HASSFURT

26-Jährige fälscht Kaufvertrag eines geklauten Fahrrads

Weil sie für ein gestohlenes Fahrrad einen Kaufvertrag erstellte, um das Diebesgut reinzuwaschen, hat das Amtsgericht am Mittwoch eine 26-Jährige aus dem Maintal wegen Urkundenfälschung zu einer dreimonatigen Freiheitsstrafe verurteilt. Die Angeklagte war in diesem Anklagepunkt voll geständig. Doch es könnte für die sechsfach Vorbestrafte noch weit schlimmer kommen.

Denn in einem anderen Anklagepunkt, in dem jedoch erst noch ermittelt werden muss, erhebt die Staatsanwaltschaft weit schwerere Vorwürfe. Demnach hat die 26-Jährige im April 2018 mit den Daten eines Handys, das einem 19-Jährigen in einer Diskothek in Knetzgau gestohlen worden war, über das E-Mail-Konto des Bestohlenen Waren im Internet für über 900 Euro bestellt und an eine Packstation der Post liefern lassen. Um die für das Öffnen der Packstation benötigte Mobil-Tan-Nummer zu erhalten, gab sie ihre eigene Mobilfunknummer an.

Angeklagte leugnet den Vorwurf

Auf der Anklagebank ließ die Angeklagte über ihren Verteidiger Stefan Wagner wissen, dass sie nie das gestohlene Handy an sich genommen habe. Darüber hinaus sei es ihr unerklärlich, wie ihre eigene Handynummer ins Spiel kam. Sie habe während ihrer Arbeitszeit Handyverbot, sodass sie die Bestellungen nicht ausgeführt haben könne. Es handle sich um „ungünstige Zufälle“. Sie selbst kenne den Bestohlenen nicht und habe mit der Sache nichts zu tun, gab der Anwalt zu Protokoll.

Der 19-jährige Bestohlene sagte vor Gericht, dass er nach dem Diebstahl seines Handys Rechnungen eines Internet-Lieferanten erhalten habe. Da er die Ware nicht bestellt hatte, habe er Anzeige erstattet und nichts bezahlt. Der ermittelnde Polizeibeamte sagte im Zeugenstand, dass neun Bestellungen über das E-Mail-Konto des Bestohlenen getätigt wurden. Der konnte darauf nicht mehr zugreifen, da das Passwort geändert worden war.

Bei einer Hausdurchsuchung im Dezember 2018 im Elternhaus der Angeklagten fanden die Ermittler zwei Armreife, die aus der unberechtigten Bestellung stammten. Die Handynummern seien kurz vor der Versendung der Mobil-Tan-Nummer mehrfach geändert worden, was bei derartigen Betrügereien häufig vorkomme. Der Verteidiger warf ein, dass die Angeklagte sich damals im Drogenmilieu befunden habe und von dort die bei der Hausdurchsuchung gefundene Ware erhalten haben könne.

Erklärungen nicht glaubwürdig

Eine Unbekannte ist die Angeklagte bei Gericht nicht. Sechs Einträge stehen in ihrer Vorstrafenkartei, darunter gefährliche Körperverletzung, Verkehrsdelikte, Diebstahl und ein Drogendelikt. Die Staatsanwältin sah die Angeklagte in allen Anklagepunkten überführt. Dass sie die beiden Armreife von anderen habe, sei eine Schutzbehauptung. Es sei zudem unwahrscheinlich, dass ein unbekannter Dritter die Handynummer der Angeklagten benutzt habe.

Aufgrund des üppigen Vorstrafenregisters und der Tatsache, dass die Angeklagte zum Tatzeitpunkt unter offener Bewährung stand, forderte die Anklagevertreterin eine Freiheitsstrafe von 14 Monaten sowie 826 Euro als „Wertersatz“ für die nicht bezahlte Ware. Der Verteidiger sah ein „Zusammenspiel ungünstiger Zufälle“. Die Tat sei nicht nachzuweisen, weshalb sie freizusprechen sei. Für die eingeräumte Urkundenfälschung erachtete er eine Geldstrafe in Höhe von 70 Tagessätzen für angemessen.

Die Richterin trennte das Verfahren der Internet-Bestellungen ab, um Nachermittlungen einzuleiten. Für die Urkundenfälschung verhängte sie die Freiheitsstrafe ohne Bewährung unter anderem auch deswegen, weil die Angeklagte ihre Taten „nicht richtig ernst nehmen“ würde und mit „krimineller Energie“ ans Werk gegangen sei. (MSCH)

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