WÜRZBURG

Die Welt ein wenig besser machen

„Rebellin, Optimistin, Dickschädel“: Sina Trinkwalder, Geschäftsführerin der manomama GmbH, war die Gastrednerin. Foto: Fotos (5): Norbert Schwarzott

Preise für ehrenamtliches Engagement in Unterfranken: Im Rahmen der Aktion „Zeichen setzen“ wurden in diesem Jahr 19 Initiativen vorgestellt und vier von ihnen ausgezeichnet – stellvertretend, denn preiswürdig wären alle gewesen.

Zu dem Ehrenabend im Casino der Main-Post in Würzburg begrüßte Chefredakteur Michael Reinhard mehr als 150 Gäste – und als Gastrednerin Sina Trinkwalder, die „Rebellin vom Lech“, die sich selbst als „unverbesserliche Optimistin mit ausgeprägtem Dickschädel“ bezeichnet. Die Geschäftsführerin der Augsburger manomama GmbH hat sich als ökosoziale Textilunternehmerin einen Namen gemacht.

„Ich will nichts anderes als ein anständiger Unternehmer sein“, sagte die 35-Jährige über sich. Sie sei nach zehn Jahren in der Wirtschaft ausgestiegen und habe 2010 ihre eigene Firma gegründet: „Ohne politische Unterstützung und ohne einen Banker im Nacken.“ Sie sei mit der Situation nicht zufrieden gewesen und habe Not und Elend gesehen.

Erst an diesem Nachmittag habe sie einen Mitarbeiter „zum dritten Mal aus dem Knast gekauft“, aber wir müssten Menschen eben nehmen, wie sie sind. Trinkwalders Firma beschäftigt 140 Mitarbeiter, die zuvor arbeitslos waren, nach Meinung der Arbeitsvermittlung ohne Chance auf Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt, „Menschen mit multiplen Vermittlungshemmnissen, zum Beispiel über 40 Jahre alt.“ Hergestellt werden ökologisch einwandfreie Textilien, mit Materialien aus der Region und unter fairen Bedingungen.

Sie sehe sich aber nicht als jemand mit einem Ehrenamt, sondern als „Vollblutunternehmerin“, die der Überzeugung ist, dass jeder ein Recht auf Arbeit hat. Wenn man in der Disco als erstes gefragt werde „was machst Du so?“, dann zeige das, dass Arbeit Teilhabe an der Gesellschaft bedeutet. „Wir sind kein Wohlfahrtsunternehmen, aber jeder hat eine Chance, je nachdem, was er kann.“

So erhalten die Mitarbeiter einheilich rund 1900 Euro, dazu kommen Zulagen und Boni. „Es geht um Gerechtigkeit.“ Sei es fair, wenn ein Konzern mit Milliardengewinnen den Putzfrauen 5,90 Euro zahle? Viele Menschen verdienten mehr als sie brauchen, andere zu wenig. Sie habe unlängst zwei Millionen Euro in Nähmaschinen investiert, „damit Menschen sich ihre Würde selbstständig zurückerobern können“.

Von Politik und Wirtschaft erwartet sie nicht viel: „Die Politik tritt auf der Stelle und verschiebt Probleme in die Zukunft, in den Firmen sitzen nur noch Manager und keine Unternehmer mehr.“

Lob hingegen hatte sie für das Ehrenamt: „Sie tun etwas, weil sie mit den Dingen nicht zufrieden sind. Wir werden die Welt ein wenig besser machen.“ Wenn sich jeder nur um einen Menschen kümmere – um den Nächsten – sei für jeden gesorgt. Und mit einem Zitat von Bert Brecht schloss sie: „Verändere die Welt, sie braucht es!“

Bei der Preisverleihung lobte Chefredakteur Michael Reinhard die engagierten Bürger: „Ohne Ehrenamt wäre Deutschland ärmer und kälter.“

Den Ersten Förderpreis der Fürstlich Castell'schen Bank überreichte Vorstandsmitglied Klaus Vikuk an den Freundeskreis für Flüchtlinge in Hammelburg (Lkr. Bad Kissingen). Er beschrieb das Schicksal von Flüchtlingen und lobte die Initiative, weil sie „aktiv, offensiv und äußerst positiv“ eine Thematik aufgegriffen habe, die in den vergangenen Monaten zu vielen Diskussionen Anlass gegeben habe.

Joachim Erhard von der Bürgerstiftung Würzburg und Umgebung und Vorstandsmitglied der Volksbank Raiffeisenbank Würzburg betonte, Banker zu sein könne auch soziale Aspekte in sich tragen und überreichte den Förderpreis der Bürgerstiftung an die Kindertafel Würzburg. Er lobte die Aktion „von Mensch zu Mensch“, die auf einfache Art und Weise vermittele „Kinder sind wichtig“.

