Lendershausen

Alte Schule in Lendershausen wird zum Kneipenersatz

Mit der Schließung des Gasthauses "Zur Linde" fiel ein wichtiger Treffpunkt im Dorf weg. Die Schafkopfrunde von Alexander Häpp hat für einen Ersatz gesorgt.
Im neu hergerichteten Raum in der Alten Schule in Lendershausen trifft sich nicht nur die Schafkopfrunde. Die "Schulstub'n" dient auch als Treffpunkt für die Dorfgemeinschaft. Foto: Anna-Lena Behnke

Alexander Hepp blättert durch einen dicken Stapel alter Schwarz-Weiß-Fotografien. Die Aufnahmen sind schon Jahrzehnte alt und zeigen Lendershausen so, wie es früher war. Mit Fachwerkhäusern, traditionellen Handwerksbetrieben, Kühen und Schweinen. „Wir suchen gerade passende Fotos, die wir dann hier aufhängen wollen“, sagt Häpp und zeigt auf die noch kahle Wand der „Schulstub'n“. Die Renovierung des kleinen Raums in der Alten Schule in Lendershausen ist ein Projekt, das ihm spürbar am Herzen liegt. Gemeinsam mit den Mitgliedern seiner Schafkopfrunde hat er das Zimmer in Eigeninitiative umgebaut. Aus einer Rumpelkammer entstand ein gemütlicher Treffpunkt. Fotos und ein Gemälde an der Wand sollen dem Raum jetzt noch den Feinschliff geben.

Jeden Donnerstag ist die "Schulstub'n" ab 20 Uhr für die Allgemeinheit geöffnet. Dann trifft sich hier die Schafkopfrunde zum Spielen. Der Dorftreff käme aber auch bei den übrigen Leuten aus dem Dorf gut an, sagt Häpp: "Meistens sind donnerstags etwa 15 bis 20 Leute hier, um zusammenzusitzen und sich auszutauschen." Auch der Elternbeirat des Kindergartens und die Vereine nutzen den Raum für kleinere Sitzungen. Aber auch für neue Ideen, wie die "Schulstub'n" noch genutzt werden könnte, seien er und seine Schafkopf-Kollegen offen, betont Häpp.

Gasthaus musste schließen

Früher sei das Gasthaus "Zur Linde" der wichtigste Treffpunkt im Dorf gewesen, sagt er. Auch seine Schafkopfrunde habe sich dort jahrelang regelmäßig getroffen. Als die Wirtschaft im Dezember 2016 den Betrieb einstellte, war damit Schluss. Deshalb habe sich die Gruppe auf die Suche nach einer geeigneten Alternative gemacht. Die Wahl fiel auf das Schulhaus.

Mit alten Schwarz-Weiß-Aufnahmen an den Wänden will Alexander Häpp der "Schulstub'n" den letzten Schliff verleihen. Foto: Anna-Lena Behnke

Das alte Gebäude im Lendershäuser Dorfkern hat eine vielseitige Vergangenheit. Bis zum Ende der 60er Jahre fand dort in zwei Klassenzimmern Schulunterricht statt. Außerdem diente es bis 1972 als Rathaus. Danach nutzte die Raiffeisenbank einen Teil des Hauses als Filiale. Seit 1994 beheimatet das Gebäude viele Lendershäuser Vereine. Neben dem Posaunenchor und dem Obst- und Gartenbauverein nutzt auch die Evangelische Landjugend die Räumlichkeiten. Außerdem finden hier hin und wieder Kindergottesdienste statt.

Geeigneter Raum fehlte

In dem Gebäude, das die Stadt Hofheim kurz zuvor bereits zu großen Teilen renoviert hatte, habe ihnen aber ein geeigneter Raum gefehlt, sagt Häpp: "Es gab schon einen großen Veranstaltungsraum im Haus, aber mit einer Gruppe von vier bis acht Personen fühlt man sich darin ganz verloren." Deshalb habe sich die Gruppe entschlossen, ein kleines Zimmer im Erdgeschoss herzurichten. Weil der Raum zuvor nur als Abstellkammer gedient hatte, habe die Stadt ihn bei der Renovierung der Alten Schule nicht berücksichtigt, sagt der Hofheimer Bürgermeister Wolfgang Borst.

Unwohnlich sei der Raum deshalb noch gewesen, sagt Häpp. "Ursprünglich wollten wir trotzdem nur die Außenwände isolieren und verkleiden." Dabei ist es aber nicht geblieben. Als nächstes ging es mit den Innenwänden weiter. Beim Streichen habe aber die Farbe nicht richtig gehalten, erzählt er. Deshalb habe die Gruppe die gesamten Wände neu verspachtelt und gestrichen. Dann folgte die Sanierung vom Boden und der Decke. "Zwischenzeitlich hatten wir wirklich mal die Schnauze voll, weil wir immer wieder auf neue marode Stellen gestoßen sind", sagt Häpp. "Wir haben dann aber beschlossen: Wenn wir's machen, dann machen wir's richtig." Etwa 340 Stunden Arbeit habe die Renovierung insgesamt gekostet. Einen Großteil davon habe er gemeinsam mit drei seiner Schafkopf-Kollegen geleistet: Michael Wolf, Günther Wagner und Jürgen Lehnert. Aber auch aus der Dorfgemeinschaft habe das Quartett Unterstützung bekommen. Die Stadt Hofheim förderte das Projekt ebenfalls und stellte das Material für den Umbau zur Verfügung.

Neue Möbel für die "Schulstub'n"

Neben den Renovierungsmaßnahmen kümmerte sich die Gruppe auch um die Einrichtung der "Schulstub'n". Eine Eckbank, ein Kühlschrank und ein Fernseher sind Teil der Ausstattung. Die alten Tische habe die Gruppe mit neuen Tischplatten versehen, sagt Häpp. Über eine Spendenaktion habe sie außerdem neue Stühle finanziert. Die sonstigen Ausgaben für das Möbiliar hat die Gruppe damals vorerst selbst übernommen. Wer den Raum nutzt, gebe aber für gewöhnlich eine Spende, so Häpp. Mit diesem Geld werde die Einrichtung rückwirkend bezahlt.

In der Alten Schule fand bis Ende der 60er Jahre Schulunterricht statt. Heute beheimatet das Gebäude viele der Lendershäuser Vereine. Foto: Gudrun Klopf

"Projekte wie dieses zeigen, wie viel eine Dorfgemeinschaft oder eine gemeinnützige Gruppierung auf die Beine stellen können", lobt Wolfgang Borst die Initiative der Lendershäuser. Das Engagement der Bürger sei außerdem besonders wichtig für die Stadt, um Fördergelder zu bekommen, sagt Borst: "Wir können so bei Förderanträgen leichter nachweisen, dass die Leute vor Ort das Projekt wirklich wollen und es sich nicht nur um eine verrückte Idee des Bürgermeisters handelt."

Die Renovierung der "Schulstub'n" ist seit Ende des vergangenen Jahres abgeschlossen. Die offizielle Eröffnung fand am 6. Januar statt. Jetzt fehlen nur noch einige Kleinigkeiten. Der bisher letzte Schritt sei die Anschaffung von Vorhängen gewesen, sagt Häpp. Rund um die Schule ist aber schon das nächste Projekt geplant. Dort wollen die Lendershäuser demnächst das Außengelände herrichten.

Alexander Häpp sammelt alte Fotografien aus Lendershausen und wählt die passenden aus. Foto: Anna-Lena Behnke

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