WÜRZBURG

„Unser Fleisch wird derzeit oft unter Preis verkauft“

Für mehr Vernetzung, mehr Regionalität und mehr Qualität beim heimischen Fleisch setzt sich Eduard Mack, Vorsitzender des Fleischerzeugerrings Unterfranken, ein. Über 500 Ferkelerzeuger und Bullenmäster sind Mitglied im Fleischerzeugerring Unterfranken. Zehn Berater sind regelmäßig auf Bauernhöfen unterwegs und beraten zu den Themen Fütterung, Tiergesundheit und Tierschutz. Auch bei der Eröffnung der unterfränkischen Grillsaison durch den Bauernverband und den Hotel- und Gaststättenverband warb Mack für Fleisch aus der Heimat.

Frage: Aldi, Lidl und Co. haben eine neue Billigpreisrunde bei Frischfleisch eingeläutet. Schmerzt Sie das?

Eduard Mack: Die Discounter sind wichtige Fleischabnehmer und somit Partner von uns Landwirten. Aber uns ärgert, dass Fleisch als Lockmittel verwendet wird, um andere Produkte zu verkaufen. Unser Fleisch wird derzeit oft unter Preis verkauft.

Was tun Sie dagegen?

mack: Wir haben keinen Einfluss auf die Preispolitik der Discounter. Wir Landwirte sind zwar sehr viele, aber Aldi und Lidl sind große Konzerne. So entsteht ein Ungleichgewicht. Die Konzerne haben die Macht am Markt und wir sind darauf angewiesen, dass sie unsere Produkte abnehmen.

Was kann man dafür tun, dass die Verbraucher Fleisch mehr wertschätzen?

mack: Regionalität ist ein großer Vorteil für uns. Ideal für uns Landwirte ist die Zusammenarbeit mit kleineren Metzgereien und Gaststätten. Der Verbraucher schätzt Tiere aus der Region, doch nicht jeder kann sich das leisten. Erfreulich ist, dass aber inzwischen auch die Großen in der Lebensmittelbranche zunehmend auf Regionalität – „Fleisch aus Bayern“ – setzen.

Viele Verbraucher kritisieren die Massentierhaltung. Wie steht es um die Tierhaltung aus Ihrer Sicht?

Mack: Es urteilen oft Leute über uns Landwirte, die keine Ahnung von unserer Arbeit haben. Die Haltungsformen haben sich in den letzten 50 Jahren sehr stark zugunsten der Tiere verändert, auch wenn die Tierzahl größer geworden ist.

Warum halten Landwirte immer mehr Tiere?

mack: Wir haben hier in Unterfranken noch sehr kleine Strukturen in der Erzeugung. Doch durch den Kostenzwang wird auch hier die Tierzahl immer größer. Früher konnte eine Familie von 100 Tieren schon leben. Heute sind 1500 Mastplätze nötig, um einen Vier-Personen-Haushalt zu ernähren. Ein Problem sind auch die mittlerweile sehr hohen Tierstandards. Gerade kleine Betriebe können diese Auflagen, wie Gruppenhaltung für Mutterschweine, Lüftung oder Kühlung, nicht mehr erfüllen. Jedes Jahr geben deshalb viele Schweinhalter auf.

Wie viele Schweinehalter wirtschaften in Unterfranken nach Bio-Kriterien?

Mack: Der Anteil der Biobauern liegt bei den Schweinehaltern ungefähr bei 0,4 Prozent. Der Grund: Bei Rindern und Geflügel ist die Bio-Tierhaltung relativ einfach, bei Schweinen nicht. Gruppenhaltung, Freilauf, Stroh – das ist alles sehr aufwendig. In der Schweiz dagegen gibt es sehr viele Bio-Schweinebauern, weil der Markt abgegrenzt ist und der Verbraucher die Mehrkosten übernimmt.

Was ist die Initiative zum Tierwohl?

mack: Gerade läuft in ganz Bayern und auch in Unterfranken die „Initiative Tierwohl“ an. Darin bekennen sich mit einem Vertrag von 2013 Landwirtschaft, Fleischwirtschaft und der Lebensmittelhandel klar für eine nachhaltige Fleischerzeugung, die besonders das Wohl der Tiere berücksichtigt. Auf freiwilliger Basis erbringen Schweinehalter sowie Hähnchen- und Putenmäster über das gesetzliche Maß hinausgehende Leistungen für mehr Tierwohl. Der Lebensmitteleinzelhandel bezahlt den Landwirten für den entstehenden Mehraufwand einen Kostenausgleich.

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