WÜRZBURG

Recht viel Wind um Ilse Aigner

Zorniger Protest: Befürworter der Windkraft bereiteten Bayerns Energieministerin Ilse Aigner (rechts) auf dem Peterplatz in Würzburg einen lauten und anfänglich eher unfreundlichen Empfang.
Foto: Norbert Schwarzott | Zorniger Protest: Befürworter der Windkraft bereiteten Bayerns Energieministerin Ilse Aigner (rechts) auf dem Peterplatz in Würzburg einen lauten und anfänglich eher unfreundlichen Empfang.

Uiuiuiui, pfiffen Böen des Orkantiefs „Xaver“ über den Peterplatz vor der Regierung von Unterfranken, als Bayerns neue Energieministerin Ilse Aigner (CSU) am Freitagvormittag der schwarzen Dienstlimousine entstieg. Pfuipfuipfui, schallten sogleich Trillerpfeifen aus der Schar von rund 100 Demonstranten, deren vor Kälte klamme Finger Plakate hielten mit Slogans wie „Aigner - Tod der Energiewende“.

Die derart Attackierte – mit lila Schal gegen die Unbilden des Wetters gewappnet – reagiert so professionell, wie man das von einer Superministerin im Kabinett Seehofer erwartet. Flugs schreitet sie auf die Protestierer zu: „Herzlichen Dank, dass sie da sind“, sagt sie freundlich, „deswegen bin ich ja auch vor Ort, um mit den Menschen zu reden“.

Die Menschen auf dem Peterplatz sind der Ministerin nicht eben freundlich gesonnen. Sie sind frustriert über „Willkür gegen Windkraft“ und empört, dass „Bayern zur Bananenrepublik verkommt“. Sie kritisieren die „Wende von der Wende von der Wende“ in der Energiepolitik. Ihr Zorn richtet sich gegen die geplante die angekündigte 10-H Abstandsregelung für Windkraftanlagen, deren neueste, 200 Meter hohen Exemplare dann zwei Kilometer von der Bebauung entfernt stehen müssten.

Manfred Dürr, im Vorstand des Bundesverbands Windenergie, fordert verlässliche Rahmenbedingungen für die Energiewende statt Richtungswechsel „aus einer Laune heraus“. Er erinnert an die Aufbruchstimmung, an die Ankündigung der Staatsregierung, 1500 neue Windräder bauen zu wollen. Erinnert an Appelle, Kommunen, Regionen, Unternehmen und Bevölkerung sollten Geld in die Hand nehmen und die Energiewende gestalten. Jetzt werde all das Engagement bestraft und zunichtegemacht. Wir brauchen in Bayern gar keine 10H-Regelung, wir haben ein funktionierendes Immissionsschutzrecht, sagt Dürr.

Und was antwortet Aigner: Sie sei neu im Amt und wolle sich vor Ort ein Bild machen. Ende Januar werde dann das bayerische Kabinett beraten, wie groß der Abstand zwischen Windrädern und Wohnbebauung künftig sein solle. Und weil es sich um eine große Energiewende handele und die Kosten unter Kontrolle bleiben müssten, sei ein „Gesamtblick erforderlich“. Deswegen wolle sie ja mit allen reden.

Das glauben die Protestierer offenbar nicht. Manfred Dürr schleudert der Ministerin entgegen, sie habe eine „sehr einseitige Einladung ausgesprochen“ für den Termin in Würzburg, die Befürworter der Windenergie säßen nicht mit am Tisch bei der Regierung von Unterfranken. Aigner reagiert einmal mehr professionell: „Dann nehmen wir jetzt halt einen mit“, gibt sie ganz die Gütige, deutet auf den Vertreter der Energiegenossenschaft Oberes Werntal in Poppenhausen (Lkr. Schweinfurt) und sagt noch: „Dann geh'n Sie jetzt mit und die Sache ist gleich erledigt.“

Dem Fachgespräch mit Landräten, Vertretern der Regionalen Planungsverbände, der Regierung von Unterfranken und des Ministeriums sowie Anlagenbetreibern ist ein Viertelstündchen Pressegespräch vorgeschaltet. Auch das bringt keine tieferen Einblicke in Überzeugungen und Überlegungen der Ministerin. Überraschend seien die Konflikte nicht, „weil die Energiewende ja auch ein großes Projekt ist“. Banalitäten im Brustton der Überzeugung – auch hier zeigt sich Professionalität.

Beim Fachgespräch hinter verschlossenen Türen soll es dann nicht mehr windig zugegangen sein, berichten Teilnehmer, sondern sehr sachlich und intensiv.

Einer, der Windräder gut und wichtig findet, hat positive Signale erspürt. Die Landräte hätten sich gegen eine 10H-Regelung ausgesprochen und die Regionalpläne verteidigt, die, da sind sich Experten einig, mit neuen Entfernungsregeln zur Makulatur würden. Schließlich habe die Ministerin festgestellt, es gebe in den Regionalplänen 200 Vorrangflächen für Windkraft und nur vier Bürgerinitiativen dagegen. So auf den Punkt gebracht findet der Mann Aigners Fazit „super professionell“.

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