WÜRZBURG

Ehrenamt auf Fränkisch

Die Verleihung der Ehrenamtspreise der Aktion „Zeichen setzen“ hatte in diesem Jahr einen besonderen Paten: Frank-Markus Barwasser alias Erwin Pelzig war – übrigens ehrenamtlich und ohne Gage – zum Festabend ins Casino der Mediengruppe Main-Post in Würzburg gekommen. Speziell für die Preisträger gab's Erinnerungsfotos mit dem Würzburger Kabarettisten, der längst bundesweit bekannt ist. Für alle geladenen Gäste, rund 200 an der Zahl, gab's Kabarett vom Feinsten, bissig, kritisch und humorvoll.

Förderpreisverleihung "Zeichen setzen"

Den Abend hatte Main-Post-Chefredakteur Michael Reinhard eröffnet. Bereits im 9. Jahr werde die Aktion „Zeichen setzen“ durchgeführt, seit sie 2003 auf Initiative von und in Kooperation mit Michael Koch, dem damaligen Leiter der Erwachsenenbildung Klaus von Flüe (Münsterschwarzach), ins Leben gerufen wurde. 15 vorbildliche ehrenamtliche Initiativen wurden in diesem Jahr in einer Serie in der Zeitung vorgestellt, Vertreter aller Gruppen waren zum Ehrenabend gekommen. Vier Initiativen wurden ausgezeichnet. „Das ist ein beachtliches Zeichen der Stärke, das die Region damit setzt“, lobte Michael Reinhard das Engagement der Bürger.

Fotoserie

Preisverleihung "Zeichen setzen!"

zur Fotoansicht

Plötzlich war Frank-Markus Barwasser weg und an seiner Stelle stand Erwin Pelzig auf der Bühne, gratulierte den Preisträgern und schickte sie dann fränkisch-freundlich weg, um sich den Vertretern der Banken in der ersten Reihe zuzuwenden: „Auch die Banken haben's schwer.“ Ihre Verkäufer stünden unter hohen psychischen Belastungen, wenn sie den Kunden ihre Produkte verkaufen sollten. Ob sie nicht Leute aus der Touristik oder der Gastronomie anwerben wollten, fragte Erwin Pelzig hinterlistig. Die könnten doch alles verkaufen.

Aber auch die anwesenden Redakteure bekamen ihr Fett ab: Sie sollten nicht immer von Staatsschuldenkrise schreiben, die gebe es doch gar nicht, sondern von Bankenschuldenkrise. Denn die Bankenrettung habe die Staaten um ihr Geld gebracht. „Wir haben die Erpresser gerettet, damit sie ihre Tätigkeit fortsetzen können.“

Schließlich outete sich Erwin Pelzig auch als ehrenamtlich Tätiger: „Ich gehe zu einer Großbank und sage, ich habe eine Million von meiner Tante geerbt.“ Dann werde ihm gleich Private Banking angeboten, er werde in die Nobeletage geführt, es gebe Häppchen und Sushi, „dann sage ich, die Tante ist ein Onkel und der lebt noch: Denn solange ich da sitze, können die keinen anderen übern Tisch ziehen.“

2012 werde das Jahr des Sparens, prophezeite Erwin Pelzig. In einer Zeitung habe er Spartipps gelesen wie: Pferdebesitzer sollten sich beim Bäcker billiges altbackenes Brot holen. Bloß wofür? Fürs Pferd oder für sich selber?

Überhaupt gebe es kein Vertrauen mehr: 97 Prozent vertrauen der Feuerwehr: „Also hat's bei drei Prozent gebrannt.“ Sechs Prozent hingegen vertrauen Politikern. Umkehrschluss: 94 Prozent waren schon mal wählen.

Dabei wundere es ihn, dass die Leute so ruhig bleiben. Die Franzosen hätten Protestkultur. Der Deutsche balle gerade mal die Faust, wenn im Supermarkt die Schlange zu lang sei: „Zweite Kasse aufmachen!“ Pelzig bitter: „Der Held der Schlange“. Ein Franzose würde gehen, ohne zu zahlen und die zweite Kasse auch noch mitnehmen. Aber wir Deutschen seien ja eine Konsensgesellschaft und wählten immer das kleinere Übel.

