KITZINGEN

Tief hinunter zu den Kellerkindern

Tief unter meterdicken Löss-Schichten verbirgt sich ein recht unbekanntes Stück Kitzinger Geschichte - gewaltige Kellergewölbe. Sie können am Wochenende besichtigt werden, vielleicht zum letzten Mal.

keller       -  Rund 45.000 Flaschen Sekt lagern in den gewaltigen Gewölben unter dem Kitzinger Deuster-Park.
Foto: Julia Mend | Rund 45.000 Flaschen Sekt lagern in den gewaltigen Gewölben unter dem Kitzinger Deuster-Park.
Wenn Pläne der Stadt greifen, einen oder mehrere Märkte auf Kitzingens teuerster Baufläche (2,5 Millionen Euro ohne Erschließung) zu platzieren, werden die Keller mit Beton geflutet.

Das Spannende für die Besucher der Keller, die am Samstag und Sonntag (24. und 25. März) von 11 bis 16 Uhr offen sind: Weder das Alter der Gewölbe ist bekannt, noch die Ausdehnung der unterirdischen Anlagen.

Das Stadtarchiv besitzt keine Unterlagen über die Entstehung. Vermutungen von Geschichts-Experten gehen allerdings von einem Bau vor etwa 600 Jahren aus und der Annahme, das die ersten Keller zum Ursulinen-Kloster (heute das Landratsamt) gehörten.

Wie weit sich die bis zu acht Meter hohen, kunstvoll gemauerten Gewölbe - einstige Bier-, Wein- und Eiskeller - in den Hang am Deuster-Park bohren, weiß keiner. Eine Schätzung geht von rund 3000 Quadratmetern aus. Thomas Pregitzer, einer von drei Mietern und am Wochenende einer von zwei Keller-Führern, weiß von 1200 Quadratmetern. In einem Großteil steckt seine Sektkellerei mit bis zu 45.000 Flaschen, auf die die Besucher einen Blick werfen können.

Zweifel am Baumarkt Pregitzer, seit 15 Jahren Keller-Mieter, hat längst die Kündigung für seine Gewölbe erhalten, wie auch ein Weinhändler und der Schützenverein Para 69, dessen Vorsitzender Wolfgang Markert beim Tag der offenen Keller den Schießstand im Untergrund präsentiert. Verantwortlich für den Rauswurf der "Kellerkinder" sind im stillen Stadtrats-Kämmerlein diskutierte Pläne, auf dem Immobilien-Ladenhüter Deuster-Park einen Baumarkt zu etablieren. Wobei mancher inner- und außerhalb des Stadtrats an diesem Baumarkt seine Zweifel hat. Denn der potenzielle Investor, die nahe Landshut ansässige Firma Isarkies hat laut Internet-Auftritt ihr Standbein in den Bereichen Lebensmittelmärkte und Fachmarkt-Zentren.

Weil zumindest Letzteres dem Zentrenkonzept der Stadt - das verbietet Konkurrenz-Sortimente für den Innenstadthandel vor dessen Nase _ entgegenstehen würde, gibt's den Verdacht, der Baumarkt könne der "Türöffner" sein. Dem widerspricht OB Bernd Moser. Bei einem Verkauf des Grundstücks werde die Nutzung festzuschreiben sein. Gerüchte, die Stadt werde die Erschließung aus eigener Tasche bestreiten und zudem die bis zu siebenstellige Beton-Verfüllung der Keller-Gewölbe auch noch übernehmen, verwies Moser ins Reich der Fantasie. Bei einem Erwerb müsse der Käufer beides bezahlen.

Mit Häuslebauern - ohne Beton Richtig sei allerdings, dass die Erschließungskosten im Haushalt 2007 enthalten seien. Dies sei vorsorglich geschehen - auch in Hinblick auf eine Nutzung des Areals als Bauland, was immer aktuell sei. Auf dem einst 2,5 Hektar großen Grundstück, das 1997 für rund 2,5 Millionen Euro gekauft wurde, könnten 28 Häuser Platz finden - und die Keller bekämen keine Beton-Füllung. Wer die Keller besuchen will, startet am Kolosseum (Fischergasse), biegt in den Hindenburg-Ring Nord ein. Dort liegt gegenüber dem Sportplatz der Hauptschule der Eingang der Sektkellerei. Eine Beschilderung weist den Weg.

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