WÜRZBURG

„Kirchenasyl ist kein rechtsfreier Raum“

Sichtlich entspannt: Ebrahim Akmel Temam unterhält sich mit Simone, Monnica und Elsa (v.l.) von der KHG Würzburg.
Foto: Melanie Jäger | Sichtlich entspannt: Ebrahim Akmel Temam unterhält sich mit Simone, Monnica und Elsa (v.l.) von der KHG Würzburg.

Ebrahim Akmel Temam spricht nicht viel. Muss er auch nicht, denn das tun an diesem Morgen bei einer Pressekonferenz der Katholischen Hochschulgemeinde Würzburg andere für ihn. Nicht weil man es dem Flüchtling aus Äthiopien nicht zutrauen würde, seine Geschichte selbst zu erzählen, sondern weil die Situation, in der Ebrahim steckt, so kompliziert ist. Es geht um das seltene Kirchenasyl, das ihm gerade in Würzburg gewährt wird, um seine drohende Abschiebung, um unterschiedliche Auffassungen zum Asylrecht.

Der schmale junge Mann mit dem schüchternen Lächeln ist seit Jahren auf der Flucht. Mit 16 Jahren kam er von Äthiopien nach Malta. Ein Land, in dem er auf menschenunwürdige Zustände stieß. Das ist keine gefühlte Einschätzung von Ebrahim, das ist Fakt laut Flüchtlingsorganisationen wie Pro Asyl. Der äthiopische Junge schaffte es über diverse andere Stationen in Europa bis nach Deutschland. Hinter ihm liegen Tage, Monate, Jahre voller Angst, Ungewissheit, Entbehrungen. Ebrahim Akmel Teman ist körperlich und psychisch angeschlagen. Eine ungewisse Zukunft liegt vor ihm. Vielleicht hat er aber Glück. So wie im Moment. Was das heißt, ein menschenwürdiges Leben, das erfährt Ebrahim gerade in kleinen Schritten. Plötzlich sind da Menschen, die sich um ihn kümmern. Etwa ein Team der Missionsärztlichen Klinik, Studenten, die für ihn einkaufen, die mit ihm kochen, ihre Freizeit mit ihm teilen. So wie Simone, Monnica und Elsa. Sie gehören zu den zwanzig Studierenden, die sich um Ebrahim kümmern.

Es ist vermutlich das erste Mal, dass sich die Welt um Ebrahim Akmel Temam dreht. Es ist nur eine kleine Welt, denn Ebrahim darf das Gelände der Hochschulgemeinde während der Zeit des Kirchenasyls nicht verlassen. Einige Studenten lernen Deutsch mit ihm, andere lassen ihn teilhaben an ihrer Begeisterung für Fußball und den FC Bayern München. „Er hat als neuer bekennender Bayern-Fan das Champions-League-Spiel mit uns angeschaut. Und mit uns gelitten!“, sagt Monnica.

Rechtsanwalt Joachim Schürkens aus Schweinfurt kennt sich aus im Asylrecht, weiß wie gering die Erfolgschancen sind. Deshalb steht er der KHG beratend zur Seite. Und leistet damit wie alle anderen Helfer christliche Nächstenliebe. Genau um die geht es Hochschulpfarrer Burkhard Hose. „Kirchenasyl ist kein rechtsfreier Raum“, betont er. Deshalb müsse er auch mit einer Anzeige wegen Beihilfe zum Verstoß gegen das Ausländergesetz rechnen. „Mir ist dennoch ganz deutlich geworden, dass der einzelne Mensch in seiner Not immer wichtiger ist als ein System.“

Mit den Behörden hat er Kontakt aufgenommen, bislang gibt es aber kein Ergebnis. Ziel ist die Übernahme des Asylverfahrens seitens deutscher Behörden. Eine Abschiebung nach Malta wäre dann nicht mehr möglich und die lange Flucht des Ebrahim Akmel Temam – erst einmal – zu Ende.

Kirchenasyl

Die zeitlich befristete Aufnahme von Flüchtlingen ohne legalen Aufenthaltsstatus, denen bei Abschiebung Folter oder Tod drohen oder für die mit einer Abschiebung nicht hinnehmbare soziale, inhumane Härten verbunden wären, nennt man Kirchenasyl. Während des Kirchenasyls werden alle rechtlichen, sozialen und humanitären Gesichtspunkte geprüft. In vielen Fällen gelingt es, nachzuweisen, dass die Entscheidungen von Behörden überprüfungsbedürftig sind und ein erneutes Asylverfahren Erfolg versprechend ist. Text: mel

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