WÜRZBURG

Kein Prozess um Sex im Beichtstuhl

Der Prozess um den angeblichen sexuellen Missbrauch der heute 47-jährigen Cornelia W. als Kind im Beichtstuhl des Würzburger Marienheimes ist in letzter Minute gestoppt worden. Er sollte am Dienstag vor einer Zivilkammer des Landgerichtes beginnen. Überraschend hieß es am Freitagmittag, der für Dienstag geplante Prozesstermin sei aufgehoben.
Mitgeteilt wurde dies nicht vom Gericht, sondern von der Pressestelle des Ordinariats, also der Seite der Beklagten. Als Begründung ließ das Ordinariat verlauten, das Gericht wolle „zunächst die Geschäftsfähigkeit der Klägerin prüfen“.

Die Mitteilung erfolgte so spät, dass am Freitagnachmittag im Gericht niemand mehr für Nachfragen der Medienvertreter erreichbar war. Christian Sailer, Rechtsvertreter der Klägerin, bestätigte die Aufhebung durch den Vizepräsidenten des Landgerichts Lothar Schmitt.

Sailer wollte den Vorgang nicht kommentieren. Er äußerte aber sein Befremden über Äußerungen des bischöflichen Anwaltes Günter Paul, im Vorfeld des Prozesses über den Geisteszustand von Sailers Mandantin. Dies noch vor einer mündlichen Verhandlung in einer Pressekonferenz öffentlich zu erörtern, sei „geschmacklos“.

Paul hatte am Dienstag in einer Pressekonferenz geäußert, die Klägerin leide wohl am Borderline-Syndrom, könne „Wirklichkeit und Fiktion nicht unterscheiden“ und sei „nicht prozessfähig“. Möglicherweise geht das Gericht dieser Behauptung nun nach.

Cornelia W. hatte sich vor sechs Jahren an das Ordinariat in Würzburg gewandt und angegeben, als Kind von einem Priester im Beichtstuhl des Heimes regelmäßig missbraucht worden zu sein. Nach eigenen Angaben ging das Bistum den Vorwürfen „unverzüglich“ nach. Allerdings, so heißt es von Seiten des bischöflichen Anwaltes, seien keine Beweise gefunden worden.

Dennoch finanzierte die Kirche Cornelia W. den Hauptschulabschluss und einen Urlaub in Dubai. „Aus christlicher Nächstenliebe“, wie Anwalt Günter Paul am Dienstag vor der Presse in Würzburg betonte. Cornelia W. sollte sich damals aber verpflichten, keine weiteren Anschuldigungen mehr zu erheben. Sie unterschrieb das Dokument nicht.

2006 klagte ihr neuer Anwalt Christian Sailer, Rechtsanwalt und Sprecher der Glaubensgemeinschaft Universelles Leben (UL), wegen sexuellen Missbrauchs, Körperverletzung und Verletzung des Allgemeinen Persönlichkeitsrechts. Das Landgericht bewilligte der offenbar mittellosen 47-Jährigen Prozesskostenhilfe für eine Klage auf 75.000 Euro Schmerzensgeld.
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