KREIS HAßBERGE

Abschaffung der Sommerzeit: Was bringt uns das?

Eine Stunde Unterschied: Auf dieser Sonnenuhr in Rottenstein ist die Winterzeit in römischen, die Sommerzeit in arabischen Zahlen angegeben. Doch bald könnte die Zeitumstellung Geschichte sein. Foto: Gudrun Klopf

Die meisten Menschen in Europa haben sich längst daran gewöhnt, dass einmal im Jahr der Tag kommt, an dem wir eine Stunde früher aufstehen müssen, ein halbes Jahr später dann der Termin, an dem wir die „gestohlene“ Stunde zurückbekommen. Das könnte sich bald ändern, denn die Europäische Union denkt darüber nach, die Trennung in Sommer- und Winterzeit aufzuheben. Was würde sich dadurch für die Menschen im Landkreis Haßberge ändern?

„Der Effekt ist nicht da“

„Von der Energieseite her ist es keine große Veränderung“, sagt Norbert Zösch, Leiter des Stadtwerks Haßfurt. Denn: „Die Zeit die es dunkel ist, ist gleich.“ Mit anderen Worten: Wenn es dank der Sommerzeit eine Stunde später dunkel wird, führt dies zwar am Abend zu Energieeinsparungen bei der Beleuchtung. Umso früher müssen die Menschen allerdings auch morgens die Lichter wieder einschalten. Zwar berichtet der Stadtwerk-Chef, dass sich durch die unterschiedliche Zeitrechnung zu verschiedenen Jahreszeiten die Spitzen im Stromverbrauch verschieben. Der Gesamtverbrauch über den Tag verteilt bleibe dabei jedoch annähernd gleich. „Der Effekt, den man sich gewünscht hat, ist so nicht da“, lautet Zöschs Fazit.

Denn die Einführung der Sommerzeit sollte vor allem Energieeinsparungen zur Folge haben. Denn mit der astronomischen Bedeutung der Urzeit hat die Zeitumstellung nichts zu tun, wie Christian Grämer erklärt. Der Lehrer für Mathematik und Physik ist am Regiomontanus-Gymnasium Haßfurt auch für die Sternwarte auf dem Dach des Schulzentrums zuständig.

Denn eigentlich richtet sich die Uhrzeit nach dem Sonnenstand. 12 Uhr mittags ist dann, wenn die Sonne am höchsten über dem Horizont steht. Von einem Sonnenhöchststand bis zum nächsten dauert es immer eine gesamte Erdumdrehung, also fast genau 24 Stunden. Die Winterzeit ist demnach die astronomisch korrekte Zeit, während es im Sommer bereits 13 Uhr ist, wenn die Sonne am höchsten steht. „In der Astronomie ist das eher umständlich, wir müssen anders umrechnen“, sagt Christian Grämer.

Es kommt auf den Standort an

Denn für Astronomen auf der ganzen Welt gilt die „koordinierte Weltzeit“ (UTC, nach dem englischen „Universal Time Coordinated“). Da je nachdem, wo man sich auf der Erde befindet, die Sonne also zu unterschiedlichen Zeiten aufgeht, ist die Welt in verschiedene Zeitzonen aufgeteilt. Als einheitliche Weltzeit wurde im Jahr 1972 die Uhrzeit eingeführt, die nach dem Sonnenstand gerade in London herrscht. Im Winter weicht die Zeit in Deutschland daher nur um eine Stunde von der Weltzeit ab, im Sommer dagegen um zwei. „Das macht es jetzt nicht sehr umständlich“, sagt der Physiklehrer, aber man müsse eben in der Astronomie daran denken.

