurt verdeutlichten dies: Ein konventioneller, moderner Milchviehbetrieb plus Erlebnisbäuerin, ein Direktvermarkter mit eigener Genuss-Scheune für Feste, ein 370 Hektar großer Bioland-Ackerbau-Betrieb mit Zuckerrüben und Sonnenblumen und ein Biohof mit Legehennen.

Vor dreieinhalb Jahren hatte der Öko-Landwirt Herbert Krückel in Schleerieth bei Werneck die Suche nach einer zukunftsträchtigen Entwicklung seines 50-Hektar-Hofes mit dem Bau eines Legehennen-Stalles außerhalb des Dorfes geklärt: Mit Wintergarten für die Tiere und mit 1,2 Hektar Freilauf. 3000 Bio-Hühner hört sich viel an, sagte der Landwirt bei der Info-Tour des Regierungspräsidenten. Im Vergleich zu konventionellen Hühnerhaltern mit mehreren Zehntausend Hennen ist dies wenig.

Die Eier vermarktet Krückel über einen regionalen, konventionellen Legehennenhalter, der die Supermärkte im Umkreis beliefert. Außerdem stellt seine Lebensgefährtin aus Eiern und eigenem Durum-Hartweizen Nudeln her, die sie direkt verkauft.

Ebenfalls zur Direktvermarktung der Eier kaufte Krückel vor vier Wochen einen fahrbaren Hühnerstall für 225 Tiere. Diesen stellt er auf eine seiner Kleewiesen, und wenn die Hühner das Kleegras abgefressen und genug gekratzt haben, wird das Campingmobil weitergezogen.

Allerdings muss Krückel bei jedem Umzug auf ein anderes Flurstück eine neue Baugenehmigung dafür beantragen, berichtete er den Fachleuten und zeigte seinen Ordner mit Unterlagen. Nicht eine Fortschreibung sei möglich, sondern ein komplett neues Genehmigungsverfahren: Mit Plänen, Katasterauszug, Unterschriften der Nachbarn et cetera.

Sein Stall auf Rädern gelte als „fliegender Bau“, wie ihn die Bayerische Bauordnung nennt, und da sei die Genehmigung Vorschrift. „In Hessen braucht man das aber nicht“, hat Krückel von Berufskollegen erfahren, die dort das gleiche Hühnermobil verwenden.

Auch den Regierungspräsidenten beeindruckte die bayerische Vorschrift: „Das sollte man doch prüfen“, wandte er sich an seine Fachleute und die stellvertretende Landrätin Christine Bender.

Themen & Autoren / Autorinnen
Schleerieth
Silvia Eidel
Christine Bender
Landwirte und Bauern
Regierungspräsidenten
Lädt

Damit Sie Schlagwörter zu "Meine Themen" hinzufügen können, müssen Sie sich anmelden.

Anmelden

Das folgende Schlagwort zu „Meine Themen“ hinzufügen:

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits.

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
Kommentare (1)
Aktuellste Älteste Top

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!