WÜRZBURG

Mehrere Demos in Würzburg: „Kein Platz für rechte Propaganda“

Erst ein Großaufgebot der Polizei hat am Montagabend eine Demonstration der rechtspopulistischen Initiative „Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ (Pegida) sowie eine sogenannte „Friedensmahnwache“ in der Würzburger Innenstadt möglich gemacht. Zahlreiche Gegendemonstranten versuchten, die beiden Kundgebungen durch lautstarkes Rufen und Pfeifen zu stören. Zuvor waren die Teilnehmer des Montagsspaziergangs gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus friedlich durch die Stadt gezogen.


Es sind knapp 400 Würzburger, die sich an diesem kalten Winterabend aufmachen, um Flagge zu zeigen „für Frieden und Solidarität mit Flüchtlingen“. Hauptredner zum Start des Montagsspaziergangs am Bahnhof ist Burkhard Hose. Der katholische Hochschulpfarrer sagt, er sei überwältigt, wie viele Menschen in der Region dazu beitragen, „Willkommenskultur zu leben“ und denjenigen, die bei uns Schutz suchen, menschlich und solidarisch zu begegnen. Dass es Ängste vor dem Ungewohnten und Fremden gebe, sei „normal“. Sie gelte es zu abzubauen, so der Würzburger Friedenpreisträger. Flüchtlinge seien „vielleicht eine Herausforderung“, aber keine Bedrohung für die Gesellschaft.

Er sei „unendlich dankbar“, so Hose, dass in Würzburg Gewerkschaften, Religionsgemeinschaften, demokratische Parteien und Initiativen zusammenstehen und zeigen, dass es hier keinen Platz für Fremdenfeindlichkeit, für Rassismus und Antisemitismus gibt. Diesen Konsens gelte es zu verteidigen – unter anderem gegen Pegida. Bei dieser Initiative handele es sich nicht, wie behauptet werde, um besorgte Bürger aus der Mitte, sondern in der Mehrzahl um „einschlägig bekannte Funktionäre von NPD, AfD und der sogenannten ,Identitären Bewegung Franken'“. Diese missbrauchten die Ängste von Bürgern, „um ihre fremdenfeindlichen und zum Teil rassistischen Parolen“ zu verbreiten.

Pegida und rechtsradikales Gedankengut passten nicht zur Kultur in Würzburg, betont der Pfarrer zum Abschluss seiner Rede unter großem Beifall. „Denn in dieser Stadt ist Platz für Menschen in Not, aber kein Platz für rechte Propaganda.“ Der Montagsspaziergang endet am Dominikanerplatz, wo weitere Redner Solidarität mit Asylsuchenden fordern.

Anschließend machen sich viele Teilnehmer auf den Weg zur Residenz, um die angekündigte Pegida-Demo zu verhindern oder zumindest zu stören. Anders als vor einer Woche, als es gelang, mit einer Sitzblockade Pegida zu vertreiben, ist die Polizei diesmal fest entschlossen, das Demonstrationsrecht der Rechtspopulisten durchzusetzen. Schon am Nachmittag hatten die Ordnungshüter entlang der angemeldeten Route Absperrgitter aufgestellt, um ein Aufeinandertreffen von Pegida-Leuten und ihren Gegnern, teilweise aus der linken Antifa-Szene, zu verhindern.

So machen sich rund 40 Pegida-Anhänger auf die Demo-Strecke in Richtung Dom. „Unser Land, unsere Werte“ oder „Stoppt den Missbrauch des Asylrechts“ heißt es auf Transparenten. Daneben wehen Deutschland-Fahnen. Unterdessen pfeifen und skandieren hinter den Absperrungen gut 250 Gegendemonstranten. „Nazis raus aus unserer Stadt“, rufen sie immer wieder.

Vergleichsweise ruhig ist es am Vierröhrenbrunnen. Die „Friedensmahnwache“, hinter der eine Gruppierung linker und rechter Verschwörungstheoretiker steht, geht friedlich über die Bühne. Zwei Dutzend Aktivisten stehen ebensoviele Gegendemonstranten gegenüber.

Kurz nach 20 Uhr leert sich die Stadt wieder. Die Polizei zieht zufrieden Bilanz. Es sei gelungen, gewalttätige Zusammenstöße zu vermeiden, so Sprecher Michael Denzinger. 18 Platzverweise wurden erteilt, heißt es am Abend noch in einer Pressemitteilung.


Wie gefährlich ist Pegida?

„Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ (Pegida) nennen sich die Demonstranten, die seit dem Herbst in mehreren deutschen Städten demonstrieren – zu Tausenden in Dresden, aber auch in Düsseldorf, Kassel oder Würzburg. Experten wie der Berliner Rechtsextremismus-Forscher Hajo Funke warnen davor, die Initiative zu verharmlosen. Pegida werfe „Kampfvokabeln“ in die Menge, nutze Ängste in der Bevölkerung und schüre Ressentiments. Die Gruppe versuche, einen „Kampf der Kulturen“ herbeizureden. Harmloser Bürgerprotest sei das nicht. „Das ist das klassische Repertoire von Rechtspopulisten“, so Funke. Pegida zeige Ansätze einer rechtsextrem inspirierten Massenbewegung. „Das macht mir Sorgen.“ Timo Reinfrank sieht Pegida als Pendant zur eurokritischen Partei AfD – in Form einer sozialen Bewegung. „Das sind rechtspopulistische Wutbürger.“ Reinfrank arbeitet für die Amadeu-Antonio-Stiftung, die Initiativen gegen rechts unterstützt. Die Mobilisierungskraft der Pegida und ähnlicher Gruppen beunruhige ihn, so Reinfrank. „Hass wird salonfähiger. Da ist eine Form von menschenfeindlicher Normalität entstanden.“ Text: Dpa

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