AIDHAUSEN

Aidhausen: Eine uralte Rechnung ist der einzige Hinweis

Helfen und den Schaden gering halten: Das ist auch nach 150 Jahren noch das erklärte Ziel der Feuerwehrleute der Freiwilligen Feuerwehr Aidhausen. Foto: Timo Schlund

Wann genau der Jubilar geboren ist, das lässt sich nicht mehr ausmachen. Dass es aber mindestens 150 Jahre her ist, das ist sicher.

„Leider gibt es keine Chronik oder sonstigen Aufzeichnungen über die Feuerwehr Aidhausen“, bedauert Ehrenkommandant Werner Müller. Gemeinsam mit Christine Fuhl vom ortsgeschichtlichen Arbeitskreis hat er das Gemeindearchiv durchforstet. Die Ausbeute: Eine Notiz über die Anschaffung einer Feuerwehrspritze aus dem Jahr 1869.

Vermutlich gab es die Aidhäuser Feuerwehr schon vorher. Aber da dieser Fund der älteste Beleg für das Bestehen der Feuerwehr sei, nehme man das Jahr 1869 als Gründungsjahr, erklärt Kommandant Hans-Jürgen Geiling. Damit feiert die Freiwillige Feuerwehr Aidhausen in diesem Jahr ihren 150. Geburtstag. Zum stolzen Jubiläum ist die Bevölkerung von Freitag, 9. August, bis Sonntag, 11. August, zum Mitfeiern eingeladen.

„Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr“ - unter diesem Leitspruch engagieren sich in Aidhausen derzeit 53 aktive Feuerwehrleute, darunter zwei Frauen. „Wenn man für den Nächsten nichts übrig hat, übt man dieses Ehrenamt nicht aus“, ist Müller überzeugt. Er selbst kommandierte die Wehr von 1982 bis 2001 und stand während dieser Zeit dem 1978 gegründeten Feuerwehrverein als Vorsitzender vor.

In den Fußstapfen des Vaters

Seine Leidenschaft für die Feuerwehr wurde dem 61-Jährigen in die Wiege gelegt. „Mein Vater war schon in Sulzdorf Kommandant und ich konnte es kaum erwarten, endlich auch dazuzugehören.“

Das Engagement bei der Feuerwehr ist sehr zeitaufwendig. Da kommen etliche Abendstunden und Wochenenden zusammen, an denen die Familie auf ihn verzichten musste. Zum Glück teilen Frau und Kinder seine Begeisterung. „Meine Frau machte selbst mit. Sie war sogar Atemschutzträgerin und Gruppenführerin.“ Und natürlich sind auch seine beiden Söhne dabei.

Stellvertreter als Nachfolger

Die Verantwortung als Kommandant sei immens. Da entlastet es enorm, wenn man einen verlässlichen Stellvertreter an der Seite hat, wie Müller ihn mit Hans-Jürgen Geiling hatte. Der trat dann 2001 auch dessen Nachfolge als Kommandant und Vorsitzender an.

Natürlich ist Müller weiterhin als Feuerwehrmann aktiv. Für ihn gilt: Einmal Feuerwehrmann, immer Feuerwehrmann. „Das kann man nicht einfach aufhören.“ In vier Jahren ist trotzdem Schluss. Dann hat Müller die Altersgrenze von 65 Jahren erreicht.

Auch Geiling war „erblich vorbelastet“. Sein Vater Oskar Geiling war in den 50-er Jahren ein Amtsvorgänger. „Man muss einfach Idealist sein“, beschreibt Geiling, was ihn antreibt. „Das Tun für die Allgemeinheit steht für uns im Vordergrund.“

Das ganze funktioniere allerdings nur im Team, betont der Kommandant. Die Trennung der bis 2011 auf eine Person vereinten Posten des Kommandanten und des Vorsitzenden des Feuerwehrvereins brachte Entlastung. Dessen Vorsitzender ist nun Sebastian Göller. Im Verein werden das Maibaum-Aufstellen oder der Tag der offenen Tür sowie alle weiteren öffentlichen Veranstaltungen organisiert.

Auch bei der Brandschutzerziehung in Kindergärten und Schulen ist die Feuerwehr aktiv – jüngst sogar bei den Senioren. „Ich war überrascht, wie viele Fragen die sich ausgedacht hatten“, berichtet Müller. Auf Wunsch plant er gerade eine praktische Einweisung im Umgang mit Feuerlöschern.

Die Feuerwehrler freuen sich über das Interesse und sind sich einig: „Das Ansehen unserer Wehr im Ort ist hoch.“ Der Stellenwert der Feuerwehr habe sich im Vergleich zu früher gesteigert. Bürgermeister Dieter Möhring habe stets ein offenes Ohr und die Gemeinde unterstütze die Wehr nach besten Kräften.

Die Gemeinde kann helfen

Gefragt ist die Gemeinde derzeit beim Bau des neuen Gerätehauses. Das 1993 eingeweihte Gerätehaus wird den Anforderungen nicht mehr gerecht. Zu wenig Platz für Fahrzeuge und Geräte, qualvolle Enge bei Lehrgängen, weder getrennte Umkleidemöglichkeiten noch Toiletten für Männer und Frauen, zu kleine Freifläche und fehlende Abgasabsaugung – die Liste der Missstände ist lang. Klar, dass die Feuerwehrler auf baldige Abhilfe hoffen.

Zu etwa 25 Einsätzen werden die Aidhäuser Feuerwehrler im Jahr gerufen, so Geilings Bilanz. Stark zugenommen haben Einsätze mit technischer Hilfeleistung, bei denen Rettungsschere und Spreizer zum Einsatz kommen. Neben Großbränden landwirtschaftlicher Anwesen und Wohngebäude sind den beiden langgedienten Kommandanten Geiling und Müller vor allem die enormen Schäden nach dem schweren Unwetter 2015 in Erinnerung. „Wir hatten über 40 Einsatzstellen abzuarbeiten. Das gab es vorher noch nie.“

Premiere nach fast 150 Jahren

Mit dem 2017 angeschafften Ford Transit bekam die Aidhäuser Wehr ihr erstes neues Fahrzeug. Das Mehrzweckfahrzeug wurde umfangreich modifiziert und mit moderner Technik ausgestattet. Beste Voraussetzung für die Feuerwehrler, ihr Ziel zu erreichen: „Helfen und dafür sorgen, den Schaden möglichst gering zu halten“, bringt es Kommandant Geiling auf den Punkt.

Das Festwochenende

Freitag, 9. August: Um 18.30 Uhr beginnt die Blaulichtdisco für Jugendliche unter 16 Jahren, ab 21 Uhr spielt DJ Timo.

Samstag, 10. August: Die Partyband „Dochrinna“ tritt auf, Einlass ist ab 18.30 Uhr.

Sonntag, 11. August: Um 9 Uhr beginnt der Festgottesdienst, im Anschluss folgen Grußworte. Der Festumzug startet um 14 Uhr, anschließend sind Schauübungen, Fotoausstellung und Kinderprogramm geplant. Die musikalische Unterhaltung übernimmt die Blaskapelle Aidhausen. (gkl)

Aus zwei alten Scheunen entstand das 1993 eingeweihte Gerätehaus der Feuerwehr Aidhausen. Inzwischen platzt es aus allen... Foto: Timo Schlund

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