Medizinisch unbedenklich

So nervig die Zeitumstellung von vielen Menschen empfunden wird: Ernsthafte medizinische Konsequenzen hat sie nach Ansicht von Ärzten nicht. Zwar sei es unangenehm, sich nach der Uhrumstellung auf einen neuen Rhythmus einstellen zu müssen, „aber das ist eine reine Wohlfühlfrage“, sagt Dr. Jürgen Reimann vom Gesundheitsamt Haßberge. „Großartige gesundheitliche Konsequenzen dürfte es nicht haben“, meint der Mediziner. Die einzige Gruppe, für die die Zeitumstellung möglicherweise eine medizinische Herausforderung darstellt, könnten seiner Ansicht nach Menschen mit Erkrankungen sein, die es nötig machen, exakt zu bestimmten Uhrzeiten Medikamente einzunehmen – wie beispielsweise Diabetiker, die genau beachten müssen, wann sie sich ihr Insulin spritzen.

Hildegard Hückmann, Leiterin des AWO-Seniorenheims in Zeil, sieht auch für ältere Menschen keine besondere Belastung durch die Umstellung der Uhrzeit. Zwar bräuchten auch die Senioren, wie jeder jüngere Mensch auch, ein paar Tage Zeit, um nach der Uhrenumstellung wieder in einen normalen Rhythmus zurückzufinden. „Aber ältere Menschen haben auch kein so intensives Schlafverhalten“, erklärt sie.

Mehr Licht im Sommer

„Ich sehe es nicht dramatisch“, lautet Jürgen Reimanns Fazit zur Zeitumstellung. Der Arzt sagt im Gespräch mit dieser Redaktion aber auch seine persönliche Meinung: „Sie sollten lieber die Winterzeit abschaffen.“ Er selbst finde es schön, wenn es im Sommer länger hell bleibt.

Und wie sieht es mit dem Einfluss der Zeitumstellung auf den Biorhythmus von Tieren aus? Immerhin wird ja auch ein Haustier eine Stunde früher aus dem Schlaf gerissen, wenn Herrchen und Frauchen früher aufstehen müssen. „Ich habe noch keinen Unterschied gemerkt“, meint Dr. Alfred Kramer. „Auch nicht bei meinem eigenen Hund“, fügt der Tierarzt aus seiner eigenen Erfahrung als Haustierhalter hinzu. Auch hier erscheinen die Folgen also höchstens ein bisschen lästig, aber nicht wie ein großes Problem.

Tiere passen sich an

Ähnlich klingt auch die Aussage von Karin Kraus von der Tierschutzinitiative Haßberge. Das neue Tierheim in Zell bestehe noch nicht lange genug, um etwas über die Reaktion der Fundtiere auf die Zeitumstellung auszusagen. Doch bei ihren eigenen Haustieren habe sie noch keine Probleme beobachtet. „Haustiere passen sich ja auch den Menschen an“, sagt sie. Wie Jürgen Reimann fände es auch Karin Kraus schade, wenn die Sommerzeit abgeschafft wird. „Die Stunde würde einfach fehlen“, meint sie über die Zeit, in der es im Sommer abends länger hell ist.

Auch der Goßmannsdorfer Landwirt Hans Dünninger sieht es positiv, wenn die Sonne am Abend länger scheint. „Man muss arbeiten, egal, ob es hell oder dunkel ist“, sagt der Biobauer über das, was auf seinem Hof anfällt. „Aber es ist angenehmer, wenn es hell ist.“ Ihm ist es lieber, abends eine Stunde länger arbeiten zu können, als wenn es in den Morgenstunden früher hell werden würde. „Abends macht es weniger aus“, sagt er, unter anderem auch bezogen auf den Lärm, der durch gewisse Arbeiten entsteht.

Wie auch Karin Kraus von der Tierschutzinitiative und Tierarzt Alfred Kramer hat Hans Dünninger bei seinen Tieren bisher keine negativen Reaktionen auf die Zeitumstellung bemerkt. „Ich kann mir nur vorstellen, dass es vielleicht in Milchviehbetrieben ein bisschen anders ist“, meint er, denn dort gibt es einen strengen Takt, was die Melkzeiten angeht. Insgesamt findet auch er die Zeitumstellung unproblematisch. „Auch wenn ich mich in meinem Bekanntenkreis mit den Leuten unterhalte, hat kaum jemand Probleme“, meint Hans Dünninger.

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