WÜRZBURG

Wege für ein gutes Zusammenleben

Treffpunkt Bussteig 1: Zwei von über 400 Menschen, die in der Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge leben. Auch dank D... Foto: S. Dähn-Siegel

Den Krieg in ihrer Heimat, die Not oder die Lebensgefahr haben sie zunächst einmal hinter sich. Doch auch das Leben in der Fremde ist für die Menschen, die zwangsweise in der Würzburger Gemeinschaftsunterkunft (GU) für Flüchtlinge untergebracht sind, alles andere als einfach. Etliche Organisationen bemühen sich darum, die schlimmen Verhältnisse dort zu verbessern, darunter auch die Mitglieder des Vereins Vivovolo. In der internationalen Sprache Esperanto heißt das „Lebenswille“.

Der um die 60 Mitglieder zählende Verein – davon ist knapp ein Viertel aktiv – besteht erst seit gut vier Jahren. Die Gründer sind jedoch schon lange mit den Problemen der Menschen in der GU vertraut.

„Wir wollen Wege für ein positives Zusammenleben schaffen, Kommunikation zwischen den Bürgern und den GU-Bewohnern herstellen.“

Dörte Volk Diplompädagogin

„Viele von uns waren lange Zeit im Arbeitskreis Asyl der Katholischen Hochschulgemeinde (KHG) aktiv“, berichtet Dörte Volk. Als Grund für die Ausgliederung nennt die 32-jährige Diplompädagogin, dass viele ehemalige Asyl-AKler auch nach ihrer Studienzeit den Menschen helfen wollten, die gezwungenermaßen ihre Heimat verlassen haben und sich nun in schwierigen Lebenslagen befinden.

„Nur wollen wir das entsprechend unseren veränderten Lebensumständen und Vorstellungen. Und dazu gehört, dass jeder die Möglichkeit haben soll, innerhalb des rechtlichen Rahmens unseres Vereins eigenständig Ideen zu entwickeln, zu finanzieren und durchzuführen.“

Aus so verschiedenen Berufszweigen wie die Mitglieder kommen – Wirtschaft, Recht, Medizin, Pädagogik –, aus so verschiedenen Quellen bestreitet der politisch neutrale und konfessionsungebundene Verein auch seine Ausgaben für laufende Projekte, Honorarkräfte und Einzelfallhilfen.

Um ehrenamtliche Arbeit voranzutreiben und Projekte am Laufen zu halten, brauche es Menschen, die sehr viel mehr Zeit darin investieren als ehrenamtlich möglich sei, so Volk. Daher trete der Verein auch als Arbeitgeber auf und beschäftige immer wieder Honorarkräfte, die laut Satzung für ihre Arbeit adäquat bezahlt werden sollen, so Volk.

Mitgliedsbeiträge, (zweckfreie) Spenden und Fördergelder – auch aus Quellen, die „mit kirchlichem Engagement nichts am Hut haben“ –, daraus finanziert der Verein seine aktuellen Vorhaben und Einzelfallhilfen.

Letztere sind etwas Besonderes, da keine andere Organisation in der GU Würzburg Einzelfallhilfen leistet. „Neben vielen Projekten, die meist Frauen und Kindern zugutekommen und für die wir Geld bei anderen Organisationen beantragen, unterstützen wir Familien, einzelne Frauen und Männer auch mal individuell, ganz unbürokratisch, schnell.“

Die Palette der Zuschusszahlungen reicht vom Stuhl, einem (gebrauchten) Fahrrad(-schloss) über medizinische Hilfe, Essen für Allergiker bis hin zum Dolmetscher, der einen traumatisierten Menschen zur Therapie begleitet oder bei Behördengängen und Arztbesuchen zur Seite steht und bis zum Familiennachzug bei anerkannten Flüchtlingen.

Der Verein finanziert Fahrten zu besonderen Veranstaltungen beziehungsweise die Teilnahme an ihnen mit. Religiöse Feste, schulische oder kulturelle Aktivitäten fänden nun mal oft außerhalb der GU statt.

