Gemünden

Nach Festnahme: Die kriminelle Vergangenheit des Waffennarren

Der amvergangenen Donnerstag bei einem spektakulären SEK-Einsatz festgenommene Schweinfurter Fachhochschulstudentist nach Informationen dieser Zeitung kein unbeschriebenes Blatt bei Polizei und Justiz. Auf Mitstudenten machte er zwar einen harmlosen Eindruck, galt als Streber und Sonderling, tatsächlich aber fiel der heute 25-Jährige offenbar schon als Jugendlicher durch diverse Delikte auf. 2009 verletzte er auf einer Geburtstagsfeier dann einen damals 17-Jährigen mit einem Messer schwer. Anders als zunächst berichtet, stammt der junge Mann nicht aus Schweinfurt, sondern aus dem Raum Gemünden (Lkr. Main-Spessart).

Nun wird dem Mechatronikstudenten und vier weiteren Beschuldigten vorgeworfen, unter anderem mit von dem 25-Jährigen eigenhändig zu scharfen Waffen umgebauten Schreckschusspistolen, mit Maschinenpistolen und Munition gehandelt zu haben. Der junge Mann sitzt nach seiner Festnahme in U-Haft.

Zwei ehemaligen Lehrern fiel früher an ihm nichts Besonderes auf. „Das war ein ganz normaler Schüler“, sagt einer. In keiner Weise auffällig. „Durchschnitt einfach.“ Ganz durchschnittlich scheint er nicht gewesen zu sein, schließlich machte er seinen Qualifizierenden Hauptschulabschluss als Klassenbester. Auf einem Bild von damals sieht man einen schmächtigen, blassen Jungen. Später machte er das Fachabitur in der Ausbildungsrichtung Technik. „Hoch intelligent“ nennt ihn jemand aus seinem Heimatort. Der junge Mann habe aber früher schon zu Jähzorn geneigt und sei bereits im jugendlichen Alter durch Kleinkriminalität aufgefallen.

Ein anderer Bewohner aus seinem Heimatort beschreibt den 25-Jährigen als „recht zurückhaltend“, zugleich habe er jedoch immer irgendwelchen kriminellen Unsinn im Kopf gehabt. So habe er als Jugendlicher etwa Fallen im Wald gebaut, um damit Rehe zu jagen. Und eine Schreckschusspistole soll er schon recht früh besessen haben.

Bis zum Frühsommer 2009 war er im Ort offenbar normal integriert. Dann verletzte der Waffennarr bei einer Geburtstagsfeier auf einem Grillplatz einen 17-Jährigen mit einem Messer schwer und eine 15-Jährige leicht an der Hand. Die beiden Verletzten hatten bei einem Streit des jungen Mannes mit einem Jugendlichen dazwischengehen wollen. Er setzte sich in sein Auto und stellte sich fünf Stunden später der Polizei. Sechs bis neun Monate sei er daraufhin in U-Haft verschwunden, habe dann aber nur eine Bewährungsstrafe bekommen, heißt es aus seinem Heimatort.

Angeblich ist es der heute 25-Jährige, der in einer vor etwa eineinhalb Jahren veröffentlichten Video-Reportage des Underground-Magazins „Vice“ über dunkle Machenschaften im Internet auftaucht. Darin erklärt er, wie er Schreckschusspistolen illegal kauft, sie in seiner eigenen Werkstatt umbaut und dann als tödliche, halbautomatische Waffen über dunkle Kanäle im Internet, das sogenannte „Darknet“, wieder verkauft. Schlechtes Gewissen? Fehlanzeige. Er fühlte sich offenbar sicher vor der Polizei.

Die in Berlin ansässige „Vice“-Redaktion, die das Video aufgenommen hat, will derzeit nicht bestätigen, dass es sich bei dem gezeigten jungen Mann um den FH-Studenten handelt.

Aus FH-Kreisen verlautet, der 25-Jährige, für den die Hochschule offenbar wie eine zweite Heimat war, nehme Drogen, von Speed und Ecstasy ist die Rede.

Die Schweinfurter Oberstaatsanwältin Ursula Haderlein wollte weder den Namen noch Informationen zu Herkunft und Vorstrafen des 25-Jährigen bestätigen.

Themen & Autoren
Gemünden
Björn Kohlhepp
Festnahmen
Verbrechen und Kriminalität
Lädt

Damit Sie Schlagwörter zu "Meine Themen" hinzufügen können, müssen Sie sich anmelden.

Anmelden

Das folgende Schlagwort zu „Meine Themen“ hinzufügen:

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits.

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
Kommentare (3)
Aktuellste Älteste Top

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!