GIEBELSTADT

Schuldenerlass von 900 Millionen Euro für Bavaria Yachtbau

„Das ist so schön, das kann nur gut gehen“, sagt Bavaria-Geschäftsführer Andrés Cárdenas vom Mobiltelefon aus. Er sitzt im Auto auf dem Weg nach Genua zu einer der größten europäischen Bootsmessen. Und er strotzt vor Optimismus. Seit dem Wochenende ist es offiziell, dass zwei Restrukturierungsfonds dem Giebelstadter Bootsbauer rund 900 Millionen Euro an Schulden erlassen haben.
Mit voller Kraft voraus: Der Bavaria-Cruiser 55, der im Frühjahr vorgestellt wurde.
Foto: FOTO Bavaria Yachtbau | Mit voller Kraft voraus: Der Bavaria-Cruiser 55, der im Frühjahr vorgestellt wurde.

Als kerngesundes Unternehmen war Bavaria in die Krise geraten. Für geschätzte 1,1 Milliarden Euro, schon damals nach Branchenauffassung völlig überteuert, hatte der amerikanische Anlagefonds Bain Capital das Unternehmen vor zwei Jahren von Firmengründer Winfried Herrmann und Mitgesellschafter Josef Meltl gekauft.

80 Prozent der Summe waren über Darlehen finanziert. Den Schuldendienst musste Bavaria selbst bedienen und stürzte dadurch in die Zinsfalle. Die Lage verschärfte sich mit Einsetzen der weltweiten Wirtschaftskrise. Nach Informationen aus Branchenkreisen sank der Umsatz von über 270 Millionen auf weniger als 100 Millionen Euro. Trotz eines weiterhin positiven Ergebnisses im operativen Geschäft galt der Bootsbauer wegen der Zinslast als überschuldet und entging schon im Frühsommer nur knapp der Insolvenz.

Die beiden US-Hedge-Fonds Anchorage Advisors und Oaktree Capital Management, mittlerweile im Besitz der Darlehensforderungen, haben nun den Weg zur Rettung von Bavaria freigemacht. Diese Umstrukturierung beinhaltet eine Kapitalspritze in Höhe von 55 Millionen Euro sowie die Abschreibung von über 90 Prozent der bisherigen Kredite, die insgesamt 960 Millionen Euro umfassten. Wie die Financial Times Deutschland schreibt, ist das „der wohl umfangreichste Schuldenverzicht für ein Unternehmen in der aktuellen Finanz- und Wirtschaftskrise“.

Damit ist Bavaria nun weitgehend schuldenfrei. Dem Vernehmen nach bleiben Verbindlichkeiten von unter 100 Millionen Euro. Im Gegenzug erhalten die beiden US-Fonds je 45 Prozent der Anteile an dem Unternehmen. Für Geschäftsführer André Cárdenas ist der Schuldenverzicht der Investmentbanken ein äußerst positives Zeichen. Der Schritt zeugt von einem langfristig angelegten Engagement und dem Glauben daran, dass Bavaria bald wieder kräftige Renditen abwirft.

An den Voraussetzungen dafür hat Bavaria auch in den unsicheren letzten Monaten kräftig gearbeitet. Eine vierte Produktionslinie ging in Betrieb. Eine Reihe neuer Modelle wurde vorgestellt. Und auch an den vorhandenen Modellreihen wurden einige Verbesserungen vorgenommen, so Andrés Cárdenas. Auf der Bootsmesse in Friedrichshafen habe Bavaria mehr Boote verkauft als geplant und auch für Genua sehe es gut aus, sagt er.

Unter Beobachtung

Bavaria gilt in Branchenkreisen als effizienteste Bootswerft weltweit, ein Verdienst ihres Gründers Winfried Herrmann. Deshalb stand das Unternehmen auch während der Krise unter weltweiter Beobachtung, sagt der heutige Geschäftsführer. „Jeder hat nur gewartet, dass wir dichtmachen.“

Stattdessen sei Bavaria die einzige Bootswerft in Europa geblieben, die ihre Stammbelegschaft in den vergangenen Monaten gehalten hat – wenngleich mit Unterstützung durch Kurzarbeit. Ob das so bleiben kann, will Cárdenas nicht versprechen. Das hänge davon ab, wie sich der Markt in den kommenden Monaten entwickle. Die Zeichen jedenfalls stehen gut.

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