WÜRZBURG

Profifußball in Würzburg: Jetzt oder nie!

Drittliga-Projekt der Kickers: Innerhalb von drei Jahren will der Regionalligist den Aufstieg in die Dritte Liga schaffen. Die Grundlage dafür soll ein 3,6-Millionen-Euro-Etat bilden, der in den kommenden 77 Tagen zusammengetragen werden soll.
Prominente Unterstützer eines ambitionierten Planes des Fußball-Regionalligisten FC Würzburger Kickers: (von links) Sternekoch Bernhard Reiser, Würzburgs Stadtkämmerer Christian Schuchardt, Schauspieler Ingo Klünder, Ex-Fußballprofi Bernhard Winkler, Schwimmweltmeister Thomas Lurz, Ex-Fußballprofi Bernd Hollerbach, Squash-Profi Simon Rösner, der ehemalige Bundespostminister Wolfgang Bötsch, Basketball-Profi Maximilian Kleber, Würzburgs Kultur- und Sportreferent Muchtar Al Ghusain und Sängerin Ursula James.
Foto: Fotomontage: FC Würzburger Kickers | Prominente Unterstützer eines ambitionierten Planes des Fußball-Regionalligisten FC Würzburger Kickers: (von links) Sternekoch Bernhard Reiser, Würzburgs Stadtkämmerer Christian Schuchardt, Schauspieler Ingo Klünder, ...

Sein Herz schlägt für die Würzburger Kickers. Eigentlich schon immer. Seit 1930. Kurt Löser trat vor 84 Jahren dem Fußballklub bei. Er war Jugendleiter, hat dem Verein immer die Treue gehalten, ist mit ihm durch dick und dünn gegangen. Er war dabei in der Zweiten Liga und hat seinen Verein in die Bezirksliga abstürzen sehen. Auch jetzt, mit 94, ist Kurt Löser da, wenn es um seine Kickers geht. Am Dienstagabend hatte er sich aufgemacht zur Informationsveranstaltung am Dallenberg, der Heimat der Rothosen. Kurt Löser wollte selbst hören, worüber in den letzten Wochen so viel in der Stadt über Pläne und Visionen des Fußball-Regionalligisten gemunkelt, getuschelt und geredet wurde. „Er war begeistert, dass seine Kickers nun den nächsten Schritt gehen“, erzählt Kickers-Vorstandsvorsitzender Michael Schlagbauer über Kurt Lösers Reaktion auf das, was nun auch alle wissen dürfen: Der Traum vom Profifußball in der Stadt soll wahr werden.

„Jetzt oder nie!“: So lautet das Motto. Will heißen, so gut wie jetzt standen die Chancen selten, den Sprung in den Profifußball zu schaffen. Nun wollen es die Kickers probieren. Einen zweiten Versuch wird es nicht geben. Geredet und geträumt wurde in den vergangenen Jahren oft und viel vom Profifußball in Würzburg. „Der Zug steht jetzt auf dem Gleis. Irgendwann müssen wir eben auch losfahren“, sagt Kickers-Boss Schlagbauer. In der Vergangenheit war oft behauptet worden, dass eine Zusammenarbeit der Würzburger Fußballklubs Grundvoraussetzung sei für hochklassigen Fußball in der Domstadt. Vor knapp fünf Jahren hatten die Kickers dem Stadtrivalen Würzburger FV ein schriftliches Angebot unterbreitet, gemeinsam den Sprung in den Profifußball zu wagen. Nun nimmt der Tabellenneunte der Regionalliga Bayern – und damit derzeit bestplatzierte unterfränkische Klub vor dem FC Schweinfurt 05 und Viktoria Aschaffenburg – alleine einen Anlauf. Das soll freilich nicht heißen, dass man keine Partner haben will, betont Schlagbauer: „Die Türen stehen offen. Und wenn jemand auf den fahrenden Zug aufspringen will, dann ist das immer möglich.“

Die Kickers werben um Sympathie. Die ganze Region soll, so ist die Vision, mithelfen, den Profi-Traum zu verwirklichen. Bis zum 30. April, also nur 77 Tage, haben sich die Kickers selbst Zeit gegeben. Bis dahin will der Klub 3,6 Millionen Euro eingesammelt haben. 1,2 Millionen pro Saison für die kommenden drei Jahre. Alle Unterstützer vom Dauerkartenkäufer auf der Stehtribüne bis hin zum Hauptsponsor sollen sich für drei Jahre verpflichten. Und eben binnen dieser drei Jahre soll auch der Sprung in den Profifußball gelingen. Ein realistisches Unterfangen, wie Bernd Hollerbach auf der Pressekonferenz betont. Der Ex-Bundesligaprofi (St. Pauli, Kaiserslautern, Hamburger SV), der früher selbst bei den Kickers spielte und zuletzt als Co-Trainer von Felix Magath beim FC Schalke 04 und VfL Wolfsburg war, ist das Gesicht der Kampagne, mit der die Kickers in den kommenden 77 Tagen für ihr Konzept werben.

Ob aus der Zusammenarbeit mehr wird, ob Hollerbach, der in 222 Bundesligaspielen aktiv war, vielleicht in der nächsten Saison als Trainer die sportliche Verantwortung für das Aufstiegsprojekt tragen wird, dazu wollten sich weder er noch der Verein konkret äußern. „Die Kickers werden, wenn wir unser Ziel bis zum 30. April erreichen, für jeden Spieler und jeden Trainer eine sehr attraktive Adresse sein.“ Wohl auch für ihn. „Da muss sich dann der Verein entscheiden, was er will“, sagt der 44-jährige Rimparer, dessen Name dieser Tage auch immer wieder im Zusammenhang mit einer möglichen Verpflichtung von Felix Magath beim Hamburger SV genannt wird.

