Frauenland

Papst-Berater kritisiert Politiker

Beifall für Kardinal Maradiaga: Der Erzbischof aus Honduras (Mitte) sprach beim Diözesanempfang in Würzburg. Unter den Gästen waren Landtagspräsidentin Barbara Stamm (links) und Universitätspräsident Alfred Forchel, rechts neben Gastgeber Bischof Friedhelm Hofmann.
Foto: Daniel Peter | Beifall für Kardinal Maradiaga: Der Erzbischof aus Honduras (Mitte) sprach beim Diözesanempfang in Würzburg. Unter den Gästen waren Landtagspräsidentin Barbara Stamm (links) und Universitätspräsident Alfred Forchel, ...

Kardinal Óscar Rodríguez Maradiaga, Erzbischof von Tegucigalpa in Honduras und einer der wichtigsten Berater von Papst Franziskus, wurde seinem Ruf als Mann klarer Worte gerecht.

Der 72-jährige Geistliche richtete in seinem anspruchsvollen Vortrag anlässlich des Diözesanempfangs einen scharfen Blick auf die Probleme der Zeit und sparte nicht mit Kritik an der Politik. „Es tut weh, Intellektuelle und Politiker zu sehen, mit ihrer Liste von Problemen, die gelöst werden müssen, die aber keine Antwort geben auf die großen Fragestellungen des Lebens. Sie haben die wunderbare Kraft dessen, was Politik eigentlich sein sollte, noch nicht verinnerlicht.“ Manch einer aus der politischen Kaste zuckte da zusammen, und Ex-Bundespostminister Wolfgang Bötsch gestand hinterher: „Bei allem habe ich nicht geklatscht.“

Weit über 1000 Gäste waren zum vierten Neujahrsempfang des Bistums Würzburg in den großen Hörsaal der Universität Würzburg gekommen, und mit Kardinal Maradiaga begrüßte Bischof Friedhelm Hofmann erstmals einen Festredner aus der Kirche.

Unter den prominenten Gästen waren Bayerns Landtagspräsidentin Barbara Stamm, der Präsident des hessischen Staatsgerichtshofes Günter Paul, Würzburgs Oberbürgermeister Christian Schuchardt sowie eine Vielzahl an Protagonisten aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Wissenschaft. In seiner Begrüßungsrede sagte Bischof Hofmann auch, dass er den neuen Generalvikar noch nicht vorstellen könne, „es dauert aber nur noch eine kleine Weile“. Hofmann rief zum Frieden auf und zitierte Papst Franziskus: „Um Frieden zu schaffen, braucht es Mut, sehr viel mehr, als um Krieg zu führen.“

Dann trat Kardinal Óscar Rodriguez Maradiaga ans Pult. Er bat zunächst um Verständnis dafür, dass er trotz seiner sehr guten Deutschkenntnisse seine Rede in seiner Muttersprache Spanisch hielt, „aber nach 40 Jahren im Exil habe ich das Sprechen verlernt“. An der Universität Innsbruck machte er einst sein Diplom in Klinischer Psychologie und Psychotherapie. Ins Deutsche übersetzt wurde die Rede von Michael Kuhnert.

Der Kardinal wandte sich zunächst der Globalisierung zu, die er für gescheitert hält: „Das Einzige, was globalisiert wurde, ist der Markt. Die Globalisierung ist eine Maske, hinter der sich das Monopol verbirgt.“ Als Beispiel führt er die Banken und die Kommunikationsmittel des Internets an. „Nur wenn wir uns endlich als eine einzige Menschengemeinschaft verstehen“, werde Globalisierung gelingen können.

Gerade werde eine Welt aufgebaut, „in der die Gier die Mehrheit der Menschen an den Rand der Geschichte drückt“, so der Kardinal. „Wir müssen dieser Weltordnung die Stirn bieten, wir müssen die Demokratie nach einer neuen Logik wieder aufbauen: nämlich nach der Logik des Gemeinwohls.“

Der Papst-Berater warf auch einen Blick auf Europa, „das wieder den richtigen Ton des Unterrichtens finden sollte“. Kardinal Maradiaga forderte eine Gleichstimmigkeit der Nationen und sagte, die Welt schaue auf Deutschland: „Die Integration beider Teile Deutschlands ist die einzige politische Idee, die bisher funktioniert hat.“ Das Mitglied der Kurie forderte die Politik zur Aktion auf: „Es gibt ein Prinzip, das aus dem Fußball stammt: Wer kein Tor schießt, wird eins rein bekommen. Wer keine Politik macht, dem wird sie gemacht. Wer keine Geschichte macht, dem wird sie gemacht.“

Abschließend widmete sich Kardinal Maradiaga ausführlich der Klimaproblematik und forderte alle auf, sich vor der Klimakonferenz im Dezember in Paris für einen Wandel stark zu machen. „Paris darf nicht scheitern“, sagte er, es müsse zu einer Lösung kommen, die eine Erderwärmung um höchstens zwei Grad garantiere. Der Ehrengast schloss mit seinem Traum, „dass wir sehr wohl einen dauerhaften Frieden erreichen können, wenn wir alle Anstrengungen des Südens, Nordens, Ostens und Westens bündeln.“

Nach anhaltendem Applaus dankte Bischof Friedhelm Hofmann seinem Gast: „Das war eine Fülle an Gedanken, die man erstmal verarbeiten muss.“ So dachte offenbar nicht nur er. Denn Übersetzer Kuhnert war auf dem anschließenden Empfang im Foyer ein begehrter Mann. Viele Gäste wollten eine Kopie des deutschen Redemanuskripts des Kardinals, um dessen Thesen nachlesen zu können.

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