„Ich finde es toll, wenn Leute sich engagieren“

Flüchtlingshilfe liegt ihm am Herzen: der Kabarettist Frank-Markus Barwasser alias Erwin Pelzig.Foto: Daniel Biscan
Flüchtlingshilfe liegt ihm am Herzen: der Kabarettist Frank-Markus Barwasser alias Erwin Pelzig.Foto: Daniel Biscan

Frank-Markus Barwasser, Kabarettist und Erfinder der Figur Erwin Pelzig, hat dieses Jahr die Patenschaft für die Aktion „Zeichen setzen“ übernommen. Der durch Film („Vorne ist verdammt weit weg“) und Fernsehen („Neues aus der Anstalt“ und „Pelzig hält sich“) bekannte Würzburger wird am „Zeichen-setzen“-Ehrenabend im Dezember in Würzburg teilnehmen und die preiswürdigen Initiativen auszeichnen.

Frage: Was würde denn Erwin Pelzig tun, wenn er sich ehrenamtlich engagieren würde?

Frank-Markus Barwasser: Der würde sich wahrscheinlich irgendwas ganz Schräges aussuchen und sich ehrenamtlich für tibetanische Dialekte des 11. Jahrhunderts interessieren.

Und Sie selbst? Haben Sie schon einmal ein Ehrenamt wahrgenommen?

Barwasser: Ich habe einige Schirmherrschaften und Patenschaften, zum Beispiel für „Glück im Unglück“ der Würzburger Kinderfonds-Stiftung in der Zellerau, und das ist ja auch eine Art Ehrenamt. Früher habe ich mich auch um amnesty international gekümmert, habe Unterschriften gesammelt und Briefe geschrieben – aber das ist schon sehr lange her.

Dann stellen Sie jetzt mehr Ihre Popularität in den Dienst einer Sache, als selbst mit Hand anzulegen?

Barwasser: Ich lege schon auch Hand an, gerade wenn es darum geht, eine Sache in Schwung zu bringen. Bei vier Schulen bin ich Pate für die Aktion „Schule ohne Rassismus, Schule mit Courage“. Natürlich gibt es bei inzwischen 15 Sendungen pro Jahr zeitliche Einschränkungen, so dass ich nicht alles machen kann, was an mich herangetragen wird.

Und wenn Sie nicht so bekannt wären, sondern ein ganz normaler Würzburger, wofür würden Sie sich einsetzen?

Barwasser: Ich bin ja ein ganz normaler Würzburger, auch wenn ich hier nicht mehr wohne. Hier in München halte ich Kontakt zu Flüchtlingshilfeorganisationen, und das ist für mich ein ganz großes und wichtiges Thema: Flüchtlingshilfe, Förderung von Flüchtlingskindern.

Wie kommt die Beziehung zur Würzburger Kinderfonds-Stiftung zustande?

Barwasser: Die Initiatoren haben mich angesprochen und ich finde das, was die machen, sehr unterstützenswert. In diesem Kinderzentrum Spieli weht der Geist von Pippi Langstrumpf, ein bisschen anarchisch, das hätte mir als Kind auch gefallen. Wir haben regelmäßig Kontakt mit den Initiatoren und sind auch immer auf dem Laufenden. 2013 ist ein großer Kabarettabend zugunsten der Kinderfondsstiftung geplant, an dem auch andere Kabarettisten mitwirken sollen.

Haben Sie schon einmal daran gedacht, eine Stiftung zu gründen?

Barwasser: Nein, an eine Stiftung habe ich noch nicht gedacht. Das ist vielleicht noch ein bisschen früh. Aber wenn man eine Stiftung nicht nur gründet, um Geld steueroptimierend verschwinden zu lassen, ist das sicher auch eine interessante Sache.

Warum haben Sie die Patenschaft für „Zeichen setzen“ übernommen?

Barwasser: Ich kriege ja inzwischen viele solche Anfragen und Bitten, eine Schirmherrschaft oder Patenschaft zu übernehmen. Natürlich kann ich schon aus Zeitgründen nur einen Bruchteil machen, auch weil es sonst beliebig würde. Obwohl natürlich jedes einzelne Projekt förderungswürdig ist, muss ich vieles absagen beziehungsweise eben von Fall zu Fall entscheiden. Die Patenschaft für „Zeichen setzen“ habe ich gerne übernommen, weil es hier um Leute geht, die sich vollkommen freiwillig für andere einsetzen, die einfach was machen und . . .

. . . die Verbundenheit zur Main-Post, spielte die auch eine Rolle? Sie haben ja in den 1980er Jahren bei der Main-Post ein zweijähriges Redaktionsvolontariat absolviert.

Barwasser: Ja, das kam auch dazu, der Kontakt zu Anton Sahlender. Wenn ich weiß, wer hinter einer Sache steckt, hilft das natürlich. Und Sahlender hat mich ja praktisch ausgebildet. Der arme Kerl musste meinen ersten Artikel über die neuen Ehrungsrichtlinien für Sportler im Landkreis Würzburg redigieren, ich war ihm also noch was schuldig . . . Aber ich habe es vor allem gemacht, weil ich es einfach toll finde, wenn Leute sich engagieren. Es geht hier wirklich um ganz normale Menschen, eure Leser, die engagiert sind – das unterstütze ich gern.

