Haßfurt

94-Jähriger schlägt Polizistin: Gericht in Haßfurt stellt Verfahren ein

Als die Polizei an der Wohnungstür eines 94-Jährigen klingelt, um dessen Führerschein einzuziehen, eskaliert die Situation. Für den Senior hat die Rangelei ein Nachspiel.
Symbolfoto: Das Amtsgericht in Haßfurt stellte jetzt gegen Geldauflage das Verfahren gegen einen heute 95-jährigen Mann ein, der im Septmeber 2019 eine Polizistin verletzt hatte.
Foto: Jochen Reitwiesner | Symbolfoto: Das Amtsgericht in Haßfurt stellte jetzt gegen Geldauflage das Verfahren gegen einen heute 95-jährigen Mann ein, der im Septmeber 2019 eine Polizistin verletzt hatte.

Den Sonntagabend des 22. September 2019 wird ein damals 94-jähriger Rentner aus dem Maintal wohl für immer in übler Erinnerung behalten. Gegen 20 Uhr standen zwei Polizeibeamte vor seiner Wohnungstür und forderten den betagten Senior auf, seinen Führerschein herauszugeben. Der Grund dafür, warum die Polizeibeamten die Fahrerlaubnis einziehen sollten, kam vor Gericht nicht zur Sprache und ließ sich auch für unseren Reporter nicht in Erfahrung bringen.

Auch der Senior erwiderte dem ungebetenen Besuch an jenem Abend, er wisse von nichts. Er rief seinen Anwalt an, erreichte diesen jedoch nicht. Die Situation eskalierte, als die Beamten eine Wohnungsdurchsuchung ankündigten. Der rüstige Rentner wurde aufbrausend und schlug einer Beamtin erst auf die Wange und verletzte sie mit einem weiteren Schlag am Auge. Außerdem erlitt die Polizistin bei einem Handgemenge mit dem Rentner einen Kratzer am Unterarm. Schließlich gelang es den beiden Ordnungshütern, den renitenten Rentner zu fixieren und seinen Führerschein sicherzustellen.

Einspruch gegen Stafbehehl

Der Abend hatte für den 95-Jährigen ein Nachspiel. Er erhielt einen Strafbefehl wegen tätlichen Angriffs auf Vollzugsbeamte, gegen den er Einspruch einlegte. Daher musste er sich am Donnerstag am Amtsgericht verantworten, wo er von Rechtsanwalt Tilman Fischer unterstützt wurde. Der Angeklagte gab an, er sei an jenem Sonntagabend zusammen mit seiner Lebensgefährtin von einem Kuraufenthalt in Bad Füssing zurückgekehrt, wo er sich zwei Wochen lang aufgehalten hatte. Die Reise hatte er am 8. September 2019 angetreten.

Das Behördenschreiben, in dem er aufgefordert wurde, seinen Führerschein abzugeben, sei einen Tag später, am 9. September, eingegangen. Daher habe er von nichts gewusst, als er "von drei oder vier Polizisten überfallen worden" sei, gab er zu Protokoll. Als die Beamten ankündigten, die Wohnung auf den Kopf zu stellen, habe seine Lebensgefährtin die Polizisten aufgefordert, die Wohnung zu verlassen, was die jedoch nicht taten. Der Dialog mit den Beamten sei immer lauter geworden. Er sei geschwächt gewesen, habe auf dem Balkon Luft geholt und schließlich aus Wut den Geldbeutel an die Wand geworfen. Anschließend habe ein Beamter den Führerschein aus seinem Geldbeutel genommen und sichergestellt.

Einstellung gegen Geldauflage

Die Vorsitzende kritisierte das Verhalten des Angeklagten, der sich "wie ein Rumpelstilzchen benommen" habe. Gleichzeitig bot sie ihm an, das Verfahren gegen eine Geldauflage einzustellen. Damit war der Rentner einverstanden. Er habe einen Schlaganfall gehabt und wolle mit dem Thema abschließen. "Ich kann keine Nacht mehr schlafen", ließ er das Gericht wissen. Einen Zivilprozess musste er wegen des Vorfalls bereits durchstehen und an die geschädigte Polizeibeamtin 500 Euro Schmerzensgeld zahlen. Nun muss er weitere 750 Euro als Geldauflage an die Stiftung der Polizeigewerkschaft berappen. "Das ist für mich eine Ehrensache. Ich danke Ihnen", schloss der Angeklagte sichtlich erleichtert.

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