Dass es in Würzburg genug Rückhalt für das Projekt Profifußball geben wird, daran zweifelt Hollerbach nicht. Da dürfe man sich auch nicht von den heutigen Zuschauerzahlen beeindrucken lassen. „Ich habe mit dem FC St. Pauli einst in Mainz gespielt. Da waren 700 Zuschauer. Man sieht ja, was heute dort entstanden ist.“ Die Begeisterung könne wachsen und die Kickers-Verantwortlichen spüren schon jetzt Rückenwind. Es gebe bereits drei Sponsoren, die sich jeweils ein Engagement im sechsstelligen Eurobereich vorstellen könnten, sagte Schlagbauer. Und auch mit einem potenziellen Hauptsponsor sei man „in guten Gesprächen“. Und dieser komme, so wurde betont, „nicht aus der Druckbranche“. Will heißen, es handelt sich nicht um den bisherigen Hauptgeldgeber „flyeralarm“. Der Besitzer der Online-Druckerei Thorsten Fischer, der die Rothosen seit fünf Jahren unterstützt und auf der Pressekonferenz anwesend war, dürfte freilich eine, wenn nicht sogar die treibende Kraft hinter den Kickers-Plänen sein.

Unter den gegebenen Umständen sei man in der Regionalliga an den sportlichen Grenzen angelangt, betonte Schlagbauer. Letztlich hätten aber die beiden großen Würzburger Fußballveranstaltungen des vergangenen Jahres, das Benefizspiel mit Manuel Neuer und Dirk Nowitzki sowie das Kickers-Freundschaftsspiel gegen Borussia Dortmund, mit jeweils über 10 000 Zuschauern Lust auf mehr gemacht. Auch die beiden DFB-Pokalspiele des Lokalrivalen Würzburger FV im Stadion am Dallenberg gegen den VfL Wolfsburg (2007, übrigens mit Co-Trainer Hollerbach) und den TSV 1860 München (2001) waren Publikumsmagnete.

Nun, mit der zeitlich befristeten Aktion, „wollen wir ein Projekt starten, das unter die Haut geht“, sagt Schlagbauer: „Jeder hat die Möglichkeit, selbst mitzumachen.“ Bereits ab nächsten Samstag wollen die Kickers in einem Pavillon auf dem Würzburger Marktplatz ihre Drei-Jahres-Dauerkarten an den Mann bringen. „Es zahlt aber niemand für ein unsinniges Projekt. Wenn die Summe bis zum 30. April nicht zusammenkommt, dann muss auch niemand bezahlen“, betont Schlagbauer. Dann werde es bei den Kickers eben wie bisher in der Regionalliga weitergehen. Doch wer will das schon? Die Kickers wollen Kurt Löser und vielen Fußballfans der Umgebung einen Traum erfüllen. Es wird nicht leicht werden. „Aber das ist ein spannendes Vorhaben. Ich glaube nicht, dass es in Fußball-Deutschland derzeit ein ähnliches Projekt wie das unsrige gibt“, sagt Schlagbauer.

So plant der FC Würzburger Kickers

So stellen sich die Kickers das vor: Insgesamt bietet der Regionalligist zehn unterschiedliche Sponsoren-Pakete an. Los geht es zum Einstiegspreis von 111 Euro pro Saison für eine Stehplatz-Dauerkarte. Werbemöglichkeiten und VIP-Pakete (inklusive Catering) für Firmen und Unternehmer gibt es in verschiedenen Preiskategorien. Alle Käufer verpflichten sich, die Preise für drei Jahre zu entrichten. Sollte zum Stichtag am 30. April die anvisierte Summe von mindestens 1,2 Millionen Euro pro Spielzeit nicht zusammenkommen, sind die Verträge nichtig.

So soll die Aktion laufen: Insgesamt 50 freiwillige Helferinnen und Helfer werden in den kommenden 77 Tagen versuchen, die verschiedenen Pakete an den Mann zu bringen. Dabei setzen die Verantwortlichen auf Multiplikatoren. „Der, der sich für uns entscheidet, soll möglichst selbst seine Kontakte nutzen und aktiv für den Plan vom Profifußball für Würzburg werben“, sagt der Kickers-Vorstandsvorsitzende Michael Schlagbauer. Das passiert, wenn die Summe erreicht ist: Der Plan ist klar, der Verein wird professionelle Strukturen schaffen und bereits in der Saison 2014/2015 unter Drittliga-Bedingungen arbeiten. Dazu zählt neben dem sportlichen Bereich – Trainer und Spieler sind Profis – auch der Ausbau der Infrastruktur.

Neben dem Bau einer Flutlichtanlage, die in der Dritten Liga gefordert ist, wird ein neuer, vermarkteter VIP-Bereich geschaffen, das Stadion Stück für Stück modernisiert. „Klar ist aber auch, dass wir dann nicht die ganze Mannschaft austauschen werden, sondern uns punktuell verstärken werden“, sagt Kickers-Sportvorstand Benjamin Hirsch. Das passiert, wenn die Summe nicht erreicht wird: „Davon gehen wir jetzt nicht aus, der Konjunktiv spielt aktuell keine Rolle. Unser Ziel ist es, eine ganze Region von unserem Vorhaben zu überzeugen“, sagt Michael Schlagbauer, „aber es gibt einen Plan B.“ Die Kickers würden dann so weitermachen wie jetzt in der Regionalliga auch – allerdings auch ohne echte Ambitionen, ganz oben angreifen zu wollen.

Zum Ticker der Pressekonferenz

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