KREIS HAßBERGE

AfD-Kandidat Patrick Geßner: Verfechter von mehr Sicherheit

Patrick Geßner aus dem Maßbacher Ortsteil Volkershausen ist der Direktkandidat der AfD im Stimmkreis Haßberge/Rhön-Grabfeld. Foto: Michael Mößlein

„Wir verändern es“ – dieser Slogan der Alternative für Deutschland (AfD) hat bei Patrick Geßner gefruchtet, als er vor drei Jahren, Anfang 30, eine Partei suchte, für die er sich einsetzen mochte. Heute ist er Vorsitzender des AfD-Kreisverbands Unterfranken Nord, der die Landkreise Haßberge, Rhön-Grabfeld und Bad Kissingen umfasst, und kandidiert bei der Landtagswahl als Direktkandidat der rechtsgerichteten Partei im Stimmkreis 604.

Er sieht sich im Sinne seiner Partei als Praktiker-Kandidat, der weiß, „wie es draußen abläuft“ – im Gegensatz zu Politkarrieristen anderer Parteien, die sich Mandate über Ämter und Posten innerhalb ihrer Partei verschaffen würden. Sollte Geßner, der auch auf Platz sieben der Unterfranken-Liste der AfD steht, in den Landtag gewählt, würde er das Ziel seiner Partei unterstützen, die Zahl der Landtagsmandate zu verringern. Zu der von der AfD geforderten Reduzierung der Abgeordneten-Bezüge sagt er: „Das würde ich erst mal lassen.“ Doch ist er gegen eine stetige Erhöhung der Abgeordnetenbezüge.

Polizisten sollen „handeln dürfen“

Ganz auf Parteilinie ist Geßner beim Thema „Sicherheit“: Er fordert einen besseren Grenzschutz sowie mehr Polizisten, „wegen der Zuwanderung“ und der angeblich gestiegenen Kriminalitätsrate. Die Wahlkampfforderung der AfD, dass Polizisten gegen Menschen allein wegen deren Religion oder Herkunft „handeln dürfen“, hält Geßner für richtig – soweit Verdachtsmomente vorlägen.

AfD-konform lehnt er eine Verschärfung des Waffenrechts ab und betont das Recht auf Selbstschutz, auch mithilfe eines erleichterten Zugangs zu Waffen; eine Waffe zu besitzen, ist für ihn „Teil der Freiheit“, auch wenn nicht jeder eine geladene Waffe im Auto habe dürfe, „höchstens daheim“.

Geßner: „Zu viel Zweiter Weltkrieg im Geschichtsunterricht“

Bildungspolitik ist Ländersache. Deshalb möchte Geßner gerne, dass Schüler im Geschichtsunterricht nicht mehr „zu viel“ über die Zeit des Zweiten Weltkriegs lernen, andere Epoche deutscher Geschichte seien „nicht weniger wert“.

Dass eher bundespolitische Themen, etwa Zuwanderung und innere Sicherheit, den AfD-Landtagswahlkampf prägen, stimmt mit dem überein, was er immer wieder höre, meint Geßner. Seit der Bundestagswahl sei die AfD im Volk „deutlich besser akzeptiert“, Menschen gingen offener auf deren Vertreter zu. Hauptgegner der AfD in Bayern sei die CSU, die als Teil der Regierung Bundespolitik zu verantworten habe – für ihn noch ein Grund, im Landtagswahlkampf Bundespolitik aufzugreifen, zumal Horst Seehofers Wankelmut und die „weiche Gangart der CSU gegenüber der CDU“ Wähler verdrieße.

Für Atomkraft, gegen Windkraft

Zu Themen von regionaler Bedeutung positioniert sich der AfD-Kandidat auf Nachfrage: Er befürwortet Gemeinschaftspraxen und Ärztehäuser in ländlichen Gegenden. Windkraftanlagen und Photovoltaik hält er für „die nicht optimalste Lösung“, zumal er sich der AfD-Lesart anschließt, wonach die Einsparung von Kohlendioxid als Maßnahme zum Klimaschutz „wissenschaftlich nicht wirklich“ bewiesen sei. Das Kernkraftwerk Grafenrheinfeld würde er wieder in Betrieb nehmen, sollte dies zur sicheren Stromversorgung nötig sein.

Am umstrittenen Höcke-Zitat hat er nichts auszusetzen

Einem Flügel seiner Partei lässt er sich nach eigenen Angaben nicht zuordnen. Den Kreisverband Unterfranken Nord, dem er vorsitzt, möchte er für alle Strömungen innerhalb der AfD offenhalten – von gemäßigt bis zum rechten Rand, den in der AfD etwa der thüringische Landeschef Björn Höcke vertritt. Dessen umstrittene Aussage zum Holocaust-Denkmal in Berlin („Denkmal der Schande“) würde Geßner unterschreiben; das Zitat hätten politische Gegner und Medien absichtlich falsch verwendet. Eine Grenze zieht der Kandidat: Sogenannte Reichsbürger und Anhänger der rechtsextremen Identitären Bewegung hätten in der AfD, die sich laut ihm zu Demokratie und Rechtsstaat bekenne, nichts verloren.

Steckbrief

Name: Patrick Geßner

Alter: 34

Wohnort: Maßbach-Volkershausen

In der Partei engagiert seit: 2015

Ausbildung/beruflicher Werdegang: BWL-Studium (FH, B.A.), Ausbildung zum Bürokaufmann; aktuell Buchhalter in einem mittelständischen Unternehmen in Bad Kissingen

Familienstand/Kinder: ledig, keine Kinder

Soziale Medien: privates Profil bei Facebook

Ehrenämter: keine

Hobbys/Interessen: Musik (spielt E-Bass), Science-Fiction (Filme, Bücher)

Schwerpunkte der politischen Arbeit: Er möchte Bürokratie abbauen, vor allem für kleine und mittelständische Unternehmen. Zudem plädiert er für die Abschaffung der Rundfunkgebühren. Er wendet sich gegen die Schaffung eines Nationalparks in der Rhön.

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