Alle Parteien wollten den Bürger mitnehmen, so wie die SPD: „Und warum ist der Schröder damals ohne uns losgegangen?“ So wie die Union: „Merkel und Seehofer, was ist das für eine Reiseleitung?“ Den meisten Spott aber bekam die FDP ab: „Die FDP geht sehenden Auges in den Untergang und hält an ihren Idealen fest. Nur greift sie ins Leere! Was dem Beinamputierten der Phantomschmerz ist der FDP der Charakter!“

Eine gute Seite wusste er der Euro-Krise doch abzugewinnen: Angst hat immer gezwungen, etwas Neues auszuprobieren. „Nur wer die Hosen voll hat, sucht den frischen Wind.“

Und er warnte vor vorschneller Depression: Vielleicht wird alles noch viel schlechter! „Warum sollen wir uns heute umbringen, wenn es morgen viel bessere Gründe dafür gibt?“

Den Großen Förderpreis übergab Klaus Vikuk von der Castell-Bank an Martina Mirus von der Hospizgruppe der Malteser. Joachim Erhard, Vorstand der Bürgerstiftung Würzburg und Umgebung der VR-Bank Würzburg, verlieh den Förderpreises an Ars Musica Aub. Für das Lernwerk Volkersberg übergab Claus Schreiner zusammen mit der Leiterin des Lernwerks, Martina Reinwald, den Preis an Christa Hüllmandel vom Dorfladen Unsleben. Theresa Keidel von der Selbsthilfekoordination (Seko) Bayern übergab den Sonderpreis der Mediengruppe Main-Post an das Internetportal „Intakt“.

Rückblick

  1. Wie die Tafel in Schweinfurt Corona trotzte
  2. NS-Zeit in Schweinfurt: Initiative gegen das Vergessen
  3. Einfach mal über den Tellerrand schauen
  4. So vielseitig wie ein mobiles Mehrgenerationenhaus
  5. Preisträger Aktion Zeichen setzen: „Wertschätzung für unsere Arbeit“
  6. Aktion "Zeichen setzen": Applaus für die Rosa Hilfe
  7. Rosa Hilfe Würzburg: "Wir nehmen jedes Anliegen ernst"
  8. Fußballturnier für Kinder der Intensivstation
  9. 50 Jahre Seniorenkreis: Der Donnerstag als Höhepunkt der Woche
  10. Die Rettung altgedienter Haushaltshelfer
  11. Bad Königshöfer Promiband schunkelt für einen guten Zweck
  12. Ehrenamtliche helfen, damit der letzte Wunsch in Erfüllung geht
  13. Einkaufen und Kaffeetrinken im Dorfladen
  14. Der lange Atem der Auber Museumsmacher
  15. Hospizarbeit: Zeit schenken, zuhören und da sein
  16. Engagement für Herzensthemen
  17. Selbst aktiv werden für die Integration
  18. Erkennen, was Leben mit Behinderung heißt
  19. Ein wirklich vorbildliches Kirchturm-Denken
  20. Wunderbare Anerkennung für die Arbeit
  21. Landesbischof Bedford-Strohm begeistert die Ehrenamtlichen
  22. Viele Wege, anderen zu helfen
  23. „Wir wären nichts ohne das Ehrenamt“
  24. Gelebtes Miteinander im Café Diwan
  25. Betreuung mit Liebe und Zuwendung
  26. Ein „Buntes Netz“ der Hilfsbereitschaft
  27. Fränkische Passionsspiele: Eine Gemeinschaft von Freiwilligen
  28. Die helfenden Hände aus Mittelsinn
  29. Aus Liebe zum Leben: Ehrenamtliche begleiten gehörlose Sterbende
  30. Damit die Angst nicht siegt
  31. Wo man sich aussprechen kann
  32. Das Motto: Kümmern ums Landjugendhaus
  33. Zwei Frauen werden Freundinnen
  34. Ehrenamtliche stemmen ein ganzes Festival
  35. Gospelchor: Mehr als mitreißende Rhythmen
  36. Unterm Strich: Frittierte Sonnenstrahlen
  37. Aktion Zeichen setzen: Helfen, weil es Freu(n)de macht
  38. Aktion Zeichen setzen würdigt Ehrenamt
  39. Mutter Beimer: "Mir wurde geholfen, ich habe geholfen"
  40. Wozu wir den Wald brauchen
  41. Kreativwerkstatt für Selbermacher
  42. Ratgeber mit Erfahrung
  43. Waldbad Lengfurt: Ehrenamtlich zu Freibad-Experten werden
  44. Drei Seniorinnen kochen für alle
  45. Der Kampf gegen eine tückische Krankheit
  46. Ein Betrieb mit 150 freiwilligen Mitarbeitern
  47. Die Begeisterung verbindet
  48. Wildromantisches Paradies im Stadtgebiet
  49. Jeder geht seinen eigenen Jakobsweg
  50. Garten der Kulturen und der Begegnung

Weitere Artikel

Schlagworte

  • Zeichen setzen
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!