BAD NEUSTADT

Sexueller Missbrauch: Skandal um Priester weitet sich aus

Dass ein Pater im früheren Internat des Klosters Lebenhan bei Bad Neustadt Mitte der 70er Jahre Jungen sexuell missbraucht haben soll, hat der Orden „Missionare von der Heiligen Familie“ vor gut anderthalb Wochen eingeräumt. Das Ausmaß des Skandals ist dagegen noch unklar. Es gibt aber Hinweise, dass es sich nicht um Einzelfälle handelt.
Mitte der 70er Jahre soll ein Pater im früheren Internat des Klosters Lebenhan bei Bad Neustadt Jungen sexuell missbraucht haben. Immer mehr ehemalige Schüler bestätigen die Vorwürfe.
Foto: Hubert Herbert | Mitte der 70er Jahre soll ein Pater im früheren Internat des Klosters Lebenhan bei Bad Neustadt Jungen sexuell missbraucht haben. Immer mehr ehemalige Schüler bestätigen die Vorwürfe.

Vor 14 Tagen hatte sich ein ehemaliger Internatsschüler bei dieser Zeitung gemeldet und von den Vorfällen vor etwa 35 Jahren berichtet. Bereits Ende August hatte sich der Mann mit seinen Vorwürfen gegen den heute 71 Jahre alten Pater an das Bistum Würzburg gewandt. Die Verantwortlichen dort schalteten den Missionsorden ein, zu dem das Lebenhaner Kloster gehört. Der leitete dann eine interne „kirchenrechtliche Untersuchung“ ein.

Untersuchung bis November

Das Verfahren werde bis November andauern, sagte der stellvertretende Leiter der deutschen Ordensprovinz, Pater Michael Baumbach, dieser Zeitung am Dienstag. Ursprünglich sollte die von dem Orden eingesetzte Kommission ihre Untersuchung bis Dienstag abschließen. Als sich aber nach Medienberichten über den Fall ein erstes Opfer des Paters gemeldet hatte, wurde die Untersuchungsdauer verlängert. Die Ordensprovinz ermutige weitere Betroffene, sich zu melden, hieß es in einer Erklärung. Und weiter: „Dabei steht vor allem das Bemühen um Hilfen im Mittelpunkt, die die Opfer in die Lage versetzen, mit ihren leidvollen Erfahrungen besser leben zu können – insofern das überhaupt möglich ist.“

Keine strafrechtlichen Folgen für Priester

Der Fall bleibt für den beschuldigten Priester ohne strafrechtliche Folgen. „Anlass zur Aufnahme von Ermittlungen besteht nicht, weil die Vorwürfe in jedem Fall und eindeutig verjährt sind“, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt der mit dem Fall betrauten Staatsanwaltschaft Koblenz, Horst Hund, am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur dpa.

Zu den Ergebnissen des Verfahrens, etwa zur Zahl der Missbrauchsopfer, wollte Pater Baumbach bis Dienstag keine detaillierten Angaben machen. Er erklärte allerdings, es hätten sich inzwischen mehr als zehn frühere Internatsschüler gemeldet, die sich an die Vorfälle erinnern können und den Missbrauch beobachtet haben.

Auch der heute 50 Jahre alte frühere Internatsschüler, der die Untersuchung mit seiner Anzeige bei der Kirche erst ausgelöst hatte, berichtet von ehemaligen Klassenkameraden, die sich bei ihm meldeten.

Zum Teil herrschte Angst

Es gebe drei Gruppen von Betroffenen: „Die, die missbraucht wurden, die, bei denen es versucht wurde und die, die den Missbrauch mitbekommen haben.“ So gesehen liege die Zahl der Betroffenen, die damals etwa zehn Jahre alt waren, „wahrscheinlich nicht unter 100“. Es habe zum Teil Angst geherrscht, wenn der Pater abends oder nachts am Bett vorbeiging. Keiner habe „der Liebling von Pater X“ sein wollen. „Liebling des Paters“ sei unter den Schülern ein feststehender Begriff gewesen, so der 50-Jährige.

In den Gesprächen mit ehemaligen Mitschülern werde zudem eines deutlich: Viele gingen davon aus, „dass andere Padres in Lebenhan von dem Missbrauch wussten“. Die Abberufung des beschuldigten Paters Anfang 1978 sei in einer „Nacht- und Nebelaktion“ erfolgt.

Möglicherweise reagierte die Klosterleitung also schon damals. Bei der Redaktion dieser Zeitung meldete sich auch ein früherer Mitarbeiter einer Veitshöchheimer Firma, der 1977 beruflich in dem Kloster zu tun hatte. Damals habe sich ihm ein etwa neunjähriger Junge anvertraut. „Das Kind war fix und fertig“, berichtet der Mann. Auch einem anderem Buben sei es so ergangen. Er habe seinerzeit die Internatsleitung informiert und dies außerdem auf dem Rathaus in Bad Neustadt gemeldet. An Ansprechpartner dort erinnere er sich nicht.

Der betreffende Leiter des Klosters starb vor über 20 Jahren, und Pater Baumbach ist dieser Sachverhalt unbekannt. Einen Zusammenhang zwischen den Missbrauchsfällen und der Schließung des Internats 1978 gebe es nicht. Grund dafür seien zurückgehende Schülerzahlen gewesen, so Baumbach.

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