WÜRZBURG

Kirchenasyl: Wie geht es mit Ebrahim weiter?

Unter dem Schutz der Kirche: Ebrahim Akmel Temam.
Foto: epd | Unter dem Schutz der Kirche: Ebrahim Akmel Temam.

Ebrahim Akmel Temam war gerade 16 Jahre alt, als seine Flucht aus Äthiopien begann. Dem heute 21-Jährigen, dem die katholische Hochschulgemeinde in Würzburg (KHG) seit Mai dieses Jahres das seltene Kirchenasyl gewährt, droht die Abschiebung nach Malta und damit laut Flüchtlingsorganisation Pro Asyl „ein Leben unter menschenunwürdigen Bedingungen“.

Ein medizinisches Gutachten soll nun klären, ob Ebrahim körperlich und seelisch in der Lage ist, eine Abschiebung zu verkraften. Wie das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (bamf) auf Anfrage dieser Zeitung mitteilt, wolle man sich ausschließlich mit dem Gesundheitszustand des 21-Jährigen beschäftigen und keinesfalls mit Temams Asylanliegen.

Für die Bearbeitung des Asylantrages ist laut Dubklin-II-Verordnung Malta zuständig, da Temam hier erstmals europäischen Boden betreten hat. „Nur in Fällen, bei denen außergewöhnliche humanitäre Umstände vorliegen, würde die Prüfung des Asylantrags in Deutschland stattfinden“, erklärt ein Pressesprecher aus dem Bundesamt. Darüber hinaus ist die Zeit auf Ebrahim Akmel Temams Seite. Denn ist die Überstellungsfrist in das Einreiseland Malta abgelaufen, übernehmen die deutschen Behörden automatisch das Asylverfahren. Diese Frist kann bis zu 18 Monate dauern. Solange müsste der Äthiopier theoretisch auf dem Gelände der KHG bleiben, um vor einer Abschiebung nach Malta sicher zu sein.

Malta ist für Ebrahim ein Alptraum, den er bereits durchlitten hat. Abschreckung ist dort laut Fanny Dethloff, Bundesvorsitzende der Ökumenischen BAG Asyl in der Kirche, oberstes Gebot. Die Flüchtlinge landen in alten, überfüllten Militärlagern und beginnen dann nach Monaten und unter erbärmlichen Umständen ein Leben in der Warteschleife in Zelten oder Containern.

KHG: Abschiebung unzumutbar

„Auch die freiwillige Aufnahme von 150 ausgewählten Flüchtlingen durch die Bundesrepublik Deutschland in 2011 führte zu keiner Entlastung, denn ihr stehen zahlreiche Rückschiebungen aus den nördlichen EU-Ländern gegenüber“, heißt es in einer Pressemitteilung der Bundesarbeitsgemeinschaft Asyl in der Kirche. Auch aus Sicht der KHG Würzburg ist eine Abschiebung schon aus humanitären Gründen nicht zumutbar. „Wir erleben Ebrahim ja täglich. Er ist durch seine jahrelange Flucht und die damit verbundenen Ängste psychisch sehr stark belastet, hat massive Schlafstörungen“, erklärt Hochschulpfarrer Burkard Hose.

Viele Asylbewerber leiden laut Flüchtlingsorganisationen an Schlafstörungen und Angstattacken, einige sind akut selbstmordgefährdet. Auch wenn die Flüchtlinge auf den ersten Blick gesund wirken, sieht es bei genauem Hinschauen oft anders aus. Die ungewisse Situation, die permanente Angst, zu jeder Tages- und Nachtzeit abgeschoben zu werden, bedeutet nach Ansicht von Experten einen enormen psychischen Druck.

„Es war in jedem Fall die richtige Entscheidung, Ebrahim Temam Kirchenasyl zu gewähren“, sagt Burkard Hose. „Neben den Studierenden kümmern sich verschiedene Gruppen um ihn“, erklärt der Hochschulpfarrer. So bekommt der 21-Jährige Sprachunterricht von zwei Deutschlehrerinnen, trainiert mit den Kampfsportlern und engagiert sich unter anderem im Arbeitskreis Afrika. Wie es mit dem jungen Mann weitergeht – sollte sich bei der Prüfung des ärztlichen Gutachtens herausstellen, dass er aus Krankheitsgründen nicht abgeschoben werden darf – kann der Pfarrer noch nicht sagen. Wird er dann wieder in der Gemeinschaftsunterkunft leben?

„Wir wissen es nicht. Wir warten die Entscheidung ab und setzen uns dann zusammen“, sagt Hose. Sicher aber ist, dass Ebrahim Akmel Temam auf die Hilfe seiner vielen Unterstützer in Würzburg zählen kann.

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