WÜRZBURG

Zahl der Scheidungen steigt: Unterfranken über Bundesschnitt

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Die Zahl der gescheiterten Ehen in Deutschland ist wieder leicht gestiegen. Mit 187 640 sind es 0,3 Prozent mehr als im Vorjahr. Auf bestehende Ehen umgerechnet, sind es elf Scheidungen bei 1000 Ehen.

Damit pendelt die Quote seit zehn Jahren relativ konstant zwischen zehn und elf gescheiterten Ehen unter 1000 bestehenden. Allerdings blieben Ehepartner immer länger zusammen, teilt das Statistische Bundesamt mit. So dauerten die 2011 geschiedenen Ehen im Schnitt 14 Jahre und sechs Monate. Das sind drei Jahre mehr, als es noch 1992 waren.

Die Zahl der Scheidungen in Unterfranken indes ist so hoch wie seit fünf Jahren nicht mehr. Mit 2869 Scheidungen 2011 haben sich gleich 163 Paare mehr scheiden lassen als im Vorjahr. Das markierte mit 2706 geschiedenen Paaren jedoch auch den absoluten Tiefstand der letzten zehn Jahre. Im Mittel wurden die gescheiterten Ehen in der Region nach 13 bis 14 Jahren geschieden. Die Dauer einer „schlechten“ Ehe ist damit im Vergleich zu 2010 nur geringfügig gestiegen.

„Die Kirche nimmt die große Zahl der Scheidungen wahr“, sagt Bernhard Schweßinger, Sprecher der Diözese Würzburg. „Das ändert aber nichts an ihrer Grundaussage, dass sie an der Unauflöslichkeit der Ehe festhält.“ Zudem sehe die Kirche in der neuen Möglichkeit der Online-Scheidung, so Schweßinger, einen weiteren Schritt „zur Verharmlosung der Scheidung in unserer Gesellschaft“.

Onlineportale wie scheidung.de und einige Anwaltskanzleien bieten diese Art der Scheidung. Hat man sich untereinander geeinigt und will sich möglichst jeden Aufwand sparen, kann man die Scheidung so nämlich auch unkompliziert vom Schreibtisch aus in die Wege leiten. Lediglich für den verpflichtenden Gerichtstermin muss man dann noch vor die Tür gehen.

„Wenn alles Wichtige, wie Unterhalt und güterlicher Ausgleich im Vorfeld geklärt wurde, dauert so ein Termin 15 bis 20 Minuten“, berichtet der Würzburger Scheidungsanwalt Ulf Pieconka. Er bietet Online-Scheidungen seit einem Jahr auf seiner Website an. „Die meisten Mandanten wollen aber das persönliche Gespräch“, sagt Pieconka. Und das sei auch wichtig. Er hat schon die Erfahrung gemacht, dass noch längst nicht alles geklärt ist, nur weil die Paare behaupten, sich einig zu seien. „Meistens sind es Detailfragen, die in einem Online-Fragebogen einfach nicht abgefragt werden“, so der Anwalt.

Die Vorteile sind dazu noch gering. Ob online oder nicht: Bezahlen muss man nämlich das Gleiche. Eine Scheidung ohne Anwalt, der den Scheidungsantrag beim Gericht einreicht, ist in Deutschland nicht möglich. Und an Zeit spart man höchstens die Fahrt zur Kanzlei. Denn wie schnell ein Scheidungsverfahren abgewickelt wird, hängt vom Gerichtstermin ab. Den bekommt man in der Regel in vier Monaten, sagt Ulf Pieconka.

Christopher Pruefer aus Düsseldorf leitet das Unternehmen Added Life Value, das die Seite scheidung.de betreibt. Für ihn steht die Idee im Vordergrund, Menschen zu helfen, „die sich in einer Notsituation befinden“. Moralische Bedenken hat er nicht. „Schließlich kann keiner etwas dafür, dass sich die Paare scheiden lassen.“ Auch Gerhard Neumeister, stellvertretender Dekan des Dekanat Würzburg, will die Anwälte mit solchen Angeboten nicht verurteilen. Er sagt aber: „Man sollte sich so einen gewichtigen Schritt bitte nicht zu leicht machen.“

Scheidung       -  Symbolfoto
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