Gesellschaftskritik ist ja in Ihren kabarettistischen Auftritten und Sendungen ein wichtiges Thema. Die jüngste Sendung mit Juli Zeh scheint besonders gut angekommen zu sein. Wie ist das Feedback?

Barwasser: Vielen gefällt es gut, dass man bei mir auch mal Leute sieht, die nicht dauernd in allen Talkshows sitzen. Gut, das traf jetzt auf Hans Olaf Henkel nicht zu, aber die Einladung hatte ja eine spezielle Vorgeschichte. Aber ich versuche schon, immer wieder Leute zu holen, die nicht durchs Fernsehen bekannt sind, was vielleicht auf Frau Zeh ja zutrifft.

Kommen vielleicht Frauen einfach besser an?

Barwasser: Ja, klar, aber das ist gar nicht so leicht. Ob das Politiker sind, Wirtschaftsleute, Professoren – Männer sind in der Überzahl. Dabei spricht Pelzig sowieso viel lieber mit Frauen. Bei Männern kann es tendenziell schon mal sein, dass so eine Dominanzrangelei entsteht. Die gibt es mit Frauen nie. Ich lasse ja den Gast liebend gerne dominieren, ich lasse mich auch gerne unterbuttern, wenn es unterhaltsam wird. Frauen sind da gelassener. Es gab aber auch Männer, mit denen es wunderbare geistreiche Gespräche gab, mit Roger Willemsen zum Beispiel.

Gibt es Wunschkandidaten, die Sie noch nicht in Ihrer Sendung hatten?

Barwasser: Ich würde gerne mal mit Wolfgang Schäuble reden. Und dann natürlich mit Topleuten aus der Wirtschaft. Aber die machen sich rar: Wenn die ein falsches Wort sagen, saust am nächsten Tag der Aktienkurs in den Keller.

Ihr studentisches Patenkind in der Sendung „Pelzig hält sich“, ist das auch eine Art ehrenamtliches Engagement, oder nur ein Werbegag?

Barwasser: Nein, das ist kein Werbegag. Das ist mehr ein Experiment und ein Projekt. Die Idee wurde ausgelöst durch dieses Deutschlandstipendium, bei dem Privatleute sich engagieren können, Studenten zu unterstützen, da weiß man allerdings nie, wer gefördert wird. Ich wollte ja wissen, wer Geld bekommt. Es geht auch darum, so ein Leben eine Weile zu begleiten. Es ist mehr ein Zeichen, das man setzt. Man investiert ja tatsächlich in einen Menschen und in die Zukunft.

Wir hatten schon einige namhafte Paten bei der Aktion „Zeichen setzen“, von Barbara Stamm bis Christine Haderthauer. Ist Frank-Markus-Barwasser eine Steigerung?

Barwasser: Wieso sollte es das sein? Die Aktion ist wichtig und ich unterstütze sie.

Was dürfen wir denn für den Zeichen-Setzen-Ehrenabend am 16. Dezember in Würzburg erwarten? Kommt Pelzig oder kommt Barwasser?

Barwasser: Natürlich Pelzig. Mich will ja keiner sehen. Es wird einen kleinen Auftritt geben. Aber fragen Sie mich jetzt bitte nicht, was ich sagen werde. Das entscheide ich kurzfristig.

So bewerben Sie sich:

Vier Förderpreise sind 2011 im Rahmen der Aktion „Zeichen setzen“ ausgeschrieben. Die Mediengruppe Main-Post und das Lernwerk Volkersberg würdigen mit dieser Aktion bürgerschaftliches Engagement. Den ersten Preis, 3000 Euro, stiftet seit 2004 die Fürstlich Castell'sche Bank. Zu gewinnen sind auch Sonderpreise der Main-Post mit 1000 und des Lernwerk Volkersberg mit 500 Euro. Die Bürgerstiftung der VR-Bank Würzburg beteiligt sich zum zweiten Mal an „Zeichen setzen“. Sie hat einen Förderpreis von 1500 Euro ausgeschrieben, speziell für freiwilliges bürgerschaftliches Engagement im Raum Würzburg.

Die Preisübergabe ist bei einem Ehrenabend mit dem Kabarettisten Frank-Markus Barwasser, bekannt als Erwin Pelzig, am 16. Dezember in Würzburg.

Bewerbungen für die Förderpreise und einen Zeitungsbeitrag ab sofort bis spätestens 1. Oktober an:

Main-Post GmbH & Co. KG

Berner Straße 2

97084 Würzburg

Ihre Ansprechpartner:

Ute Schlichting (09 31) 60 01 - 382

Gerlinde Hartel (09 31) 60 01 - 347

Ludwig Sanhüter (09 31) 60 01 - 573

Fax: (09 31) 60 01 - 346

E-Mail: zeichensetzen@mainpost.de

Lernwerk Volkersberg

Volkersberg 1

97769 Bad Brückenau

Ihre Ansprechpartnerin:

Martina Reinwald (0 97 41) 91 32 90

E-Mail: zeichensetzen@volkersberg.de

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