WÜRZBURG

Hungerstreik der Asylbewerber geht weiter

Der Hungerstreik der iranischen Asylbewerber geht weiter. Die Stadt hat den Antrag auf eine Verlängerung bewilligt, allerdings zunächst nur bis zum 10. April.
Hungerstreik der Asylbewerber geht weiter
Foto: Beyß

Der eigentliche Höhepunkt des Tages war schon vorbei: Rund 200 Würzburger waren am frühen Donnerstagabend durch die Innenstadt gezogen, um ein weiteres Mal auf die Situation der hungerstreikenden Asylbewerber aufmerksam zu machen, die seit elf Tagen am Vierröhrenbrunnen kampieren. Nach einer kurzen Abschlusskundgebung lichteten sich die Reihen um das Zelt der Iraner langsam wieder. Doch dann herrschte unerwartet großes Aufsehen. Der Grund: Das Bayerische Rote Kreuz rückte an.
 

„Hier befinden sich Menschen in einer Notlage“, sagte Paul Justice, 1. Kreisbereitschaftsleiter des BRK-Kreisverbandes Würzburg. „Die Motive der Männer spielen für uns keine Rolle. Eine Bewertung steht uns nicht zu. Unsere Aufgabe ist es, zu helfen.“ Rund 20 ehrenamtliche Helfer waren vor Ort, um ein 30 Quadratmeter großes Zelt aufzubauen, das den Iranern nun als Schlafplatz dient. Zuvor hatten sie die Nächte gemeinsam auf improvisierten Betten unter einem Pavillon verbracht. Zusätzlich stehen Feldbetten, Decken, Bettbezüge und eine Zeltheizung zur Verfügung. „Noch ist ihre Situation zwar nicht akut“, so Justice. „Aber wenn sie ihren Hungerstreik fortsetzen, ist das nur eine Frage der Zeit.“ 
 
Der gleichen Meinung ist auch Dr. Rainer Schohe: „Im Moment geht es allen gut, aber sie sind körperlich schon geschwächt.“ Der Würzburger Allgemeinmediziner betreut die Flüchtlinge, seitdem sie in den Hungerstreik getreten sind: „Die Untersuchungsbedingungen hier waren miserabel. " Er wollte für seine Patienten einen Krankenwagen organisieren, erhielt bei der Stadt dafür allerdings keine Genehmigung. Seine zweite Idee war daraufhin ein separates Zelt, das ihm für die Untersuchungen dienen könnte. Mit diesem Anliegen wandte er sich an das Rote Kreuz. Doch statt eines kleinen Untersuchungszeltes plädierte Justice gleich für die große Variante: „Angesichts der Witterungsverhältnisse macht das einfach mehr Sinn.“ Der Bereitschaftsleiter nahm Kontakt zur Stadt auf, die dem Vorhaben zustimmte. Innerhalb weniger Stunden waren alle Formalitäten geklärt. „Schnelligkeit ist für uns kein Problem“, so Justice.
 
Und so fand noch am späten Donnerstagabend die große Umbauaktion statt. Hassan Hosseinzadeh, der Älteste unter den Streikenden, ist dankbar für so viel Unterstützung. „Jetzt müssen wir uns nicht mehr so viele Sorgen machen“, sagt er. Bei gesundheitlichen Problemen können er und seine Mitstreiter sich jederzeit an Rainer Schohe oder seinen Würzburger Kollegen Dr. Ali Hami wenden. Hami stammt ebenfalls aus dem Iran, seit 1989 lebt er in Deutschland. Er versteht die Situation, in der sich die zwölf Flüchtlinge befinden. Mit einigen hat er lange Gespräche geführt. „Sie meinen es wirklich ernst“, glaubt er.
 
Tatsächlich hat sich an der Entschlossenheit der Iraner auch elf Tage nach Beginn des Hungerstreiks nichts geändert. Im Rahmen der Solidaritäts-Demonstration, die friedlich und ohne Zwischenfälle verlief, verteilten sie eine Resolution, die die Demonstranten mit einer Unterschrift unterstützen konnten. Darin kündigen sie an, sich an das Bundesinnenministerium und an den Menschenrechtsausschuss des Europäischen Parlaments zu wenden, wenn die angeschriebenen Behörden bis zum heutigen Freitag nicht auf ihren Hungerstreik reagieren. Von Bayerns Sozialministerin Christine Haderthauer und Innenminister Joachim Hermann sowie vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge fordern sie ihre sofortige Anerkennung als politische Flüchtlinge.

Vorerst können die Aslybewerber ihren Hungerstreik vor dem Rathaus unter den bisher geltenden Auflagen fortsetzen. Die Stadt bewilligte den Antrag auf eine Verlängerung der Genehmigung bis zum 10. April. Die Iraner hatten zuvor einen Antrag bis zum 16. April beantragt.

"Wir werden am 10. April den Gesundheitszustand und die Dynamik des Streiks überprüfen", informierte der Pressesprecher der Stadt Würzburg, Georg Wagenbrenner. Anschließend werde man eine Bilanz ziehen und entscheiden, wie es weitergehen soll. "Unter den gegeben Umständen möchten wir uns nicht direkt auf die gefordete Verlängerung festlegen", erklärt Wagenbrenner. Mittlerweile solidarisierte sich auch der Landesverband Bayern der Piratenpartei und die Jusos mit den Hungerstreikenden.

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