HAßFURT

Abgebrannt

Warum wir das Feuerwerk abschaffen sollten       -  _

Verheerendes Feuer wütet in Schloss Ebelsbach“ titelte das „Haßfurter Tagblatt“. In den frühen Morgenstunden des 10. September 2009 fiel das historische Wasserschloss einer Feuersbrunst zum Opfer. Das alte Gemäuer aus dem 14. Jahrhundert wurde nahezu vollkommen zerstört.

Das war vor mittlerweile über acht Jahren. Ein Zeitraum, in der nahezu ebenso viele neue Smartphone-Generationen auf den Markt kommen. In beinahe einem Jahrzehnt kann viel passieren in der Welt. Ganze Nationen werden aus ihrer Heimat vertrieben und über das Erdenrund verteilt, neue Welten entdeckt, das Klima gerät außer Rand und Band. Vieles ist möglich in dieser Zeit. Nur im Ebelsbacher Schloss, pardon in der Ruine, scheint die Zeit stehengeblieben. In schöner Regelmäßigkeit taucht das Thema in den jeweiligen Gremien auf, wird durchgekaut, sich drüber lustig gemacht, Ideen entwickelt – und wieder alles vergessen, bis es eines Tages wieder losgeht.

Das kann's aber doch nicht sein? Große Hoffnungen wurden genährt, als im Jahre 2015 das Amtsgericht Köln den Würzburger Rechtsanwalt David Herzog als Nachtragsliquidator bestimmte. Der gab sich optimistisch, das Schloss – bzw. was davon noch übrig ist – bis zum Frühjahr 2016 an den Mann zu bringen. Das ist nun auch wieder zwei Jahre her und nichts ist bislang passiert. In der Bürgerversammlung in Ebelsbach in dieser Woche kam etatmäßig die Frage zum Stand der Verhandlungen und Bürgermeister Ziegler gab tatsächlich zum Besten: „Rechtsanwalt Herzog ist damit beauftragt, einen neuen Eigentümer zu finden.“ Man ist als Journalist beinahe versucht, schon den Text für die Bürgerversammlung 2022 vorzuschreiben. An der Aussage dürfte sich kaum etwas ändern.

Wer soll das Gemäuer auch kaufen? Der potenzielle Käufer müsste mehrere Hunderttausend Euro aufbringen, um alleine die Verbindlichkeiten zu begleichen. Denn mehrere Gläubiger warten seit Jahren auf ihr Geld, auch die Notsicherungen, die von Landkreis und Gemeinde getroffen wurden, um einen noch weiteren Verfall des Schlosses zu verhindern, wollen bezahlt sein. Und jetzt kommt's: Mindestens weitere zwölf Milliönchen müsste der Käufer mitbringen, um das Schloss sanieren zu können. Ebenso müsste der Interessent ein schlüssiges und nachhaltiges Nutzungskonzept sowie einen Businessplan für fünf Jahre präsentieren. Da wundert es nicht, dass der Anwalt bis heute noch kein Opfer gefunden hat.

Die letzten Besitzer – das Unternehmen „Rent Invest“ um den damaligen Geschäftsführer Dominique Arens – hatten das Schloss samt Nebengebäude von der Familie von Rotenhan für zwei Millionen Euro gekauft. Später ging das Anwesen in den Eigentum der „Schloss Ebelsbach Verwaltungs GmbH“ über, deren Geschäftsführer ebenfalls Arens war. Die Ziele, die von den Besitzern mit dem Erwerb des Schlosses verfolgt wurden, ein Eventhotel oder dergleichen, wurden niemals in Angriff genommen. Stattdessen brannte die Immobilie ab. Allerdings weigerte sich die Brandversicherung, die Versicherungssumme von 3,5 Millionen Euro auszuzahlen, da die Brandursache nicht geklärt und eine Brandstiftung von den Ermittlern nicht ausgeschlossen werden konnte. Auf solche Investoren wird Ebelsbach künftig gerne verzichten, was die Suche aber nicht einfacher macht...

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