HAßFURT

Antisemitismus: Spaenle lobt Erinnerungsarbeit im Landkreis

Ludwig Spaenle (links) zeigte sich beeindruckt von einem Besuch im Dokuzentrum in Kleinsteinach. Das Bild zeigt ihn mit (weiter von links) dem Arbeitskreisleiter Landjudentum Kleinsteinach Bernd Brünner, Landrat Wilhelm Schneider und Bürgermeister Bernd Fischer. Foto: Steffen Vogel

Vielen Besucher kamen am Freitag zum Vortrag „Jüdisches Leben in unserer Heimat“ ins Landratsamt. Referenten war der ehemalige bayerische Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) in seiner Funktion als Beauftragter der Bayerischen Staatsregierung für jüdisches Leben und gegen Antisemitismus, für Erinnerungskultur und geschichtliches Erbe.

„Der wachsende Antisemitismus ist für uns alle besorgniserregend“, sagte Landrat Wilhelm Schneider (CSU) und erinnerte daran, dass auch in der Nazizeit die Menschen weggeschaut hätten. „Damals konnten wir nicht aufstehen, weil wir noch nicht geboren waren. Heute sind wir verpflichtet, es zu tun.“

Fratze des Antisemitismus

„Nach den nationalsozialistischen Gräueln blüht die Jüdische Gemeinde wieder, die Geschichte geht weiter, Gott sei Dank“, sagte Referent Spaenle. Doch der gesellschaftliche Konsens, Verantwortung zu übernehmen habe sich geändert und die „Fratze des Antisemitismus“ zeige sich wieder offen. 20 bis 25 Prozent aller Deutschen seien für antisemitisches Gedankengut ansprechbar, Es gebe linken und rechten Antisemitismus, rassisch geprägten Antisemitismus, politischen, der sich an Israel entzündet, und islamischen Antisemitismus, der zugenommen habe, da im Rahmen der Flüchtlingsbewegungen seit 2015 Menschen nach Deutschland gekommen sind, in deren Heimatländern Hetze gegen Israel zur Staatsdoktrin gehört. Ebenso gebe es den sekundären Antisemitismus, der behauptet, die Erinnerung werde hochgehalten, damit die Bundesrepublik Deutschland weiter zahlt. Laut Spaenle verstärkt sich die Radikalität durch das Internet erheblich, dazu kommen Verschwörungstheorien. Spaenle sprach von einer Veränderung des gesellschaftlichen Klimas, wo selbst Kommunalpolitiker bedroht werden.

Der studierte Historiker klärte auf, dass keine Region Bayerns vom jüdischen Leben mehr geprägt sei als Unterfranken und warb darum, eine vielfältige Erinnerungsarbeit anzustoßen. Jüdisches Leben habe hier tiefe Wurzeln und selbstverständlich gehöre selbstverständlich zu Bayern und seiner Geschichte.

Nach dem Besuch der Synagoge in Memmelsdorf und des Dokumentationszentrums in Kleinsteinach bezeichnete Spaenle diese als „beispielgebende, zeitzugewandte“ Orte, an denen sich Menschen für die jüdische Geschichte „vorbildlich engagieren“. „Der Landkreis Haßberge zeigt Mut, Engagement und Respekt und ist politisch tätig, indem er sich des Erinnerns annimmt. Hierfür ganz großen Dank.“

Rege Diskussion

Dem Vortrag schloss sich eine lebhafte Diskussion an. Unter anderem ging es um die Aufklärung in den Schulen, wobei Spaenle die Bedeutung der Bildung hervorhob, die äußerst wichtig sei, „um den geistigen Unrat zu bekämpfen“.

Der Freundeskreis Asyl berichtete über seine Erfahrungen mit jugendlichen Afghanen und dem gemeinsamen Besuch des Konzentrationslagers Flossenbürg. Spaenle wiederholte die kürzlich an ihn gestellte Frage eines deutsch-türkischen Jugendlichen: „Warum bin ich Verantwortlicher, mich trifft keine Schuld.“ Worauf er antwortete: „Du bist verantwortlich, dass dies nicht wieder passiert!“

Ein Mittel gegen Antisemitismus sei der Jugendaustausch. Wenn man sich kennengelernt hat, falle es viel schwerer, sich übereinander negativ zu äußern. Ergänzend hierzu berichtete der Landrat über den Jugendaustausch und die Partnerschaft des Landkreises mit Israel, Polen, Frankreich und Schweden.

Verrohung der Gesellschaft

Der ehemalige Staatssekretär Albert Meyer (CSU) berichtete als Zeitzeuge, wie er als Zwölfjähriger in der Pogromnacht erleben musste, wie im Nachbarhaus ein Klavier mit einer Axt zerschlagen wurde. Dies habe ihn für sein Leben geprägt.

Auch Schüler des Eberner Gymnasiums waren interessiert an der Diskussion beteiligt. Der Landtagsabgeordnete Steffen Vogel (CSU) warnte vor einer Verrohung der Gesellschaft und dem Hass, der Politikern entgegen schlägt. Als Beispiel nannte er Angriffe gegen prominente Grünen-Politiker in sozialen Netzwerken, wobei nicht nachvollziehbar sei, dass Absender anonym bleiben können.

Kreisrätin Rita Stäblein (Grüne) sagte, sie empfinde es als äußerst wichtig, dass dieses Thema vom Landrat Schneider zur öffentlichen Diskussion gestellt wurde. Spaenle habe Vergangenheit und Gegenwart realistisch dargestellt.

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