Selbst wenn das staatliche Taschengeld – monatlich 40 Euro je Erwachsenem, 20 Euro je Kind – nicht wegen „Nichtmitarbeit im Asylverfahren“ einbehalten wurde, reicht es oft nicht mal ansatzweise.

Neben den Einzelfallhilfen realisiert der Verein regelmäßige Projekte, innerhalb und außerhalb der GU. Mobiles Kulturcafé, Cafétreff für Jugendliche, Basketball, die heiß begehrten Schwimmbadbesuche und Schwimmkurse für Frauen und Kinder zählen dazu.

Auch diese Aktivitäten seien ganz wichtig, sagt Dörte Volk mit Blick auf das Vereinsziel: „Wir wollen Wege für ein positives Zusammenleben schaffen, Kommunikation zwischen den Bürgern und den GU-Bewohnern herstellen.“ Dass der Verein Vivovolo dabei „nicht über, sondern mit den Menschen redet“, macht die Arbeit des Vereins besonders sympathisch.

Rückblick

  1. Die helfenden Hände aus Mittelsinn
  2. Aus Liebe zum Leben: Ehrenamtliche begleiten gehörlose Sterbende
  3. Damit die Angst nicht siegt
  4. Wo man sich aussprechen kann
  5. Das Motto: Kümmern ums Landjugendhaus
  6. Zwei Frauen werden Freundinnen
  7. Ehrenamtliche stemmen ein ganzes Festival
  8. Gospelchor: Mehr als mitreißende Rhythmen
  9. Unterm Strich: Frittierte Sonnenstrahlen
  10. Aktion Zeichen setzen: Helfen, weil es Freu(n)de macht
  11. Aktion Zeichen setzen würdigt Ehrenamt
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  13. Wozu wir den Wald brauchen
  14. Kreativwerkstatt für Selbermacher
  15. Ratgeber mit Erfahrung
  16. Waldbad Lengfurt: Ehrenamtlich zu Freibad-Experten werden
  17. Drei Seniorinnen kochen für alle
  18. Der Kampf gegen eine tückische Krankheit
  19. Ein Betrieb mit 150 freiwilligen Mitarbeitern
  20. Die Begeisterung verbindet
  21. Wildromantisches Paradies im Stadtgebiet
  22. Jeder geht seinen eigenen Jakobsweg
  23. Garten der Kulturen und der Begegnung
  24. Die „Lesehörnchen“ kommen ans Krankenbett
  25. Damit die fränkische Mundart bewahrt wird
  26. „Projekt Würzburg“: Spenden sammeln für soziale Aufgaben
  27. Preisträger der Aktion Zeichen setzen geehrt
  28. Aktion Zeichen setzen: Die Freude der Preisträger
  29. Zeichen setzen: Die Welt ein wenig besser gemacht
  30. „So geht Deutschland“
  31. Unzufrieden mit Kitas: Verein gründet "Haus für Kinder"
  32. Flucht: Werbung für Integration auf dem Land
  33. Im Schweinfurter Repair Café werden Dinge repariert statt weggeworfen
  34. Helfen als Selbstverständlichkeit
  35. Bewegung ganz nach Herzenslust
  36. Die Verlockungen der Lok
  37. Das Helfer-Potenzial wachrufen
  38. Dorfleben im Dorfladen
  39. Am Keyboard ein echter Musikprofessor
  40. Kulturtafel: Nahrung für die Seele
  41. Zeichen setzen! Kriterien zur Bewerbung
  42. Die große Freude über einen Besuch
  43. Ein Film für die Initiative Lighthouse
  44. Musik machen und Gutes tun
  45. Mit Leib und Seele Kirchenführer
  46. Gemeinsam Gutes tun macht Spaß
  47. „Sie alle sind stille Helden“
  48. Aktion Zeichen setzen: Preise für 2015 vergeben
  49. Der Seniorenrat redet kräftig mit
  50. Kampfkunst-Team engagiert sich für Gewaltprävention

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