„Ohne Ehrenamt wäre Deutschland

ärmer und kälter.“

Michael Reinhard Chefredakteur der Main-Post

Das Lernwerk Volkersberg in Bad Brückenau (Lkr. Bad Kissingen) ist eine Erwachsenenbildungseinrichtung der Diözese Würzburg und Mitveranstalter der Aktion „Zeichen setzen“. Martina Reinwald, die Leiterin, und Claus Schreiner zeichneten die Aktion DorfAuto Gnötzheim (Lkr. Kitzingen) aus: „Sie sind preisverdächtig, denn wo der Öffentliche Nahverkehr endet, fängt das Dorfauto an. Sie haben ein Problem erkannt und eine Lösung gefunden.“

Für die Mediengruppe Main-Post überreichte Redakteurin Regina Krömer den Förderpreis an den Dorfladen Riedbach/Kleinsteinach (Lkr Haßberge). Dessen Organisatoren hätten neue Ideen entwickelt und eine Gemeinschaft geformt, die eine eigene Wucht entwickelt habe. Der Dorfladen stehe auf wirtschaftlich gesunden Füßen und bringe neues Leben in den Ort.

Die Fernsehredaktion der Diözese Würzburg hat beim Zeichen-Setzen-Ehrenabend die Unternehmerin Sina Trinkwalder intverviewt. Den Film finden sie hier: http://www.ein-blick-ins-leben.tv/unsere-filme

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Rückblick

  1. „Wir wären nichts ohne das Ehrenamt“
  2. Gelebtes Miteinander im Café Diwan
  3. Betreuung mit Liebe und Zuwendung
  4. Ein „Buntes Netz“ der Hilfsbereitschaft
  5. Fränkische Passionsspiele: Eine Gemeinschaft von Freiwilligen
  6. Die helfenden Hände aus Mittelsinn
  7. Aus Liebe zum Leben: Ehrenamtliche begleiten gehörlose Sterbende
  8. Damit die Angst nicht siegt
  9. Wo man sich aussprechen kann
  10. Das Motto: Kümmern ums Landjugendhaus
  11. Zwei Frauen werden Freundinnen
  12. Ehrenamtliche stemmen ein ganzes Festival
  13. Gospelchor: Mehr als mitreißende Rhythmen
  14. Unterm Strich: Frittierte Sonnenstrahlen
  15. Aktion Zeichen setzen: Helfen, weil es Freu(n)de macht
  16. Aktion Zeichen setzen würdigt Ehrenamt
  17. Mutter Beimer: "Mir wurde geholfen, ich habe geholfen"
  18. Wozu wir den Wald brauchen
  19. Kreativwerkstatt für Selbermacher
  20. Ratgeber mit Erfahrung
  21. Waldbad Lengfurt: Ehrenamtlich zu Freibad-Experten werden
  22. Drei Seniorinnen kochen für alle
  23. Der Kampf gegen eine tückische Krankheit
  24. Ein Betrieb mit 150 freiwilligen Mitarbeitern
  25. Die Begeisterung verbindet
  26. Wildromantisches Paradies im Stadtgebiet
  27. Jeder geht seinen eigenen Jakobsweg
  28. Garten der Kulturen und der Begegnung
  29. Die „Lesehörnchen“ kommen ans Krankenbett
  30. Damit die fränkische Mundart bewahrt wird
  31. „Projekt Würzburg“: Spenden sammeln für soziale Aufgaben
  32. Preisträger der Aktion Zeichen setzen geehrt
  33. Aktion Zeichen setzen: Die Freude der Preisträger
  34. Zeichen setzen: Die Welt ein wenig besser gemacht
  35. „So geht Deutschland“
  36. Unzufrieden mit Kitas: Verein gründet "Haus für Kinder"
  37. Flucht: Werbung für Integration auf dem Land
  38. Im Schweinfurter Repair Café werden Dinge repariert statt weggeworfen
  39. Helfen als Selbstverständlichkeit
  40. Bewegung ganz nach Herzenslust
  41. Die Verlockungen der Lok
  42. Das Helfer-Potenzial wachrufen
  43. Dorfleben im Dorfladen
  44. Am Keyboard ein echter Musikprofessor
  45. Kulturtafel: Nahrung für die Seele
  46. Zeichen setzen! Kriterien zur Bewerbung
  47. Die große Freude über einen Besuch
  48. Ein Film für die Initiative Lighthouse
  49. Musik machen und Gutes tun
  50. Mit Leib und Seele Kirchenführer

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