WÜRZBURG

Sprache schafft Bildungschancen

„Der Umgang mit Sprache, Sprechen und Worten schafft lebenslange Bildungschancen“, sagte die Bayerische Familienministerin Christine Haderthauer (CSU) bei der Abschlussveranstaltung des Literacy-Monats im Würzburger Congress Centrum.
Sprache steht im Mittelpunkt: Christine Haderthauer (CSU) mit den Sprachberaterinnen Susanne Wittenberg (links) und Anke Ballmann (rechts) bei der Abschlussveranstaltung des Literacy-Monats.
Foto: Thomas Obermeier | Sprache steht im Mittelpunkt: Christine Haderthauer (CSU) mit den Sprachberaterinnen Susanne Wittenberg (links) und Anke Ballmann (rechts) bei der Abschlussveranstaltung des Literacy-Monats.

Sprachkompetenz ist die Voraussetzung für Erfolg in Schule und Beruf. Daher hat das Familienministerium mit der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur in Volkach und der Märchenstiftung Walter Kahn einen bayernweiten Literacy-Monat ausgerufen. 500 Teilnehmer aus Kindertagesstätten, Fachakademien, Büchereien und Behörden folgten der Einladung zur Abschlussveranstaltung.

Ein geringer Alphabetisierungsgrad zieht Probleme in der Schule und im Beruf nach sich, das führe zu geringeren Aufstiegschancen und zu einem niedrigeren Lohnniveau, erläuterte Marion Döbert, Alphabetisierungsexpertin am UNESCO-Institut für Lebenslanges Lernen. Sie forderte die Politik auf, mehr in Förderung und Bildung der Kinder zu investieren. Das Familienministerium tut das mit dem Sprachberaterprojekt. Dabei werden noch bis 2011 Inhouse-Fortbildungen für die pädagogischen Teams in Kindertageseinrichtungen mit über 44 Millionen Euro gefördert. Bayernweit wurden 170 Sprachberaterinnen ausgebildet, die bislang 1200 Einrichtungen schulten. Anmeldungen sind auch jetzt noch möglich.

Schriftsprache beginnt nicht erst in der Schule. Schon Kindergartenkinder können Schriftzüge erkennen und lesen. Die Sprachberaterinnen Anke Ballmann und Susanne Wittenberg gaben in einer unterhaltsamen Powerpoint-Präsentation Einblicke in die Praxis. Kniereiter, Theater, Lieder, Reime, Bilderbücher – all das führe zu phonologischem Bewusstsein und zu einem Bewusstsein für Sprache im Alltag.

Ballmann und Wittenberg bedauerten, dass die Sprachberatung nur noch bis 2011 gefördert werde. An die Ministerin gewandt regten sie an, über eine Fortsetzung nachzudenken. Christine Haderthauer machte dazu noch keine Aussagen, kündigte jedoch an, dass der Literacy-Monat zu einer Dauereinrichtung werden könnte, wenn sich die Kooperationspartner weiter beteiligten.

In den bayerischen Kindertagesstätten – auch in Unterfranken – gab es zahlreiche Aktionen wie Lesenächte, Theater- und Bibliotheksbesuche oder Lesungen. Einige Kinder hätten auch selbst Bilderbücher gebastelt oder ein Lesefest veranstaltet.

„Die kreative und vielfältige Begegnung mit Sprache und Schrift ist für die Entwicklung von Kindern immens wichtig“, so Haderthauer. Was früher in den Familien selbstverständlich war – nämlich gemeinsam singen, lesen, reimen – würden viele Kinder heute nicht mehr erleben. Sprache und Schrift sei aber die Grundlage für Bildung. „Die Hauptweichen werden bereits vor der Einschulung gestellt. Daher ist Literacy gerade im Kindergarten so wichtig“, betonte die Ministerin.

Kritik gab es im Vorfeld für den Begriff. Doch Literacy bezeichnet nicht nur die Fähigkeiten des Lesens und Schreibens, sondern auch, wie sehr sich ein Kind für gedruckte Texte und Medien interessiert und wie vertraut es damit ist. Einen deutschen Begriff gibt es bisher nicht. Mit dem Wettbewerb „Ein deutsches Wort für Literacy“ wurde Abhilfe geschaffen. Eine Jury hatte aus insgesamt 365 Einsendungen drei Vorschläge ausgewählt. Die Wahl fiel auf „Literalität“, „Schriftsprachkompetenz“ und „Schriftsprachkultur“ – die drei Gewinner erhielten Buchpreise.

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