Unterhohenried

Alte Schriftstücke auf dem Dachboden des Höreder Pfarrhauses

1671 in Würzburg gedruckt im Auftrag des Bischofs Johann Friedrich von Schönborn: das Ritualienbuch zur Sakramentenspendung und für Segensgebete. Foto: Albin Schorn

Über Jahrzehnte staubten sie unbeachtet sich hin: Jahrhunderte alte Schriftstücke aus der Pfarrei St. Johannes, Unterhohenried. „Für uns sind solche Dachboden-Funde aus alten Pfarrhäusern ein wahrer Schatz“, erklärt Nikola Willner vom Archiv und Bibliothek des Bistums  Würzburg. Denn die Schriftstücke sind Zeitzeugen, sie vermitteln einen Eindruck, wie Pfarrer damals ihre Gemeindearbeit gestaltet haben.

Nach und nach werten Mitarbeiter des Diözesanarchivs die Funde aus.  Wurden vor Monaten kartonweise Schriftstücke der Pfarrei St. Johannes der Täufer vom Diözesanarchiv Würzburg nach Unterhohenried gebracht, geordnet und in einem Findbuch zugänglich gemacht, so wurden in den vergangenen Wochen weitere Schriftstücke ausgewertet. Diese lagerten jahrzehntelang unbeachtet auf dem Dachboden des Pfarrhauses.

Die Pfarrbibliothek Unterhohenried wurde wohl nach 1773 eingeführt, bei der Errichtung der Pfarrei durch Bischof Adam Friedrich von Seinsheim (+ 1779). Viele Priester verfügten nicht über die finanziellen Mittel, um sich notwendige theologische Literatur zu beschaffen. So war den Seelsorgern überlassene Literatur aus säkularisiertem Klosterbestand, aus Stiftungen und Nachlässen zur Information und Weiterbildung willkommen. Das zeigt auch ein Blick auf die Thematik und Herkunft der etwa 70 Titel.

Schriften in Französisch

Der Schwerpunkt des Entstehungszeitraumes  liegt mit 39 Titeln im 18. Jahrhundert. Zwei Drucke zeigen ein hohes Alter: 1584 und 1528, also 16. Jahrhundert. Sprachlich sind die Bücher vorwiegend in Deutsch zu lesen, dann folgt Latein – teilweise mit Übersetzungen – und zunächst überraschend auch einige in Französisch.

In der Thematik des Bestandes steht mit 15 Werken die Theologie ganz oben: praktische Anleitungen und Hilfen, Bibelausgaben, Kirchenordnungen und Gesetzestexte.  Auch „Leichtfassliche Predigten“, zu verschiedensten Anlässen, sind zu lesen. Das waren sicherlich Hilfen für den Alltag in der Seelsorge.

Handschriftliche Vermerke

Als Eigentumsnachweise lassen handschriftliche Vermerke, Pfarreistempel und vor allem den Nachweis des Benediktinerklosters Weißenohe vorhanden. War doch der erste Pfarrer in Unterhohenried – Ildefons Hellerich – Ordensgeistlicher in Weißenohe in Oberfranken und dann im Kloster Theres, bevor er die neugegründete Pfarrei an der Nassach übernahm. Als Autor zeichnet er auch handschriftlich für einige theologische Abhandlungen (Traktate) in Latein verantwortlich. Des Weiteren sind sechs  Breviere für Ordensgeistliche der Benediktiner zu zählen.

Die Bücher hatten in den zurückliegenden Jahrzehnten, auch wohl Jahrhunderten, schlechte bis sehr schlechte Lagerungsbedingungen einigermaßen gut überstanden. Sie waren sehr verschmutzt, jedoch sind sie jetzt nach der Reinigung im Allgemeinen in einem brauchbaren Zustand zugänglich. Einige Bücher sind vom Holzwurm angefressen, Wasserschäden sind nur vereinzelt festzustellen. Ein Ordnungssystem zur Pfarrbibliothek wurde leider nicht vorgefunden.

Blick in das Rituale: Noten in schwarzer Hufnagelschrift, Texte schwarz und rot. Formular für den Priester mit Diakon bei der Prozession am Fronleichnamsfest. Foto: Albin Schorn

Ein besonders bemerkenswertes Buch von 1671 mit dem Titel „Rituale sive Agenda ad Usum Ecclesiarum“ aus der Pfarrbibliothek erzählt örtliche Kirchengeschichte in einem handschriftlichen Schenkungsvermerk des in Sylbach 1732 geborenen Dr. Johann Georg Kisling. Er hatte sein Vermögen 1808 kurz vor seinem Tod zum Kirchneubau vermacht.

Texte mit Segensgebeten

„Ad usum Parochia Unterhohenriedensis ex Donatione J. G. Kisling Cath. Ecclesia Wirceburgensis Vicarii et Subcustoria Parochi“ – Die Widmung des Domvikars und stellvertetenden Dombaumeisters aus der Bischofsstadt Würzburg bedeutet, dass dieses Buch mit Texten zur Sakramentenspendung (Ritualien) und Segensgebeten (Benediktionen) ein Geschenk ist zum Gebrauch des Seelsorgers in Unterhohenried. Diese liturgischen Handlungen sind nicht im Messbuch (Missale) zu finden. Hier gilt die Ordnung für Sonn-, Fest- und Werktagsgottesdienste.

In Würzburg (Herbipolis) wurde dieses Ritualienbuch unter Bischof Johann Philipp von Schönborn (1605-1673) herausgegeben. Er hatte zeitweise neben Würzburg auch den Erzbischofsstuhl von Mainz (Moguntia) und den Bischofstuhl von Worms (Wormatia) inne. Nach dem Konzil von Trient (1545-1563) gelang es ihm, diese drei Diözesen  trotz aller Verschiedenheit in den rituellen Handlungen  auf einen Nenner zu bringen. Ergebnis: das beschriebene verbindliche Ritualienbuch von 1671.

Band mit über 300 Seiten

Inhaltlich sind zahlreiche Großbuchstaben als Initialen ausgeführt, der Text meist lateinisch verfasst, dazwischen auch Kapitel in Deutsch. Zahlreiche Noten, meist schwarz, sind in Hufnagelschrift ausgeführt. Der Bucheinband aus Holzplatten ist mit geprägtem Schweinsleder überzogen. Zwei Schließen – im Ansatz noch sichtbar – hielten den über 300 Seiten starken Band zusammen.

Noch gut zu wissen: Das Dekanat Haßfurt errichtete seit 1812  eine Dekanatsbibliothek für benachbarte Dekanate. Sie war im Haßfurter Pfarrhaus untergebracht. Im September 2005 übernahm das Diözesanarchiv die Unterlagen. Mittlerweise wurden die Archivalien durch Nikola Willer, Leiterin für Bibliotheksfachliche Aufgaben in Würzburg, im Ansatz erschlossen und ausgewertet.

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